Charaktermaske live!

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Charaktermaske live!

Sie wiegelten das halbe Volk McPomms auf, alle Alphabeten jedenfalls, es stand mehrmals in den Umsonstzeitungen und Amtsblättern: die XDU-Landtagsfrackzion hat Flaggensätze zu vergeben. Die Fahnen von EU, D und MV. Die sollen auch ohne jeden sonderlichen Anlaß überall wehen können! Und am besten da, wo Stangen stehen oder ab und zu Leute vorbeigehen. Und als Windelemente zeugen von abgrundtiefer Verbundenheit und mündiger Lebenslust. Und ganz wichtig und ermutigend für diesen freizügigen anarchistischen Anfall der XDU: für das Hissen gibt es keine Verordnungen und Vorschriften! Nur für das Nichthissen. Letzteres ist erlaubt beim Ableben von Bundesverdienstbescheinigungsträgern, beim Verlieren des Endspiels oder Endsiegs, bei Dauerregen auf Sylt, Kernschmelze außer der Reihe, Straßenumbenennungen in Kaliningrad, im Falle von Bundeswahlen, wo alle Parteien wegen unzähliger ungültiger Stimmen unter 5% bleiben und anderen staatlich verkündeten Mißgeschicken.
Also Kameraden Bürger, laßt die Wimpel fliegen, wir haben 70 3erPacks zu vergeben! Die EM ist lang her und es kann doch nicht sein, daß wir schon wieder nicht mehr wissen wollen, woher der Wind weht!
Oh ja, da wollte ich auch mal dabei sein, am liebsten dazu noch mit den Fahnen vom Landkreis Demmin und der Gemeinde Düvier, mit dem Fähnchen von ZarNekla, dem Winkelement des Grundstücks 19 und mit meinem ganz persönlich gefärbten Schneuztuch. Und mailte sofort – als Vereinsmeier – nach Schwerin ins XDU-Landesquartier, postwendend wurde ich an den Abgeordneten in Stavenhagen verwiesen, den Obmann dieser Aktion.
Also gut, ich rief dann mal im Wahlkreisbüro an, da meine Mails dorthin folgenlos verhallten, und die Sekretärin am Fon begrüßte und bedankte mich und steckte mir, daß der I.G.E.L. e.V. für "seriös" befunden wurde – nach Google-Check, die Fahnenappellausrüstung zu erhalten. Irgendwas muß ich falsch gemacht haben mit unseren Internetauftritten. Oder sie kamen nicht drauf, Renate Holznagel und Zarnekla zu googeln oder Kapitalismus und I.G.E.L. e.V. oder Roland und Zarnekla und CDU. Nun gut, die Sache hatte trotzdem einen Haken: denn per Post, was ich als alter Öko dachte, is nich, die Fahnen werden immer vom Abgeordneten persönlich rausgefahren, übergeben und geweiht. Spontan wollte ich diese Tour also abwimmeln und verwies auf die Kosten und das schlechte Wetter. Aber dann sagte ich "B", gab noch mal die Himmelsrichtung durch und machte einen Termin. Montag, 11.30. By the way: Warum ich bzw. wir die Dinger überhaupt haben wollten, interessierte bis da- und auch fürderhin keine Sau. Sic!
Mescheskinner, war ich montagfrüh aufgeregt. Ich versuchte mich an irgendwelche Lieder zu erinnern, dem Morgenrot entgegen und so oder wenigstens klar zu bekommen, welche Fahne wohl welche Farbe haben müßte, daß ich die ja nicht verwechseln würde, ich machte mir Gedanken, ob ich noch schnell einen Appellplatz auf den Boden stampfen sollte, eine Eiche zur Fahnenstange erklären, die Bodyguards nicht aufs pazifistische Gehöft lassen sollte, ob das Abzeichen für gutes Wissen angebracht wäre oder die Reservistenmedaille an der Brust und der Spendentopf zum Reintun oder eine Kiste roter Äpfel zum Mitgeben...
