Umsonstladen Hamburg Altona

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Daten
Adresse: Stresemannstraße 150
(Nähe S- Bahnhof Holstenstraße)
22769 Hamburg
Öffnungszeiten: Mo 16:00 - 18:00
Di 18:30 - 20:30
Mi 16:00 - 18:00
Fr 10:30 - 16:00
Sa 10:00 - 12:30
Tel.: 040- 39 90 64 88
mail: umsonstladen@ak-loek.de
web: http://www.ak-loek.de/Umsonstladen

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Eine Selbstkritik der Umsonstläden - Rückblick und Ausblick

(Ein Diskussionspapier aus dem Arbeitskreis Lokale Ökonomie e.V.)

Im März 1999 haben wir in Hamburg, als Teil einer Projektgemeinschaft gegenseitiger Hilfe den Umsonstladen eröffnet. Gleich in den ersten Wochen brachten uns Menschen viele Sachen, die sie für "zu schade zum Wegwerfen" hielten. Alle können diese Gegenstände zum persönlichen Gebrauch mitnehmen. Seit bald neun Jahren sind die Öffnungszeiten gut besucht. Allmählich haben in Deutschland und Österreich über 50 Umsonstläden begonnen. Auch in den Niederlanden gab es parallel eine ähnliche Entwicklung. Es gibt auch einen in Israel. Immer noch sind welche in Gründung.

Umsonstläden - was wird daraus?

Die Funktion der Umsonstläden hat sich in den allermeisten Fällen als ein voller Erfolg erwiesen. Anders als bei den Tauschringen, wo über die Verrechnungseinheit der Tausch geldähnlich bleibt, sind hier Geben und Nehmen je nach den besonderen Bedürfnissen entkoppelt: Wer braucht bekommt etwas, wer etwas über hat, bringt es. Selbstverständlich könnte sich auch aus Tauschringen ein darüber hinausgehender solidarischer Zusammenhang gegenseitiger Hilfen entwickeln. Nur ist das bisher aus Tauschringen und aus Umsonstläden heraus nur bei wenigen Ansätzen geschehen. Es haben sich bisher nur sehr wenige Umsonstläden auf den Weg gemacht, sich andere Teilprojekte im Verbund anzugliedern.

Wir dachten uns den Umsonstladen aus als eine praktische Warenkritik, als EIN Ansatz, aus den Fähigkeiten der sich aktivierenden Menschen eine Projektgemeinschaft aufzubauen, die ein Stück Erwerbsarbeit nach dem anderen durch verabredete und spontane gegenseitige Hilfen ersetzen sollte. Umsonstläden sollten als eine Basisbewegung in überregionalem Kontakt bleiben, Erfahrungen austauschen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten diskutieren. Deshalb initiierten wir auch die bundesweiten Umsonstläden - Treffen.

"Ehrenamtlich Tätige und Bedürftige" oder "NutzerInnen und Aktive" ?

Aus der Funktion eines Umsonstladens heraus gibt es zwei Rollen: Die vielen NutzerInnen bringen und holen Dinge, je nachdem ob sie über haben oder welche brauchen. Sie bleiben meist in einem losen, freundlichen Kontakt zu "ihrem" Umsonstladen. Ab und zu entschließen sich wenige Einzelne, selbst hier aktiv zu werden ... Die zweite Rolle spielen die Aktiven. Sie organisieren den Laden, betreuen während der Öffnungszeiten die NutzerInnen. Sie räumen die vielen Dinge in die Regale, sie putzen und beseitigen Müll, geben Dinge zum Recycling u.s.w. Das Selbstverständnis dieser Aktiven ist natürlich von Ort zu Ort und auch innerhalb der Gruppen sehr verschieden. Obwohl die Umsonstladen - Tätigkeit von uns mehrheitlich anfangs keinesfalls als "ehrenamtlicher" Sozialdienst an den Nutzern gesehen wurde, sondern eher als eine ‚Hilfe zur Selbsthilfe’, hat auch bei uns das ein Teil der Aktiven so begriffen. Das Verständnis vom "Ehrenamt" wird ja auch vielfach als Erwartungshaltung von NutzerInnen an die Aktiven herangetragen, wenn sie sich zum Beispiel nicht umfassend genug "bedient" fühlen und das hier und da auch "vorwurfsvoll" äußern. Zum "Ehrenamt" gehört auch, dass die vermeintlichen Ehrenamtler, sich nichts von den gebrachten Sachen für sich nehmen "dürfen". Denn diese Sachen sind ja in dem vorherrschenden Verständnis "für die Bedürftigen". Ein "ehrenamts" - ähnliches Vorverständnis mancher Aktiven und entsprechender Erwartungsdruck eines größeren Teils der NutzerInnen sind immer wieder eine Allianz eingegangen. Es gibt inzwischen Umsonstläden, die sind faktisch eine ehrenamtliche "Dinge-Verteilstation" für "Bedürftige". Diese Gruppen wollen meist keinen Kontakt zu den anderen Umsonstläden. Das soll kein ‚Wert’urteil sein und ich erweise auch einem solchen Ansatz ausdrücklich die nötige Achtung. Aber es ist m.E. eben nicht das, was Umsonstläden sein sollten ... Aber alle U-läden haben das Problem, mit dem teilweise massiv vorhandenen Erwartungsdruck in Richtung "ehrenamtliche Einrichtung" einen kreativen Umgang zu finden.

