Der Fremde in uns

Version 24, 84.56.129.238 am 15.5.2008 09:52

Buch von Arno Gruen

Erschienen: 2000 bei Klett-Cotta, Stuttgart

Der Fremde in uns ist der uns eigene Teil, den wir zeit unseres Lebens wiederzufinden suchen. Manche tun dies, indem sie mit sich selbst ringen, andere, indem sie andere Lebewesen zum Opfer machen. Dieser Widerstreit zwischen diesen beiden Ausrichtungen des Lebens, die von derselben Problematik bestimmt sind, wird über die Zukunft unseres Menschseins entscheiden. Ziel dieses Buches ist es, die zerstörerischen Anteile in uns, die das Eigene zum Femden machen, als eigentliche Krankheit zu erkennen. Ignorieren wir dies, muss unser Geschichtsbewusstsein unvollständig bleiben, und Pogrome, Holocaust, ethnische Säuberungen und verdeckter oder offener Fremdenhass werden weiter die Geschichte des Menschen bestimmen. Arno Gruen ermutigt uns, den eigenen unbekannten Kontinent der Gefühle zu erforschen. Dabei geht es um individuelle Antriebe bis hin zum politischen Handeln und darum, jene Einsichten zu gewinnen, die das zwischenmenschliche Handeln leiten. (Klappentext)

Translation

Annie Gottlieb Sunday, 11 April 2004 4:58 AM

Here is my clumsy and inadequate attempt to translate:

The stranger in us is the part of ourselves that we misplaced and that we try all our lives, each in his or her own way, to find again. Some do this by struggling with themselves, others by destroying other living beings. The conflict between these two life orientations [?], which are both determined by the same problem, will decide the future of our humanity. My hope is to bring it about [?] with this book that the destructive part can be pushed back before it becomes so strong that it rolls over us. This has less to do with great revolutionary initiatives [?]. I would much rather give courage for the daily engagement of dedicating oneself again and again, at every opportunity, to the heart.

This work has brought my own past back very immediately made it very present to me: the collapse [?] of the empire and the Weimar Republic as well as the effects of these events on my own family. The fear, the hunger, the blind hate, all that which later incited Germany to Naziism, were background for my own experiences. That has often made the writing a painful process.

!Inhaltsverzeichnis:

Rezensionen:

Marlis Jost im SWR2 : war mal auf www.swr2.de/buchtipp/2001/04/26/


"Der Fremde in uns" wurde mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2001 ausgezeichnet:

Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis 2001 wird vergeben an das Buch "Der Fremde in uns" von Arno Gruen. Der 1923 in Berlin geborene Autor mußte als Kind in die USA emigrieren; dort und in der Schweiz wirkte er jahrzehntelang als Wissenschaftler und Psychotherapeut. Seine zahlreichen Publikationen nehmen den Blickwinkel der Psychoanalyse ein, ohne diese als Patentrezept zu verstehen. Sie suchen nach Wegen, die Ganzheitlichkeit und Autonomie des Menschen zu bewahren oder wiederzugewinnen.

Gruens Buch "Der Fremde in uns" ist von bestürzender Aktualität. Sein Thema sind die Wurzeln von Fremdenhaß (vor allem des Antisemitismus) und Terror: "Fremdenhaß hat auch immer etwas mit Selbsthaß zu tun", richtet sich gegen einen entfremdeten, unterdrückten Teil des eigenen Ich und führt zu Lebenslügen, falscher Anpassung an die Macht und Selbstpreisgabe, innerer Leere und Destruktivität. Das Buch erforscht die Herkunft dieses "Verrats am Selbst" in den Erfahrungen der Kindheit und Sozialisation, es zeigt die Mechanismen und Metamorphosen der Täter-Opfer-Beziehung und erhellt die komplexe Dynamik von Selbstentfremdung, Fremdenhaß und destruktiver Gewalt. Die Beispiele reichen von den NS-Tätern bis zu den aktuellen Beispielen von Fanatismus, etwa auf dem Balkan, und Rechtsradikalismus. Das Buch ist trotz seiner schwierigen Thematik klar, pointiert und eindringlich geschrieben, wenngleich zuweilen überspitzend und provokant. Es verharrt nicht bei der Diagnose, sondern zeigt Wege aus der Gewalt auf; es gibt Anstöße zur liebevollen Zuwendung gegenüber Kindern und Erwachsenen und ist ein aufrüttelnder Appell an Empathie und Mitgefühl, die "in uns eingebaute Schranke zur Unmenschlichkeit".

aus der Dankesrede von Arno Gruen:

Für mich waren Sophie und Hans Scholl und ihr Freundeskreis immer außergewöhnliche Beispiele für Menschen, die aus ihrem Herzen heraus das Menschsein zum Kern ihres Seins machten. Ihr grundsätzliches Vertrauen zum Menschsein entsprang nicht ideologischen Ursachen, sondern kam aus tieferen Quellen ihres Mitgefühls sowie ihres Gefühls für Gerechtigkeit und Würde. Sie waren wahre Helden, die aus sich heraus und ohne äußere Unterstützung kämpften. Ihre Unruhe kam, wie die von Primo Levi, aus der Scham, dass es Menschen waren, die das Ungeheure erdachten und ausführten und die damit das Vertrauen von Mensch zu Mensch zunichte machten. Auch heute, vielleicht mehr denn je, sind wir gefragt, dieses Vertrauen aufrecht zu erhalten, in einer Welt, in der Hass und die Ketten eines materiellen Überflusses für manche dazu führen, das Leiden anderer nicht mehr wahrzunehmen. In einer Welt, in der die Maschinerie der Image-Fabrikanten in Politik und im allgemeinen gesellschaftlichen Leben zur bestimmenden Wirklichkeit erhoben wird, sind der Verlust des Selbst und der Tod der Liebe nicht mehr zu erkennen. Nur die Jagd nach Ruhm und der globalisierte Hass sind zur Stütze des Lebens geworden.

Wir brauchen heute Menschen wie Sophie und Hans Scholl. Um die Aussage eines ihrer Flugblätter mit ihren eigenen Worten zu umschreiben: Man kann sich mit dem gängigen Ethos über Krieg, Rache und Eroberung nicht geistig auseinander setzen, weil es ungeistig ist. Die Sprache, die von Krieg und Vergeltung spricht, mag sich geistig gesund anhören. In ihrer Ignoranz von Ohnmacht, Elend und Demütigung ist sie jedoch völlig von wahren Gefühlen und der tatsächlichen Realität getrennt. Was uns im Grunde vor Augen geführt wird, sind Macht und Größe als Ersatz für wahre menschliche Beziehungen. Aber es geht darum, für die wirklichen Bedürfnisse der Menschen zu kämpfen, wirkliches Elend, wirkliche Armut und die Ausgrenzung und Entwürdigung von ganzen Bevölkerungsgruppen zu unterbinden. Nur so werden Terror und Gewalt Einhalt geboten. Nur so werden wir es möglich machen, ein Leben, das demokratisch und lebendig ist, aufrecht zu erhalten.

Neue Seiten im Kontext

Dienstag, 23. Mrz 2004

englische Übersetzung der Seite "Arno Gruen"

Mittwoch, 11. Juli 2001

Neues Buch eingebaut. 20.5.2006 Buchvorstellung in Heidelberg