Und es kam und kam keiner.
Jedenfalls ne dreiviertel Stunde lang nicht. Ich rief im Wahlkreis an: Aber er müßte doch längst da sein, er ist doch pünktlich um 10 los... Was n stressiger Arbeitstag! 50 km in 2,5 Stunden. Und nur weil, – da bimmelte das Fon bei mir, sie, die Sekretärin, habe ihn erreicht, er ist kurz vor Zarnekla und gleich da. Huii! Was hätte der arme Mann nur ohne sein Navi gemacht... Vielleicht Regenstunden geschrieben?
Da kam es die Stuckerstraße einher, ein dunkles, älteres, mittelprächtiges Auto mit einem dynamischen Strahlemann um die Dreißig drinnen. Und raus und he hallo, bin ich hier richtig und drückte mir gleich die Plastetüten in die Hand, die solle ich mal nehmen, deswegen sei er ja gekommen! Und so komme er ja mal in Gegenden, die er noch gar nicht kenne. Diesen Kernsatz seines Daseins wiederholte er während unserer Begegnung noch des öfteren.
Ock, ich übernahm die Führung. Feldsteinmauer, Insektenhotel, die neue Kräuterspirale, Streuobstwiese, Hubertuseiche, Campaktivitäten, Schreiadler, Umweltbildung und Finanzen. Aber: Nichts, was bewegen könnte! Der Mensch stellte keine Fragen, gab keine Gesprächsimpulse, zeigte kein Interesse an irgendwas! Der wollte hier gar nichts! Ich war wirklich einigermaßen baff und genoß es dann eben als Lehrvorführung Charaktermaske, schon nicht mehr aalglatt, sondern vakuumglatt und Oberflächlichkeit in Rheinkultur. Mir war meine Zeit bald zu schade, sonst hätte ich’s drauf ankommen lassen und hätte ihm jeden Baum im Wald gezeigt samt keltischem Minnesang.
(Später meinte wer bei ner Auswertung, die Landtagsfraktionen suchen allesamt Leute. In der NPD würde die Politiker-Karriere am schnellsten gehen.)
Dann zog’s ihm die Schuhe aus, wir gingen ins Haus, unser Gästebuch mußte natürlich sein. Seinen Namen hat er hinterlassen: M. Irgendwas-Unleserlich, offenbar ist der nicht so wichtig, ihr wißt ja, "derselbe Trog, nur die Schweine wechseln", und dem hektischen Gekritzel soll man sofort ansehen, wie angespannt der Mensch am Arbeiten ist. Aber seine Funktion als "Landtagsabgeordneter", die kam in Blockschrift drunter. Schon 27 Minuten rum, tschüß und nichts wie weg. Doch unbedingt Drosedow, sagte ich ihm noch, Pavillon! Da solle er am Rückweg mal anhalten, schauen und beten. Und tschüß wiederum. Aber vielleicht war er mit seinem nächsten Auftritt schon zu knapp dran und er hetzte an Drosedow vorbei, unterwegs zum Fototermin anläßlich des Anpfiffs der neu gestimmten Orgel in der Kapelle "Zum heiligen Bonusfazius der letzten Tage" von Klein Päwesinchen Ausbau am nächsten Tag? Wer weiß.
Nun hat unser Verein also 3 Dederonfahnen ausländischer Produktion in veränderlichen Gewichtsanteilen. Was dabei herauskommen kann, werden wir schon sehen.
Yo und die XDU M-V hatte zu dem Zeitpunkt nur noch zwei Flaggensätze über. Also, Patridioten aller Länder! Besorgt sie euch! Die eine ist schwarz und rot, die andere hat einen blauen Ossenkopp, der Sterne sieht und die letzte vereinigt die Mutter, den Lehrer und die Junge Lust in landesüblichen Streifen.

Roland, ZarNekla

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Samstag, 25. Januar 2003

Zar Nekla die Zweite, Freiraum für Gemeinschaft und Einzelgänger, naturnahe Aktivitäten und selbstbestimmteres Leben.
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