Ein Mindestmaß an Kontakt und Verabredung ist nötig

Trotzdem war bei uns von Anfang an wichtig, dass die gebrauchten Dinge in begrenzter Menge genauso wie für die NutzerInnen für die Aktiven da sein sollen. Auch wenn unsere Liste der Bedürfnisse (in Umsonstladen und Kleinmöbellager) von den Einzelnen recht unterschiedlich intensiv bedient und genutzt wird, hat diese Bezugsquelle für einige Aktive eine praktische Bedeutung.

Umsonst, gratis und geschenkt ...

Der Ausdruck "Laden" im Umsonstladen war von Anfang an als praktisch-ironische Wertkritik gemeint: Ein Laden, in dem die Dinge "umsonst" gegeben werden, ist ja kein Laden. Der Witz war und ist: Es soll ja auch kein Laden sein, sondern einfach ein ‚LAGER von nützlichen Dingen’. So erscheint ein Umsonstladen als praktischer Vorgriff auf eine Gesellschaft, die gemeinschaftlich produziert hat und dann natürlich "Dingeverteilstationen" braucht. Vielleicht gibt es in einigen Gruppen noch eine recht vage Vorstellung davon, was das Wort "umsonst" im Umsonstladen bedeuten könnte. Hier und da wird verständlicherweise versucht, aus den Stichworten "umsonst", oder "gratis" oder "schenken" eine Wirtschaftsweise abzuleiten. Die beiden Ausdrücke "umsonst" und "gratis" geben überhaupt nur einen Sinn in einer Gesellschaft, in der der Waren- und Geldwert vorherrscht. Denn sie bedeuten, dass eben mal für Dinge kein Geld ausgeben werden muss, wie sonst überall. Das ist auch ein praktisch wohltuender ‚Nachdenk-Kick’: Manch eine (r) merkt, wie unnatürlich, dieses ‚Werthaben’ aller Dinge ist. Der Waren- und Geldwert wird im Umsonstladen als keineswegs zwingend nötig erfahren. Aber warum haben denn fast alle Dinge in dieser Gesellschaft "Wert"? Sie sind losgelöst voneinander, völlig ohne gemeinsame Verabredungen, privat produziert worden. Meist wird Geld als Kapital eingesetzt, um menschliche Arbeitskraft einzusaugen und sich dadurch zu vermehren. Weil die Dinge als Waren privat hergestellt wurden, müssen sie auf den Markt gebracht werden. Um ihre gesellschaftliche Nützlichkeit beweisen, müssen sie vorher als Warenwerte auf dem Markte gegen Geld ausgetauscht werden. Wenn die Produktion nicht gemeinschaftlich verabredet in Bezug auf die Bedürfnisse der Beteiligten gelaufen ist, muss auf dem Markt der Wert den unpersönlichen Regulator spielen (mit all den sich inzwischen als problematisch zeigenden Begleiterscheinungen)

