Veranstaltungsreihe des Erwerbslosentreffs in der Lunte

Version 1, toka am 6.2.2009 07:49

Im Oktober 2008 haben wir mit Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen begonnen, die einmal monatlich ein ganzes Jahr stattfinden werden (an jedem 3. Montag im Monat jeweils um 19 Uhr). Bisher ging es um das Recht auf Wohnen, Schulden, die soziale Situation in Neukölln und die Berliner Beschäftigungsindustrie. In den nächsten Veranstaltungen wird es um folgende Fragen gehen:

Bedingungsloses oder bedingtes Grundeinkommen? – Kritik der Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens!

Streitgespräch zwischen Wolfgang Ratzel und Robert Ulmer, mit anschließender Diskussion.

am Montag, den 16.2.2009 um 19 Uhr in der Lunte, Weisestr.53, U-Bhf. Boddinstr.

In dieser Diskussion geht es nicht um das pro oder contra des Grundeinkommens, sondern darum, ob das Grundeinkommen an Bedingungen geknüpft werden sollte. Wolfgang Ratzel meint, dass jegliche soziale Sicherung den Verpflichtungen des Gabentauschs und einer fairen Subsidiarität unterliegt. Wem schuldet der Kapitalist und sein Staat was, wenn er seine ArbeiterInnen entlässt? Auf welchen gesellschaftlichen "Schuldverhältnissen" kann ein bedarfsgerechtes Grundeinkommen ohne Arbeitszwang, aber mit einer gesetzlichen Arbeitsgarantie für Arbeitswillige funktionieren? Was geschieht mit "Faulpelzen", die auf Kosten anderer leben? Und was zerbricht, wenn das Prinzip der Bedingungslosigkeit das Prinzip des 'Gebens und Nehmens' auflöst? Robert Ulmer vertritt dagegen konsequent die Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens - jede und jeder entscheide selber, ob und wie er oder sie sich nützlich machen will.

Überlebenstipps für Hartz IV-BezieherInnen Teil 1: Welche Verhaltensweisen im Umgang mit dem Jobcenter sind erfolgversprechend?

Ein Erfahrungsaustausch mit Solveig Koitz (Sozialberaterin) am Montag, den 16.3.2009 um 19 Uhr in der Lunte, Weisestr.53, U-Bhf. Boddinstr.

Hartz IV- BezieherInnen müssen clever sein und stressresistent, um mit dem kargen ALG II auszukommen, um Diffamierungen abprallen zu lassen, um dem Jobcenter die zustehenden Leistungen abzuringen und unpassende "Förder"maßnahmen abzuwehren.

Im Umgang mit dem Jobcenter kommt es nicht nur darauf an, die eigenen Rechte und Pflichten sowie mögliche Rechtsmittel zu kennen- was schon Herausforderung genug ist. Um unsere Ansprüche durchzusetzen, müssen wir im Jobcenter mit MitarbeiterInnen verhandeln, die sowohl Teil eines bürokratischen Apparates sind als auch eigene Befindlichkeiten und Interessen haben. Wenn es uns gelingt, beim Verhandeln nicht nur von der eigenen Wut und Angst geleitet zu sein, sondern die Situation unseres Gegenübers zu erfassen und das Gespräch klug zu lenken oder in einem Brief klug zu argumentieren, haben wir bessere Chancen, zu unserem Recht zu kommen.

Bei dieser Veranstaltung wollen wir uns darüber austauschen, welches Verhalten gegenüber MitarbeiterInnen des Jobcenters in welcher Situation erfolgversprechend ist. Für jedeN EinzelneN bleibt als Aufgabe, das eigene Verhaltensrepertoire realistisch einzuschätzen und für die konkrete Situation herauszufinden, was die beste Strategie ist.

Steine, die wir uns gegenseitig in den Weg legen – Warum fällt uns die politische Zusammenarbeit schwer?

Angelika Wernick (Berliner Kampagne gegen Hartz IV): Statt eines Vortrags Anregung für die gemeinsame Suche nach Ursachen und Lösungen

am Montag, den 20.4.2009 um 19 Uhr in der Lunte, Weisestr. 53, U-Bhf. Boddinstr.

In der politischen "Zusammen"arbeit zwischen Erwerbslosen-Initiativen hapert es an vielem. Der Aufbau von tragfähigen Bündnissen scheint in Berlin extrem schwierig. Wir legen uns gegenseitig Steine in den Weg, wo angesichts immer neuer Verschärfungen gegen Erwerbslose ein Zusammenarbeiten – punktuell, vorübergehend oder kontinuierlich – dringend nötig wäre. Die Gründe werden oft in vermeintlich unterschiedlichen Zielen und unterschiedlichen Vorgehensweisen gesehen; "die (blöden) Anderen" haben die falsche Einstellung, wissen nicht, wie man Politik macht, verfolgen bestimmte, auch egoistische Interessen…

An diesem Abend soll nicht nach "Belegen" für solche und ähnliche Annahmen gesucht werden. Die Idee ist vielmehr, gemeinsam dem nachzuspüren, was uns als Individuum bereits daran hindert, konstruktiv mit anderen zusammen zu arbeiten. Eine erste Anregung hierzu gibt es in Erich Fromms "Haben oder Sein", in dem er anhand verschiedener Beispiele die Unterschiede zwischen dem "Haben-" und dem "Sein-"Typus beschreibt. In dem Abschnitt "Miteinander sprechen" (Kap. 2) beschreibt er Verhaltensweisen, die uns aus der politischen "Zusammen"arbeit vertraut sind: "Nehmen wir eine typische Unterhaltung zwischen zwei Männern, in der A die Meinung X hat und B die Meinung Y. Jeder kennt die Ansicht des anderen mehr oder weniger genau. Beide identifizieren sich mit ihrer Meinung. Es kommt ihnen darauf an, bessere, das heißt treffendere Argumente zur Verteidigung ihres eigenen Standpunktes vorzubringen. Keiner denkt daran, seine Meinung zu ändern, oder erwartet, dass der Gegner dies tut. Sie fürchten sich davor, von ihrer Meinung zu lassen, da diese zu ihren Besitztümern zählt und ihre Aufgabe somit einen Verlust darstellen würde. Bei einem Gespräch, das nicht als Debatte gedacht ist, verhält sich die Sache etwas anders. (…) Die Unterhaltung hört auf, ein Austausch von Waren (Information, Wissen, Status) zu sein, und wird zu einem Dialog, bei dem es keine Rolle mehr spielt, wer recht hat."

Danach, welche weiteren Verhaltensweisen uns an einer konstruktiven Zusammenarbeit hindern und welche ersten Schritte zur Überwindung geeignet wären, könnten wir an diesem Abend gemeinsam suchen.

Jeden Mittwoch von 12-16 Uhr findet das Erwerbslosenfrühstück (Kaffee und Brötchen) in der Lunte statt.

Tel.: 622 32 34

(Beratungsstellen und Infos bei www.teilhabe-berlin.de)