‚Umsonstökonomie’ oder ‚Gratisökonomie’ legen nahe, dass es eine Wirtschaft geben könnte, in denen Menschen sich alle nötigen Dinge direkt geben, ohne sich dafür zu verabreden (sozusagen spontan). Das KANN nur punktuell funktionieren, vielleicht als zusätzliche Erfreulichkeit zwischen einzelnen Menschen. Aber der Zusammenhang von Produktion (Herstellung der Dinge und Dienste) und Konsumtion (Ge- und Verbrauch) kann nur über den Markt oder direkt bewusst verabredet laufen, aber nicht "irgendwie". Weil wir es so gewohnt sind, dass der meiste Austausch von Gütern und Diensten sich ohne direkte Verabredungen über den Markt reguliert, besteht verständlicherweise auch bei Umsonstladen-Aktiven die Neigung, sich gerne ab und zu gegenseitig etwas umsonst oder gratis zu geben. Aber es besteht ebenfalls eine starke Abneigung dagegen, sich dazu auch direkt zu verabreden, um einen Teil der Sachen gezielt für die Gemeinschaft herzustellen. Eine ‚Gratis- oder Umsonstökonomie’ kann es nicht geben, es sei denn es wird geklärt, wie die Herstellung der Dinge laufen soll. Läuft sie privat, ist der Wertausdruck auf dem Markt nötig. Läuft sie verabredet unter den Beteiligten, werden die Dinge einfach verteilt, je nach den individuellen Bedürfnissen. Der Ausdruck gratis oder umsonst macht dann keinen anderen Sinn mehr, als einen rückblickenden auf die Warenwelt ... Etwas anders verhält es sich mit dem Schenken. Diese Tätigkeit gab es nachweislich schon vor Beginn der einfachen Warenproduktion, also seit Tausenden von Jahren. Eine Vorstufe zur einfachen Warenproduktion war häufig der Geschenktausch oder Potlasch. (Vergleiche den spannenden Klassiker "Die Gabe", Paris 1923, von Marcel Mauss!) Jedoch hat das Schenken in jeder Gesellschaft eine unterschiedliche Rolle gespielt. Die persönliche GABE als Ausdruck von Zuneigung, Wertschätzung und Gastfreundschaft spielt gerade in der Gegenwart, in der fast alles zur Ware geworden ist, weiterhin eine bedeutende Rolle. Das Schenken ist auch heute ein Zeichen praktischer Menschlichkeit. Aber das Schenken begründet ebenfalls noch keine neue, verabredete Wirtschaftsweise. Es öffnet sich noch unbestimmt in diese Richtung. Ein Umsonstladen als "Schenkort" und "Dinge-Lager" schafft zwar Raum für das Nachdenken darüber, welche Art Wirtschaften wir eigentlich wollen. Aber wenn das nicht geschieht und ausprobiert wird, wird sich auch ein Umsonstladen allmählich wieder vollständig an die ihn umgebende kapitalistische Warenwelt anpassen. EIN wirksames Mittel gegen diesen Anpassungsdruck ist das regelmäßige gemeinsame Gespräch in und zwischen den Gruppen. Deshalb war es beunruhigend, dass die Kontakte zwischen den Gruppen zeitweise stark zurückgegangen waren. Und es ist toll, dass es in den nächsten Tagen wieder ein großes Umsonstläden-Treffen gibt!! Ein andere Aktion gegen die Alltagsroutine könnte ein Umsonstfest sein, in dem die Aktivitäten der gesamten Gruppe mit einigen anderen "nicht-kommerziellen" Initiativen zusammenwirken ...

Zwei Bereiche schaffen, um den einen wachsen zu lassen ...

In vielen Umsonstläden ist der Gedanke bisher nicht verwirklicht worden. die gegenseitigen Hilfen der Aktiven mit weiteren Teilprojekten zu erweitern. Zumindest haben sie, ähnlich wie in Hamburg auch, Schwierigkeiten, Leute zu finden, die die Initiative für ein neues Teilprojekt ergreifen können.

Ein erster Schritt wäre für manche Gruppe, deutlicher zu trennen: Was mache ich für die Nutzerinnen und Nutzer, sozusagen aus "Gastfreundschaft"? Was mache ich darüber hinaus bewusst für die anderen Aktiven, als teil einer abrechungsfreien gegenseitigen Hilfe? Erst wenn die gegenseitige Hilfe zum überwiegenden Zweck der Gesamtveranstaltung geworden ist, kann ein Keim von bewusstem, verabredetem Wirtschaften entstehen, also etwas grundsätzlich Neues. Wenn die vielen NutzerInnen alles genauso "umsonst" gekommen, wie die Aktiven, wird es überhaupt nicht attraktiver, in der Gruppe aktiv zu werden. Die Beziehungen in der Gruppe bleiben in einem praktischen Sinne unverbindlich und reichen nur so weit, wie die persönlichen Freundschaften untereinander. Die Bereiche der gegenseitigen Hilfe innerhalb der Umsonstläden, Projektgemeinschaften, Kommunen usw. können sich einerseits stärken durch eine praktische Zusammenarbeit mit ähnlichen Gruppen im jeweiligen Nahbereich. Andererseits besteht dann die Möglichkeit, ortsübergreifend eine Arbeitsteilung und einen Austausch zu konkretem, gegenseitigen Nutzen zu verabreden. Die Aktiven in den verschiedenen Umsonstläden könnten SOFORT damit beginnen, sich gegenseitig mit einer Liste der Bedürfnisse gezielter zu unterstützen!


Ergänzung von Carola aus Köln: "Der erste positive Schritt bei den U-Läden ist für mich: Wir haben uns Räume geschaffen für gemeinsame Erfahrungen. Das finde ich viel, bleibt aber wenig, wenn die "Erfahrungen" immer wieder in die alten Spuren laufen. Ja, ohne Zweifel, wir reflektieren untereinander zu wenig. Wir müssten aber auch genauer hingucken, warum dieses >Sich gegenseitig Helfen< so selten funktioniert: Wir haben sehr unterschiedliche Lebenswelten. Wir haben sehr unterschiedliche Tageszeiten, an denen wir >Zeit für andere< haben. Der U-Laden ist ja nur ein kleiner Teil in unserm Alltag. Aus Zeitdruck hat man manchmal eine Dienstleistung schneller in der Nähe gekauft, als die Anrufrunde "wer kann mir helfen" zu starten. Handlungen, die eine längere Vorlaufzeit haben, sind da geeigneter. Und zu allem kommt bei vielen auch eine depressive Grundhaltung, die nicht gerade zum eigenständigen Handeln motiviert. Unter den Aktiven in Köln sind 80% ALG II - Empfänger, manche mit 1-Euro-Jobverpflichtungen. Und wer hat schon gelernt, selbst und für sich statt für einen Arbeitgeber aktiv zu werden? Wo das "gegenseitige Helfen" noch leichter funktioniert, ist in der Familie, in der Verwandtschaft, Freundschaft, Vereinen, Thekengemeinschaften - also in lange und regelmäßig gelebten Zusammenhängen. Niederkaufungen ist inzwischen sicher auch so eine Gruppe." Kritik herzlich willkommen !


Zum Verständnis des Umsonstladens

Spielregeln

Der Umsonstladen ist kein Tauschladen. Es muss weder bezahlt, noch müssen Dinge direkt getauscht werden. Bringen und Holen, Geben und Nehmen sind hier entkoppelt, man kann nur Geben, man kann nur Nehmen, oder beides tun.

Die Dinge sind hier alle Gebrauchsgegenstände, sie haben bei uns keinen Tauschwert, keinen Preis. Es können alle möglichen Dinge gebracht werden, die ein Mensch tragen kann, Kleidung sollte gewaschen und nicht kaputt sein (Bitte, nicht mehr als 5 ‚gute Stücke’ bringen). Haushaltsgeräte sollten funktionieren. Für größere Gegenstände gibt es zwei Pinnwände, auf die, mit Datum und den entsprechenden Telefonnummern versehen, Gesuche und Angebote zum Verschenken aufgehängt werden. Sie können dann entsprechend direkt privat abgeholt werden. Die Mitnahme von Gegenständen ist bei einem Besuch an einem Tag beschränkt auf drei Teile. Diese 3-Teile-Regel hat den Sinn, dass nicht wahllos alles mögliche mitgenommen wird, weil es ja kostenlos ist, sondern dass man beginnt nachzudenken, was man jetzt wirklich braucht und was nicht. Die Dinge sollen dem persönlichen Gebrauch (als persönliche Habe) dienen und nicht (z.B. auf Flohmärkten) weiterverkauft werden. Wer gegen diese Regel verstößt, dem kann ein Ladenverbot ausgesprochen werden.

Die Nutzerinnen und Nutzer werden um eine freiwillige Spende gebeten, die der Finanzierung der Ladenmiete dienen soll. Die Spende ist nicht daran geknüpft, ob man Dinge mitnimmt.

Die Aktiven der Umsonst-Laden-Projektgruppe

Seit 15 Jahren machen inzwischen ca. 20 Aktive, ein relativ fester Kreis von Leuten, die 'Schichten' (jeweils eine Öffnungszeit von zwei bis drei Stunden). Es sind Aktive aus allen Altersgruppen, beiderlei Geschlechts. Sie kommen aus verschiedenen Schichten (Erwerbslose, Berufstätige, Studierende, Rentnerinnen und Rentner). Die meisten Aktiven waren zuvor NutzerInnen des Umsonstladens, die sich nach mehrmaligem Besuch dazu entschieden, selbst bei einer Schicht mitzumachen.

Es kann prinzipiell jeder mitmachen, der bereit ist, zusätzlich zu den Schichten am monatlichen Umsonst-Laden-Projekttreffen (in der Regel am ersten Montag im Monat!) teilzunehmen und so sein Interesse an Mitverantwortung und Mitgestaltung auszudrücken. Bei diesem Treffen werden Schichten eingeteilt und alle gemeinsamen Angelegenheiten, die direkt den Umsonstladen betreffen, besprochen und entschieden, sowie Erfahrungen ausgetauscht. Für manche Abteilung gibt es eine oder mehrere Personen, die sich für den Bereich zuständig fühlen (z. B. Bücher, Kleidung).

Die Schichtverantwortlichen gestalten bis auf die verabredeten Minimalspielregeln ihre Schicht autonom. Das schließt jedoch eine Verpflichtung zu Kontakt und gegenseitiger Absprache (Projekttreffen) ein.

Die gesellschaftliche Seite des Umsonstladens

Der Umsonstladen öffnet sich der ganzen Gesellschaft. Er ist nicht nur auf eine Gemeinschaft (Freundeskreis z.B.) zur Nutzung beschränkt. Er richtet sich auch nicht allein an bedürftige Menschen (Man muß z.B. nicht seinen Sozialhilfeausweis vorzeigen, um Dinge mitnehmen zu können). Im Projekt Umsonst-Laden passiert im Kleinen etwas, eine Nutzung von Gegenständen ohne Tausch von Sachen oder Geld, was auch in der Gesellschaft möglich sein sollte. Inzwischen gibt es ca. 70 Umsonstläden mit unterschiedlichem Selbstverständnis und einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch unter ihnen.

Die ökologische Seite des Umsonstladens

Brauchbare Dinge werden nicht einfach auf den Müll geworfen, sondern der weiteren Nutzung zugeführt, sozusagen recycelt. Es fliegen viele Dinge, die noch gebrauchsfähig sind, auf den Müll und belasten so die Umwelt, Durch den achtsamen Umgang mit den Dingen scheint sich bei einigen NutzerInnen das Verhältnis zum Eigentum zu verändern. Manche Dinge, die man im Umsonstladen findet, nimmt man mit, weil man sie nur für eine begrenzte Zeit benötigt. Man bringt sie wieder zurück, wenn man sie nicht mehr braucht. Z.B. nimmt man einzelne Kleidungsstücke mit, um sie mal auszuprobieren.

Der Umsonstladen - ein Projekt in einer Projektgemeinschaft

Alle Projekte sind selbständig, entscheiden selbst über das, was sie tun. Der gemeinsame Treffpunkt für Aktive aus den verschiedenen Projekten, wo auch ein Austausch zwischen den Projekten stattfindet, sind die vierzehntägigen Donnerstagssitzungen des Arbeitskreises Lokale Ökonomie. In diesem Sinne ist der Umsonstladen Teil des Arbeitskreises. Alle Umsonstladen-Aktiven können auch am monatlichen Arbeitscafé (Vollversammlung; an jedem 2. Sonnabend im Monat), dem projektübergreifenden Entscheidungsorgan für alle Projekte des Arbeitskreises Lokale Ökonomie, teilnehmen.

Der Arbeitskreis verfolgt das Ziel, unabhängig vom Markt eine demokratisch wirtschaftende Projektgemeinschaft aufzubauen.

Der Arbeitskreis Lokale Ökonomie ist nicht auf staatliche Unterstützung orientiert, sondern selbstorganisiert. Die Projektgemeinschaft finanziert sich über freiwillige Beiträge der Mitglieder, Spenden der Umsonstladen-NutzerInnen und aus der Abgabe von Kleinmöbeln gegen eine Aufwandsspende zur Deckung der Unkosten.

Papier aus der Umsonstladen - Projektgruppe - Stand vom Oktober 2009

Artikel zum Umsonstladen in Hamburg: http://de.groups.yahoo.com/group/contraste-list/message/3236

Warum haben wir uns den Umsonstladen ausgedacht?

Also, er funktioniert jetzt in Hamburg fast 11 Jahre. Es kommen stabil über 300 Leute die Woche und nutzen den Umsonstladen. Er funktioniert auch, ohne dass die NutzerInnen sich viele Gedanken darüber machen müssten. Es ist ein praktisches, den meisten Menschen dieser Gesellschaft unmittelbar einleuchtendes Angebot. Trotzdem haben sich ein paar von uns etliche kritische Gedanken über die derzeit noch vorherrschende Wirtschaft gemacht, um auf dieses einfache Angebot zu kommen und es zu entwickeln. Der Umsonstladen ist neben seiner Nützlichkeit, auch ein Angebot, Wirtschaften Schritt für Schritt in die eigenen Hände zu nehmen, zu wirtschaften, um zu leben, nicht mehr zu leben, um zu arbeiten. Wir wollten als Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg - anfangs nichts als ein loser Gesprächskreis -"nur" unsere Kritik an der drückender werdenden Erwerbsarbeit praktisch werden lassen. Aus den gemeinsam erkundeten Neigungen der Einzelnen wollten wir ein Bündel von Mitmach-Projekten entwickeln - als gegenseitige Hilfe jenseits der ‚Warenwelt’. Gleichzeitig wollten wir uns auch bei den noch notwendigen Markt- und Erwerbsarbeitsbezügen gegenseitig unterstützen. Das machen wir inzwischen auch. Aber wir wären mit der Entwicklung dieser Projekte als "aktivierende Stadtteilarbeit" wahrscheinlich weitgehend isoliert geblieben, wenn wir nicht auf die Idee des Umsonstladens gekommen wären.

Ausgangspunkt des Umsonstladens ist die wirtschaftliche Grund’struktur’ des Kapitalismus: die Ware, das Kaufen und Verkaufen. Fast alles ist in dieser Gesellschaft zur Ware geworden, besonders seit auch die menschliche Arbeitskraft zur Ware wurde. Mehr oder weniger verzweifelt rufen uns Menschen (z.B. von der Gruppe attac) zu, unsere Welt dürfe nicht zur Ware werden. Sie ist es bereits geworden, in einem sehr weitgehend das menschliche Leben bestimmenden Sinne... Aktuell durchdringt der Warencharakter noch weitere Lebensbereiche, die vorher davon weniger beeinflusst waren. Aber was sind eigentlich Waren? Obwohl sie uns umgeben, wie die Luft zum Atmen, fragen sich das bisher kaum Menschen. Der Warencharakter kommt den nützlichen Dingen ja nicht von Natur aus zu. Viele tausend Jahre haben die Menschen in gemeinschaftlicher Arbeit die für sie nützlichen Dinge hergestellt, ohne dass sie zur Ware wurden. Auch als es schon Warenproduktion und Warenaustausch gab, hat das viele Jahrhunderte lang nicht die ganze Gesellschaft dermaßen durchdrungen, wie wir es global in den letzten 50 Jahren erleben. Was ein Ding zu einem für uns nützlichen Ding macht, ist menschliche Arbeit. Was ein nützliches Ding zur Ware macht, ist ihr Wert, ihre scheinbare Natureigenschaft, in dieser Gesellschaft ein käufliches Gut zu sein. Die Ware ist in voneinander getrennten oder losgelösten Produktionseinheiten hergestellt worden. Deshalb muss sie ihre gesellschaftliche Nützlichkeit auf dem Warenmarkt erweisen. Innerhalb einer Familie oder in einer anderen zusammen produzierenden menschlichen Gruppe braucht man sich gegenseitig nichts zu verkaufen. Eine Ware ist eine in sich widersprüchliche Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert. Der Tauschwert ist ein bloßes mengenmäßiges Verhältnis, worin der Wert sich zeigt. Als Gebrauchswerte sind die Waren sehr verschieden und für jeden Menschen unterschiedlich nützlich. Als Tauschwert (der Erscheinungsweise des Wertes in den Waren und im Geld) werden die Waren von den warenaustauschenden Menschen als alle von derselben ‚Substanz’ seiend, nämlich als "Wert habend" behandelt. Dieser Wertausdruck steckt in allen Waren und im Geld. Der allgemeine Vertreter des Wertes ist das Geld. Die besonderen Vertreter des Wertes sind alle einzelnen Waren der ungeheuren Warenansammlung in dieser Erdgesellschaft. Der Wert hat alle Dinge zu einer Einheit zusammengeschlossen, von der die Menschen zunehmend abhängig sind. Wir beherrschen unseren eigenen gesellschaftlichen Zusammenhang nicht. Aber in hochabstrakter, erstarrter Form ist dieser Zusammenhang schon entstanden. Über die Märkte, den Staat und Großorganisationen wird er indirekt oder stellvertretend hergestellt. Es ist jedoch möglich, dass die Menschen diesen Zusammenhang beginnen selbst zu betätigen. Dazu müssten sie miteinander Kontakt aufnehmen und sich nicht mehr hinter den Dingen oder in ihrer Clique oder Restfamilie verstecken.

Die bisherige Produktionsweise ist darauf ausgerichtet, Waren herzustellen, um aus Geld mehr Geld zu machen: kaufen, um teurer zu verkaufen. Dafür werden die Leistungen der Arbeitskräfte eingesogen. Sie setzen dem Arbeitsprodukt mehr Wert zu, als sie den Anwender auf dem Arbeitsmarkt kosten. "Verbilligung der Ware Arbeitskraft" (einschließlich ihrer "Nebenkosten") ist deshalb auch der gemeinsame Nenner des aktuellen Krisen"überwindungs"konzeptes. Ohne Waren zu produzieren - auch in Gestalt von Dienstleistungen, oder in der Form seine eigene Arbeitskraft zu Markte zu tragen, musst du in dieser materiell so reichen Gesellschaft verhungern. Oder andere, die das vorher getan haben, geben dir davon wiederum etwas ab, wie z.B. in der Familie. Der Erwerbszwang ist allgemein, egal ob er als Zwang empfunden wird oder nicht. Eine Wirtschaft für den unmittelbaren Verbrauch (‚Subsistenzwirtschaft’) ist durch die gegenwärtige Wirtschaftsweise global aufgelöst worden. Einen sinnvollen Weg zurück gibt es m.E. nicht. Aber die gegenwärtigen, gewaltig produktiven Produktionsmittel (Maschinen, Fabriken, Computer, Wissenschaften und Technologie) sind den einfachen Menschen entzogen - alles ist in der Hand von mehr oder weniger riesigen Privatfirmen, die diese Arbeitsmittel immer globaler zum Ausgangspunkt weiterer Einverleibung der Erwerbsarbeit von abhängig Beschäftigten machen ... Die allermeisten Menschen meinen inzwischen obendrein, dass es gegenüber dieser Art des Wirtschaftens keinerlei Alternative gibt. Sie haben Werthandeln und Wertdenken tief verinnerlicht. Was also tun, wenn den Menschen in dieser Hinsicht durch Reden kaum beizukommen ist? Wir haben uns für lebenspraktische Angebote entschieden, die ihnen durch ihr eigenes Tun die Möglichkeit bieten, dass sie (auch wir selbst!) ihren eigenen gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhang in kleinen praktischen Schritten sich aneignen können. Das nennen wir manchmal ‚demokratisches Wirtschaften’.

Angebote können abgelehnt werden. Sonst sind es keine. Keime eines selbstbestimmteren Lebens können sich nur auf strikt freiwilliger Grundlage entwickeln. Nur auf Grundlage der Freiwilligkeit kann eine freiwillige Verantwortung wachsen. Wer bei uns aktiv wurde, dem versuchen wir Bedingungen mit zu schaffen, jederzeit gehen (und auch wiederkommen) zu können. Das Angebot des Umsonstladens besteht darin, mal versuchsweise die Dinge, die vorher uneingeschränkt Waren waren, als bloße nützliche Dinge zu behandeln. "Zu schade zum Wegwerfen" versteht in einer Warengesellschaft fast jeder. Wir ‚spielen’’ mit dem ständig wirkenden Widerspruch in den Waren zwischen Gebrauchswert und Warenwert. Die vorher mal eingekauften Dinge liegen teils lange zu Hause rum. Benötigt werden sie nicht (mehr). Sie sind noch nützlich... Könnten diese Dinge nicht einfach anderen Menschen von Nutzen sein? Dem noch ziemlich ‚warenverliebten’ Menschen ermöglicht der Gedanke, einem anderen damit zu helfen, eine leichtere Trennung von diesem zu Hause rumliegenden Ding. Das andauernde Missverständnis von Einigen, einseitig ‚Gutes tun’ zu wollen, versuchen wir als Umsonstladen-Aktive zu ergänzen durch die Erklärung der Umsonstladen-Spielregeln, als Teil von Selbsthilfe und gegenseitiger Hilfe: Jeder kann etwas für die anderen tun oder geben; jeder kann sich trauen, mal etwas ohne direkte Gegenleistung anzunehmen. Niemand soll nur Empfänger oder Geber von Almosen oder ‚Wohltätigkeit’ sein. Wenn viele Menschen einfach bringen, was sie über haben, könnten viele Menschen einfach holen, was sie benötigen... So geschieht es. Ein Teil dieser Menschen entdeckt die Möglichkeit, beides zu tun: mal mehr bringen, mal mehr holen, je nach aktuellem Bedürfnis. Vielen ermöglichte der Umsonstladen, sich leichter von den Dingen zu trennen. Viele wagten mal, Dinge einfach anzunehmen, ohne direkt etwas dafür zu geben. Es ist ein schönes Gefühl, etwas zu schenken, ein anderes schönes Gefühl, etwas geschenkt zu bekommen. Einige Umsonstladen-Aktive passen regelmäßig auf, dass der zunächst nur kleine Anteil der Menschen, die den Umsonstladen als Ort purer Schnäppchenjägerei und zum Wiederverkaufen missverstehen, nicht zunimmt. Wenn der Anteil der Menschen, die auch im Umsonstladen weiterhin konsequent nach dem Warenwert jagen, ein bestimmtes Maß überschreiten würde, würde alles verdorben. Dazu lassen wir es nicht kommen. Inzwischen können wir manchen Menschen, der nur mal schnell etwas bei uns sinnvoll loswerden wollte, dazu ermuntern, sich ebenfalls etwas Nützliches mitzunehmen. Von allein würden längst nicht so viele darauf kommen. Wir erklären, dass wir das Ganze nicht speziell "für die Armen" machen, sondern für und mit allen, die nicht ständig alles neu kaufen wollen, oder die etwas gegen das ökologisch bedenkliche Wegwerfen von nützlichen Dingen tun wollen... Der allgemeine Erwerbszwang wird durch die Umsonstladen-Praxis nur um eine Kleinigkeit gemildert. Doch gerade für etliche, die wenig Geld haben, ist es eine spürbare Entlastung und ein kleines Hoffnungszeichen für einen menschlicheren, solidarischeren Umgang miteinander. Für uns Aktive ist die Umsonstladenpraxis auch bedeutsam geworden, weil in den Umsonstladen viele Menschen mit noch nicht völlig verschüttetem gemeinschaftlichen Sinn kommen. Die meisten der inzwischen ca. 30 Aktiven der verschiedenen Projekte sind als NutzerInnen des Umsonstladens zu uns gekommen. Hier konnten sie entdecken, dass all ihre Neigungen gefragt sind. Wir raten den NutzerInnen unserer Projekte, ihre ihnen wichtigsten Neigungen nicht alle auf den Markt zu tragen, sondern sie als Teil einer direkten, gegenseitigen Hilfe neben unsere bisherigen Aktivitäten zu stellen. Das erlaubt uns, gemeinsam weitere nützliche Dinge der allgemein üblichen Verwertung zu entziehen - zum Nutzen der Menschen und der Umwelt.

aus dem Umsonstladen, März 2014

Neue Seiten im Kontext

Sonntag, 5. April 2009

Das Umsonstfest ist nicht-kommerzielles und offenes Straßenfest in Hamburg. Es einmal jährlich im Sommer statt und wird veranstaltet vom Arbeitskreis Lokale Ökonomie e.V.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Bloß "antikapitalistisch" zu sein, bedeutet noch keine Änderung im wirklichen Alltagsleben ... Wer sich in Hamburg Schritt für Schritt gemeinsam von der Erwerbsarbeit lösen möchte, auch selbstbestimmte Gemeinschaftsarbeit anstrebt, findet HIER erste Tipps und Informationen.

Diese Seite "lebt" von den Menschen, die weitere Infos über selbstbestimmteres Wirtschaften jenseits vom allgemeinen Warenmarkt ergänzen. Jede auch noch so kleine Initiative in diese Richtung ist hier herzlich willkommen. Bitte, selbst eintragen !!

Sonntag, 20. Januar 2008

Ein Projekt des Arbeitskreises Lokale Ökonomie e.V.. Ein Netzwerk zur Unterstützung gemeinsamen Lernens ist entstanden.

Montag, 11. Dezember 2006

Wir, einige Aktive aus dem Umsonstladen des Arbeitskreis Lokale Ökonomie in Hamburg-Altona, werden im Folgenden einen kritischen Blick auf unsere eigene Praxis werfen. Wenn es uns nicht gelingt, gemeinsam mit den anderen Projekten des Arbeitskreises einen Zusammenhang solidarischen Wirtschaftens jenseits des Marktes aufzubauen, werden wir zu einer karitativen Einrichtung verkommen.

Dienstag, 21. Februar 2006

Das Kleinmöbellager in Hamburg ist seit 2001 das erste Kleinmöbellager in Deutschland. Es hat ca. 60 bis 100 Besucherinnen und Besucher pro Woche und ist mit anderen Projekten der gegenseitigen Hilfe verbunden, unter anderem dem Umsonstladen und der Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt.