Chronik Straßenbau Zarnekla

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Chronik Straßenbau Zarnekla

Kein Kommentar!

"Je weicher die Birne, desto härter das Brett davor." (aus einem Kabarett-Programm zu DDR-Zeiten)

Ich gebe hier Werdegang und Erfahrungen zum Besten. Dies gibt ein schönes Licht auf die Mechaniken dieses Landes und was zum Lernen. Ich vervollständige die Sache nach und nach, auch zwischendrin. Kann sein, daß nicht jedes Datum mit dem Geschehen übereinstimmt, ich bitte um Nachsicht.

Roland, ZarNekla


Foto-Doku der Zerstörung hier: http://archive.wikiwoods.org/doku.p ... la:aktivitaeten.html.
Aktualisiert am: 1. 2. 11.



Die Akteure: Gemeinde Düvier mit BM Hildebrandt an der Spitze, das Bauamt im Amt Peenetal/Loitz vertreten durch Frau Krüger, das Ingenieurbüro Leu aus Demmin als Planer, Hauptauftragnehmer Peene Bau GmbH aus Neukalen, der Forstbetrieb Heydenholz als Subunternehmen, das Umweltamt Demmin, das Forstamt Poggendorf, die Kommunalaufsicht des Kreises Demmin, das Vermessungsbüro Weinert aus Demmin, der I.G.E.L. e.V. meist vertreten durch mich, weitere Einwohner aus Zarnekla, ein ö.b.v. Sachverständiger, im weiteren Verlauf dann Rechtsanwälte, Amtsrichter Kunze, Ordnungshüter...
Die Passeure: Mehr als 100 umgenietete Bäume, versiegelte Muttererde, getötete oder vergrämte Tiere, gekappte Wurzeln...

Etwa im Juni 2010 wurden im Kreis Demmin Fördermittel für weitere profitable Asphaltverklappung frei, weil eine Gemeinde von einem Straßenbauprojekt mangels Eigenmitteln zurücktrat. Die Gemeinde Dü4, zu der das Dorf Zarnekla gehört, schrie daraufhin "Hierher!", weil sie eine der an einer Hand abzuzählenden Gemeinden im Kreis war, die überhaupt noch über Rücklagen in der Gemeindekasse verfügen. Sofort wurde von der Gemeindevertretung ein Beschluß zum Straßenbau noch in diesem Jahr übers Knie gebrochen, der von der Kommunalaufsicht wegen formaler Fehler erst mal zurückgepfiffen wurde. Jedoch wurde das Straßenbauprojekt am 14. Juli formal besser gestellt nochmals zur Beschlußfassung bei den Gemeindevertretern in Dü4 vorgelegt. Unmittelbar vor der beschlußfassenden Sitzung wurde eine Einwohnerversammlung zum Thema Straßenbau in Zarnekla einberufen, zu der fast alle betroffenen Anwohner kamen.
Laut Satzung haben die Bürger vor Gemeinderatssitzungen die Möglichkeit, eine Einwohnerfragestunde wahrzunehmen - in der allerdings keine Fragen gestellt werden dürfen, die auf der anschließenden Sitzung von Belang sind. Nun nannte man die Chose einfach "Einwohnerversammlung", beendete diese und eröffnete sofort die Sitzung - mit einer Einwohnerfragestunde, in der keine Fragen zum Straßenbau gestellt werden durften. Die Kommunalaufsicht, die ich später einschaltete, fand das völlig in Ordnung. Die Abgeordneten gingen also frank und frei und unbefangen an die Beschlußfassung. Aber noch einmal zurück zur Einwohnerversammlung.
Seitens der BM wird die Notwendigkeit des Straßenbaus begründet. Als erstes wird die Furcht vor Haftungsansprüchen gegen die Gemeinde genannt, die aus Schäden, die durch den schlechten Straßenzustand verursacht werden, erwachsen könnten. Zum einen hat die Gemeinde es seit 1990 nicht für nötig befunden, ihrer Pflicht zum Aufstellen von Warnschildern nachzukommen - wenn denn die Straße so schlecht sein soll, zum anderen war die Antwort auf meine Frage, ob denn schon jemals jemand solcherlei Haftungsansprüche gegen die Gemeinde erhoben hat, ein schlichtes Nein. (Nebenbei: solcherlei Streitigkeiten werden vor Gericht bundesweit zu mehr als 90% zugunsten der Kommunen entschieden...) Befürchtet werden weiterhin Schwierigkeiten beim Einsatz von Rettungsfahrzeugen und bei der Müllabfuhr, sie könnten nicht mehr durchkommen. Tja, wohin da noch überall Straßen gebaut werden müßten... Ein weiteres gewichtiges Sachargument war die "Schneeräumpflicht" (dies Wort zitiert aus dem veröffentlichten Protokoll der BM), daß "der Winterdienst nicht mehr zum Einsatz komme." Der letzte Winter mit seinem vielen Schnee bewies das Gegenteil, und ich rief auch einige Zeit später bei der beauftragten Firma in Trantow an, ob es da irgendwelche Probleme beim Winterdienst gäbe - Nö, und ob sie wieder in Zarnekla schieben würden - Ja klar. Und nach § 11 des Straßenbaugesetzes McPomm Absatz 3 ist die Gemeinde als Straßenbaulastträger überhaupt nicht zum Schneeschippen verpflichtet: "Zu den Aufgaben nach Absatz 1 gehören nicht das Schneeräumen, das Streuen bei Schnee- oder Eisglätte, die Reinigung und die Beleuchtung." Ts ts ts. Seitens der befürwortenden Anwohner kamen weitere Argumente auf den Tisch: erhoffte Aufwertung der Grundstücke, bessere Nutzung der Straße für Rollstühle und Rollatoren.
Refrain des ganzen bildete immer wieder der Reim von der letzten Chance im Fördermitteltanz.
Ich greife hingegen bei der Grundlagenforschung gern auf eine bewährte Frage zurück: "Wem nützt es?" Und da ist die Antwort einfach: der Straßenbaufirma (incl. Subunternehmen) samt Vorauskommandos Planungsbüro und Vermessung selbstredend, der Agrargenossenschaft Ibitztal (ansässig in der gemeinde Dü4) und der Schack KG aus Glewitz, die auf dem Weg zu ihren Ländereien ebenfalls des öfteren unserer Dorf passiert. Daß die Landwirtschaftsfirmen enorm Zeit sparen werden, weil sie mit ihren Panzern hier dann endlich volles Rohr langheizen können und daß Reparaturkosten an angehängten Geräten gespart werden - dem wurde nicht widersprochen. Ob die Gemeinde Dü4 je darüber diskutiert hat, von diesen Unternehmen eine Kostenbeteiligung am Straßenbau einzufordern, da diese Unternehmen die Straße außergewöhnlich stark benutzen (wozu nach Straßenbaugestz die Möglichkeit besteht), entzieht sich meiner Kenntnis.
Schon einmal stand dieses Straßenbauprojekt vor einigen Jahren auf der Tagesordnung, damals sprachen sich alle Anwohner und auch die Gemeinde dagegen aus. Nun wollte ein Abgeordneter wissen, wie groß denn jetzt die Mehrheit der Gegner sei. Die BM Hildebrandt wischte dieses Ansinnen indessen mehrmals mit einem kräftigen Argument vom Tisch: "Wir machen hier keine Mathematik!" Zwar ist das die Basis von Demokratie (Zahlen zusammenzählen und irgendwelchen Farben zuordnen), aber auch nur, wenn es der Obrigkeit passend kommt.
Zuletzt noch ein schönes Beispiel, wie Wunschdenken die Wahrnehmung eintrüben kann. Ich betonte während der Versammlung vehement, daß ich das gesamte Projekt ablehne. Bei der Diskussion fragte ich, warum die neue Straße nicht bei meinen Schräggegenüber-Nachbarn aufhören kann, da ich sie gar nicht will? Warum wird willkürlich bis Wendehammer gebaut, da ich als letzter Anlieger nur Nachteile von der Straße habe? Warum nicht noch weiter bis zum Ortsausgangsschild? Schlichte Fragen nach A, B oder C. Die hier ohne Antwort blieben. Noch Monate später wird mir allerdings trotz wiederholter energischer Richtigstellung meinerseits von der BM und vom Amt gesagt, ich hätte vorgeschlagen, die Straße bis zum Ende zu bauen... Samt Nachsatz, daß man mit mir nicht reden kann.
Jedenfalls war nun wirklich die Idee da, das Ding bis zum Anschlag Richtung Medrow durchzuziehen.
19:05 war Schluß mit der Versammlung. 19:07 begann die Vertretersitzung, wo mit einer Enthaltung Ja gesagt wurde.
Nun waren die für den Bau veranschlagten 365 T€ also erst mal auf den rechten Weg gebracht. Das Ende wird zeigen in welche Taschen und welche unweigerlichen Kostendetonationen die Geräuschkulisse dazu bildeten.

Ich schrieb nach der Versammlung und Sitzung (Sitzungsgeld pro Vertreter und Sitzung 30 €, Ehrenamtentschädigung für BM 500 €/Monat laut Satzung Gemeinde Dü4) an die Demminer Zeitung beim Nordkurier einen Leserbrief, der am 22. Juli größtenteils veröffentlicht wurde (die wegzensierten Passagen habe ich hier kursiv angelegt):


'Ich wähle, also bin ich.'
Meine Stimme los, entmündigt.
Am 14. Juli beschlossen die Gemeindevertreter in Dü4 einmütig Straßenneubau in Zarnekla - es gibt gerade Fördermittel für Asphalt im Angebot, da ist für Rücklagen kein Halten mehr. Man kann zum Verschwinden von altem Kopfsteinpflaster, welches hundert Jahre ohne Reparatur seine Dienste tat und sicherlich identitätsstiftenden Reiz für ein Dorf hat, durchaus sehr geteilter Meinung sein, ebenso zu der Frage, welche Firmen für welche Leistungen an der Gemeinde verdienen - bezogen auf Klimawandel, Biodiversität, Demografie usw. Und die Anwohner in Zarnekla sind geteilter Meinung, wenn auch in der Mehrzahl mit klarer Ablehnung des Vorhabens. Weswegen in der Beschlußvorlage, die zur Abstimmung kam, explizit steht "...gegen den Willen der Anwohner..." Tja, so funktionieren Macht und Machtlosigkeit auch im Kleinen. Selbst der Treppenwitz fehlte dem Ganzen nicht: So ergibt sich laut Satzung eine Beitragspflicht für die Anwohner aus dem Erwachsen von Vorteilen durch die Inanspruchnahme der Straße. Auf meine Frage, wer denn darüber bestimmt, was für mich ein Vorteil ist, wenn nicht ich selbst, wer also besser weiß, was für mich gut ist, kam die spontane Antwort vom Bauamt des Amtes Peenetal/Loitz wie aus der Pistole geschossen: "Die Bundesrepublik Deutschland!" Allerdings hat mich nie jemand gefragt, ob ich die totale Demokratie will und Insasse dieses Staates sein.


Ich hing für kurze Zeit ein großes Transparent in eine Linde über die Straße: "Kapitalismus = Geldmacht + Asphaltierung des ganzen Landes".
Mein Nachbar warnte mich dann, derartiges zu tun, weil es niemand verstünde. "Bäume wech - Asphalt her!" würde sofort als Aufforderung zum Straßenbau interpretiert werden.

Im Loitzer Boten wurde im August das Protokoll der Einwohnerversammlung veröffentlicht, das die Bürgermeisterin nicht wirklich wertungsfrei und unbefangen hinbekam.

Am 17. August konnte man sich im Gemeindebüro die Planungsunterlagen des Ingenieurbüros Leu zum Straßenbau anschauen und nochmals Fragen stellen Das Geld reichte wohl doch für 120 m Verlängerung über den Wendehammer hinaus, kein Problem. Es soll dort also tatsächlich gebaut werden.
Ich wiederholte bei der Gelegenheit vor versammelter Mannschaft, daß ich die gesamte neue Straße überhaupt nicht will. Und verlangte, daß weder für den Verein noch für mich eine Abfahrt zu den Grundstücken asphaltiert werden wird. Ich fotografierte die letzten Zeichnungen der Planung. Leider hatte ich nicht Zeit und Nerven, gleich mal in alles reinzuschauen. Mir wäre eine gelbe Markerfläche auf dem Gemeindeflurstück 39 aufgefallen.

Am 16. September rückten im stillen Morgengrauen 4 Fahrzeuge in Orange mit 8 Agenten ohne Warnung an und begannen "Lichtraumprofil" zu sägen und zu schreddern, den Weg entlang vom Haus Nr. 19 bis zum Naturdenkmal Hubertuseiche. Der Forstbetrieb Heydenholz, beauftragt von der Peene Bau GmbH namentlich von Herrn Hahn, in unbeschwerter Aktion. Frisch von der Hebebühne weg wurde da an gefühlten Grundstücksgrenzen entlanggesäbelt, daß es nur so krachte.
Marlin war draußen, fotografierte und filmte. Dann auch Nathalie, deren Protest, daß die auf Vereinsgelände am Machen sind und das gefälligst zu unterlassen haben, nichts als ignoriert wurde: "Wir haben Auftrag." Ich war leider erst später alarmiert und draußen, weil das, was die da taten, mein Vorstellungsvermögen wohl überstiegen hatte, so daß mich Marlin holen mußte. Ich konnte nur noch unsere Brombeeren am Weg retten, weil ich mich ne knappe Stunde davorstellte. Die Heydenholzer wollten weitermachen, weil "wir haben Auftrag."
Ließen schon Versammlung und Beschluß Schlimmes ahnen, ging es nun offenbar los mit der Praxis "gegen die Anwohner".

Ich war dann leider eine Woche weg, währenddessen Umweltamt, Forstamt, Planer und Gemeinde sich am Weg hinterm Wendehammer trafen und ihren Konsens zum weiteren Ausmaß der Zerstörungen trafen.

Am 27. September war ich mit der Bürgermeisterin auf dem Weg, ihr die Heydenholz-Bescherung zu zeigen. Sie verstand die ganze Aufregung nicht, "das ist doch nur ein ideeller Schaden, Herr Gorsleben." Ooops.

Am 28. September fotografierte ich alle Schäden, die ich feststellen konnte. Ein Großteil des abgesägten Beweismaterials wurde aber am Tattag von Heydenholz geschreddert und abgefahren. Und trat ich in den recht einseitigen Briefwechsel mit der Peene Bau GmbH:


Schönen Tag!
Wir stellen hiermit Schadensersatzforderung an Sie.

Die Sachlage: Sie sind mit dem Straßenbau in Zarnekla beauftragt. Am 16. 9. 2010 - vor jeglicher Bekanntgabe eines Baubeginns, ohne jegliche Vorlage von Genehmigungen - führte in Ihrem Auftrag der Forstbetrieb Heydenholz in Zarnekla Baumschnittarbeiten aus. Dabei wurden ohne jegliche Rücksprache mit uns als Eigentümer auch auf unserem Grundstück 58/3 trotz Protest Arbeiten ausgeführt, die innerhalb kurzer Zeit die Ergebnisse jahrelanger Pflanz- und Pflegearbeit zerstörten.

Gänzlich abgesägt wurden:

1 Traubenkirsche 10 Jahre alt 8 Schwarzer Johannisbeersträucher 15 Jahre alt 5 Eschen 3 bis 6 Jahre alt 1 Liguster 15 Jahre alt 2 Pfaffenhütchen 4 Jahre alt 6 Heckenrosen 4 bis 15 Jahre alt 2 Berberitzen 10 Jahre alt 4 Pflaumenbäume 6 bis 10 Jahre alt 16 Schneebeeren 14 Jahre alt 3 Haselsträucher 6 bis 10 Jahre alt 1 Flieder 5 Jahre alt 2 Sanddorn 5 Jahre alt 1 Spitzahorn 5 Jahre alt 1 Eberesche 15 Jahre alt 3 Korbweiden 16 Jahre alt 3 Espen 3 bis 8 Jahre alt

Desweiteren wurden Traubenkirschen, Kastanien, Äpfel- und Pflaumenbäume beschädigt.

Um einer gerichtlichen Auseinandersetzung wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung aus dem Weg zu gehen, fordern wir hiermit eine Schadensersatzzahlung bis zum 31. 10. 2010 in Höhe von

787,80 €

auf unser unten stehendes Konto.


Auf dieses Schreiben, das ich auch an die Gemeinde Dü4, das Planungsbüro und an Heydenholz zur Kenntnisnahme schickte, gab es eine Empfangsbestätigung durch den Geschäftsführer Bondzio der Peene Bau. Als bis zum 25. November einzige direkte Reaktion.

Am gleichen Tag landen im Dorf Zettel in den Briefkästen, daß Peene Bau am 29. September mit den Arbeiten beginnen wird. Am 30. September rückten dann wirklich die Truppenteile an und begannen damit, das alte Kopfsteinpflaster aufzubaggern und in 1,5 km Entfernung vorn im Dorf auf einer Wiese zu lagern.

Nach Vermessungsarbeiten sollte am 29. September die Grenzfeststellung für den Straßenverlauf ab Wendehammer sein. Ich konnte aber an dem Tag nicht. Erst eine Woche später ;o).

Ich rechnete in etwa aus, was die zusätzlichen 120 m Straße kosten werden und fragte am Telefon bei der BM nach, woher diese 37 T€ genommen werden? Das beantragte Geld reiche eben auch dafür, kurze Antwort, Punktum.

Ich intervenierte Anfang Oktober beim Umweltamt, nachdem ich aus der Zeitung erfuhr, daß es einen Vororttermin am Gemeindeflurstück 39 gegeben hat und nichts gegen das Asphaltieren unter der Krone der Hubertuseiche (direkt vorm Ortsausgangsschild) spräche. Wie mir Herr Hartmann am Telefon versicherte, ist die Eiche ja ein sterbender Baum. Jau, schau an, erwiderte ich, die 1000jährigen Eichen in Ivenack sterben schon paar hundert Jahre lang - stell dir vor, da käme jemand auf den Trichter, Asphalt unter die Bäume zu kippen und Straßen zu bauen, was das für einen Aufstand gäbe! Naja, meinte Hartmann, stimmt schon, da müssen wir noch mal mit Peenebau verhandeln. Was heißt verhandeln?, brülle ich ins Fon, da gibt es nichts zu verhandeln! Bis zur Traufe und keinen Schritt weiter, das muß doch klar sein! Hätte ich nicht angerufen, würde die Eiche jetzt im Asphalt stehen. Was der Existenzberechtigung des Umweltamtes keinerlei Abbruch tut. Jedes Amt vertritt bestimmte Interessen, jeder kann leicht herausfinden wessen.

Im selben Zeitungsartikel "Pappeln weichen Straßenbau" (als ob sie das freiwillig täten, n bißchen gut zureden...) wurde unsere BM zitiert: "Wichtig ist einfach nur, daß der Termin gehalten wird," (fragt sich wiederum - für wen?), daß sonst nichts wichtig ist, werden wir noch bitter erfahren.
Aber auch der Projektant Leu meldete sich im Artikel zu Wort: "Die Wurzeln stören beim Bau der Straße." Wenn Wurzeln beim Bau stören - wieso entfernt man dann die ganzen Bäume und kappt nicht an sinnvoller Stelle die Wurzeln? Wieso nur dort, wo unser Verein seit Jahren eine Biodiversität aktiv befördert hat, die es sonst nirgends in Zarnekla gibt? Wieso werden nicht alle Bäume gefällt, die Linden, die Kastanien, die anderen Espen längs der Straße? Wieso nicht die denkmalgeschützte Hubertuseiche, hat die nicht auch Wurzeln? Stört nicht überhaupt der Blätterfall jetzt im Herbst? Nicht daß die Asphaltmischung vom Laub verdorben wird und sich die sagenhaften 4 Jahre Gewährleistung nicht halten lassen!

Am 4. Oktober kam die Demminer Zeitung zu uns raus. Sie berichtete dann 2 Tage später unter der Überschrift "Zarneklaer beklagt wildes Abholzen" etwas kritischer über das bisherige Geschehen.

Am 5. Oktober fuhr unser Vereinsvorstand zur regulären BM-Sprechstunde nach Dü4. Wir wollten offiziell wissen, welche Gründe es für den Bau ab Wendehammer gibt. "Weil Geld da ist", lautete die lakonische Antwort. Punktum. Ich fragte noch andersherum, ob es irgend etwas gibt, was für die Gemeinde dagegen spräche, dort zu bauen? "Nein, nichts." Ich hatte die Antworten der BM mitgeschrieben und wollte sie von ihr unterschreiben lassen. Damit kam sie gar nicht klar und weigerte sich dann auch, überhaupt noch mit mir zu reden. Nathalie konnte noch die Zusage erreichen, daß der Hauptausschuß der Gemeinde zu der Frage zusammentreten würde und nochmals mit unseren Argumenten versehen dazu beraten würde.

Das Ergebnis dieser Beratung (Mitglieder des Hauptausschusses sind: BM Hildebrandt, Herr Maschmeier, Helga Thun und Jürgen Bleck) war ein erneutes einmütiges "Ja" für den Bau bis wo geht.
"Es gibt nichts, was dagegen spricht."

Am 6. Oktober war Grenzfeststellung. Wir fragten wiederum in die Runde: Warum wurde statt dieser hier gegen unseren Widerstand und Willen nicht die völlig kaputte Straße zum Hirschgrund saniert? Komische Ideen haben die Leute... Dann die Begehung mit dem Vermesser, der Gemeinde Dü4 und dem I.G.E.L. e.V.. Dabei stellte sich heraus, daß der alte Sandweg ab Wendehammer Richtung Wiesen und Wälder teilweise auf einem Grundstück des I.G.E.L. e.V. verläuft.

Ich begann, mich für das BGB zu interessieren, für Notwegerecht und Geldrente, die ich umgehend von der Gemeinde verlangte. Bis zum Geldeingang sperrte ich den Weg für Baufahrzeuge mit rot-weißem Plasteband ab. Geldeingang steht selbstverständlich aus, die Gemeinde wolle noch prüfen.
Der erste Kipper mit Hänger, der dort am 11. Oktober lang will, mußte im Rückwärtsgang ins Dorf zurück, das nicht allzuviele Wendemöglichkeiten hat. Der Fahrer war etwas ungehalten. Ich mußte mich auf die Einfriedungswirkung verlassen, wollte nicht den halben Tag dort stehen. Und es funktionierte auch.
Das Coolbleiben schaffte ich in dieser Phase aber nur an der Oberfläche, nachts schlief ich total schlecht, träumte von kilometerlangen Absperrbändern, von Baggern auf der Streuobstwiese, die Schächte buddelten und Betonfertigteile verlegten, von Frontladern auf dem Hof, die illegale Bauwerke errichtetn, von dutzenden Arbeitern, die alle irgendwas verbotenes auf dem Vereinsgelände taten.

Irgendwann die Tage ging ich das erste Mal in dieser Sache zu einem Rechtsanwalt, etwas Zuspruch holen.

Am 19. Oktober beginnt Peene Bau ohne vorliegende Genehmigung des Forstamtes mit Abholzungen auf dem Gemeindeflurstück 39. Die Arbeiter, die ich zur Rede stellte, sagten prompt: "Du hast uns gar nicht zu kontrollieren!" Ock, ich rief also deren Chefetage, BM, Planungsbüro und den Nordkurier an, eine halbe Stunde später war Schluß mit der Sägerei.

Die Demminer Zeitung bekam sofort einen Bericht und Fotos, auszugsweise stand davon was anderntags in der Zeitung, mein ursprünglicher Text:


Die illegalen Baumfällungen im Zuge des Straßenneubaus in Zarnekla gehen weiter. Nachdem am 16. September (der NK berichtete) auf dem Grundstück des I.G.E.L. e.V. bereits 59 Bäume und Sträucher ohne Genehmigung abgeholzt wurden, begannen am gestrigen 19. Oktober Arbeiter des Hauptauftragnehmers PeeneBau GmbH Neukalen auf einem Grundstück der Gemeinde Düvier mit Baumfällungen, die nur durch den persönlichen Einsatz der Familie Gorsleben gestoppt werden konnten. 15 Bäume lagen schon am Boden. Laut Forstamt Poggendorf wurde für diese Arbeiten die nötige Genehmigung bislang nicht erteilt. Dies bestätigten das Planungsbüro Leu und auch die BM der Gemeinde Düvier war darüber nicht im Bilde. Der Geschäftsführer der PeeneBau GmbH H. Bondzio verweigerte am Telefon die Auskunft darüber, wer den Arbeitern den Auftrag zu den illegalen Fällungen gab. Wenn eine Gemeinde ausdrücklich gegen den Willen der Mehrzahl der Anwohner eine Straße baut, ist dies in der herrschenden Ordnung legitim. "Wichtig ist einfach nur, daß der Termin gehalten wird", wie die Bürgermeisterin im NK betonte. Fragt sich nur für wen. Und fragt sich, welche Gesetze, Verordnungen oder Richtlinien dafür schon mal links liegengelassen werden. Wohlgemerkt entzünden sich die Konflikte an den letzten 100 m der geplanten Asphaltierung ab Wendehammer bis zum Naturdenkmal "Hubertuseiche". "Weil Geld da ist" (BM Hildebrandt) soll ein schöner Hohlweg, der als Sackgasse ausgewiesen ist, verschwinden mit Pappelschnee im Frühling und goldenem Leuchten im Herbst. Auf den angrenzenden Grundstücken leben Ringelnattern, Molche und Frösche, ganz in der Nähe brütet seit 4 Jahren ein Kranichpaar, Sprosser singen dort, regelmäßig wird noch an den Bäumen der Schwarzspecht beobachtet - wie dumm von den Tieren. Ein einzigartiger Spazierweg soll einigen Sekunden Zeitgewinn für Landwirtschaftsfahrzeuge und dem Profit von Bau- und Planungsfirmen weichen. Nun stapeln sich weitere Opfer, zersägt in Einmeterstücke. Wer ist verantwortlich und vor allem: wer wird zur Verantwortung gezogen? Insgesamt ist der Straßenbau in Zarnekla doch ein schönes Beispiel dafür, wie Demokratie funktioniert, wie ökonomische Interessen durchgesetzt werden, wie Naturzerstörung gefördert wird usw. usf. - allerdings nur, wenn man was lernen und verändern will.


Noch in derselben Woche erteilte das Forstamt anstandslos die erforderliche Genehmigung zum Fällen von 67 Espen. Gefällt mit ausdrücklicher Empfehlung des Forstamtsleiters Gottlob wurden mehr als 100 Bäume. Ein Kahlschlag in 6 m Breite vom Straßenrand aus wegen der "Verkehrssicherheit". An einer ausgewiesenen Sackgasse mit einem Verkehrsaufkommen unterhalb der Nachweisgrenze... Mit derselben Begründung müßten auch die restlichen großen Bäume am Wendehammer und zwischen Wendehammer und Dorf plattgemacht werden - das würde den Unsinn perfekt illustrieren!

Nach einem Fonat mit dem Forstamtsleiter, saß ich nur noch vorm Fenster und schaute weinend in die Bäume. Mehr konnte ich ne ganze Weile nicht tun.

Vorher, am 28. Oktober hatte ich noch eine emotional aufgeladene Mail an Frau Abraham beim Forstamt geschrieben:


nachdem die peenebau-horden auf dem flurstück 39 mit ihrem wüten fertig sind, solltest du mal rauskommen und dir die chose in zarnekla-westend ansehen! von "nur" 67 espen kann keine rede mehr sein, die dicken eichen sind weg, die mutterespen, der alte birnbaum usw. usf. es sind weit über 100 bäume weggebrochen worden (sägen war nicht viel, das meiste nietete ein bagger um). in einer breite, daß über jahrzehnte kein lichtraumprofil geschnitten werden muß - denn da ist nichts mehr, und die die gemeinde dü4 nie im leben "ersetzen" wird, was m.e. aber auch niemanden weiter stören wird. niemand kann irgendwas beweisen, denn es wird tüchtig gerodet. und schau dir die beiden linden am wendehammer an, die (wahrscheinlich irrtümlich) stehengelassen wurden, da wurden diefällkandidaten vom bagger einfach durch die kronen geschoben, hätten ihre äste ja zurückziehen können...
der 39er "laubwald kategorie 1" mutet nun eher wie eine baumreihe mit nem bißchen kranken holler davor an. vor ner woche sah ich dorten noch einen kleinspecht... scheiß drauf!
und wie der "zufall" wollte, fielen espenkronen auch auf vereinsbäume und -zaun.


Aber sowas ist völlig wirkungslos. Außer, daß es die Amtshandlungen im Sinne der Täter beschleunigt.
Irrationalität ist die Vernunft bürgerlichen Bewußtseins.

Am Tag (22. 10.) der Wiederaufnahme der Rodungen durch Peene Bau war ich morgens sofort bei den Arbeitern und stellte klar: kein Fahrzeug, kein Material, kein Werkzeug, keinen Fuß auf das Vereinsgelände, das Absperrband ist absolute Grenze, sonst rufe ich sofort die Polizei! Die beiden glauben mir das auf der Stelle, ich hatte noch den Schlägel in der Hand von der Einfriedungsbefestigung her.
Einen Tag später unterhalte ich mich was mit ihnen, sie kannten die Vorgeschichte nicht, konnten die rabiate Konsequenz nun gut einordnen. Aber das selbe Bild: wir sind ja nur die kleinen, können ja nichts machen, kriegen nur Anweisungen, wir können auch gar nichts sagen, dann sind wir den Job los (so, in etwa wörtlich der Vorarbeiter Bruhn). Eine Duckmäuserei wie ich sie auf keiner Arbeitsstelle in der DDR erlebt habe.
Auch bei diesen Abholzungen Kolateralschäden: eine Kastanie (gepflanzt von mir etwa 1997) und ein junger Apfelbaum-Sämling wurden durch stürzende Kronen vom Flurstück 39 aus total geschädigt. Aber sie stehen/standen auf dem Grundstück der Gemeinde... Und eine der großen Espen fiel offenbar dann doch in Richtung Vereinsgelände, machte drei junge Bäume und ein Stück Zaun kaputt. Ich bemerkte dies erst Tage später, kein Wort dazu von Peene Bau, nicht mal ein ooops.

Am 25. Oktober kündigten wir in einem längeren Brief an die Gemeinde an, uns den Anliegergebühren für den Weg ab Wendehammer zu widersetzen. Und nahmen auch Bezug auf das nun wieder aufkommende Trachten nach einem Straßenbau bis Medrow... Dies verhinderte bislang ein Schreiadler-Brutpaar in der Nähe.
Schrei, Adler, schrei! Nunja, auch für Kraniche wird von einigen Landwirten im Kreis DM mittlerweile Abschußfreigabe gefordert.
Ortsüblich blieben die meisten Fragen an die Obrigkeit unbeantwortet.

Am selben Tag ging auch wieder Post an Peene Bau:


Unser Grundstück 58/3 ist zwischen den Anwohnern Dietrich und Eppler straßenseitig mit einem 1,50 m hohem Wildschutzzaun eingefriedet. Dieser dient dem Schutz des Grundstücks vor Eindringen von Rehen und anderem kulturgefährdenden Wild. Auf dem Grundstück befinden sich u.a. eine Streuobstwiese mit Jungbäumen, Gartenanlagen, eine 2 ha Erstaufforstung von diesem Frühjahr und mehrere junge Solitärbäume. Das gesamte Grundstück ist eingezäunt, teilweise gefördert durch die Landesforst.
Durch die Straßenbauarbeiten Ihrer Firma wurde allein heute durch das Aufbringen von Unterbauschotter eine Niveauerhöhung von meist mehr als 20 cm hergestellt, das Aufbringen von Asphalt wird die entstandene Situation noch verschärfen: unser Wildschutzzaun kann seinen Zweck nicht mehr erfüllen, schon in der kommenden Nacht können Rehe eindringen, uns droht unmittelbar großer Schaden.
Wir fordern daher mit sofortigem Vollzug von Ihnen:
- Ein Zaunneubau in der Höhe von 1,50 m incl. werterhaltendem Abbau des vorhandenen
oder
- Den Rückbau der neuen Straße auf das Niveau der alten
oder
- Die Überweisung von 1811,- € auf unser untenstehendes Konto, daß wir die erforderlichen Maßnahmen selbst herbeiführen können.


Bis zum 28. November wird sich in dieser Sache nichts ändern. Es wurde viel geredet, ich fragte oft nach, es wurden neu Kosten kalkuliert, es wurde eine Firma beauftragt, es taucht als Restleistungsposition nach der Gesamtabnahme im Protokoll auf... Ich weiß nicht, ob es Rehe mittlerweile geschafft haben. Ich mag gar nicht dran denken...

Am 28. Oktober kam der von mir beauftragte ö.b.v. Sachverständige Franiel aus Crivitz und nahm mit mir gemeinsam nochmals alle Schäden vom 16.9. fachgerecht und beweissichernd auf.

Anfang November beantragte ich Akteneinsicht beim Amt Peenetal und beim Forstamt.

Die beim Forstamt förderte zutage, daß die Gemeinde Dü4 für das zu Straßenland umgewidmete Waldstück 300 € Ausgleich zu zahlen hatte, die postwendend überwiesen wurden. Für die weiteren 300 m² Kahlschlag samt Rodung im Namen von Gott Verkehrssicherheit fällt kein Ausgleich an, da es ja Wald bleibt.
Als ich noch der Illusion nachhing, im Forstamt Poggendorf Verbündete in Sachen Bäume zu haben, erfuhr ich dort im September bei einem Gespräch, daß ein Ausgleich für Bäume vom Gemeindeflurstück 39, der forstlich als Laubwald der höchsten Kategorie gilt, Neupflanzungen im Verhältnis 1 : 3 zu tätigen wären. 67 * 3 = 222 Bäume. In der schriftlichen Stellungnahme des Forstamtsleiters Gottlob auf die Ausgleichspflanzungsvorschläge der Gemeinde Dü4 las ich dann etwas ungläubig, daß das Ingenieurbüro Leu Ausgleichspflanzungen in einem bestehen Wald vorgeschlagen hatte, diese logischerweise nicht gingen und damit nur noch eine Ausgleichszahlung in Betracht kommt. Auf 3 Hunnis lautete dann der Deal. Beim Weiterblättern stoße ich auf die Karte aus dem Hause Leu: im Flurstück 39, der Wald, welcher ja von den Fällungen betroffen ist, wurde einfach mit dickem gelben Filzmarker irgendwo ne Fläche ausgemalt - da, da dort gleichen wir aus, yo. Ich dachte, ich kucke nicht richtig.
Ich hätte gern ne Kopie von dem ganzen gezogen.
Und am 6. Oktober wurde noch behauptet, ein Stück Acker bepflanzen zu wollen.

Am 8. und 9. November wurde bei 4° Lufttemperatur nach kühler Nacht der Deckasphalt aufgetragen.

Am 9. 11. wiesen wir die Gemeinde Dü4 darauf hin, daß alte Straßenplatten direkt auf einem der neuen Grenzsteine zwischengelagert wurden. Einige Tage später werden sie dort weggeholt. Der Grenzstein dümpelte da dann etwas haltlos im Schlamm herum.

Am 11. 11. schrieb ich mal wieder ans Umweltamt: Im Zuge des Straßenbaus in Zarnekla wurden mehr als 1 ha Boden mit Asphalt versiegelt. Zu welchen Ausgleichmaßnahmen ist die Gemeinde Düvier verpflichtet? Welchen Zeitrahmen muß sie dabei einhalten?
In der Antwort wurde ich darauf verwiesen, daß die Straße im Innenbereich liegt, somit ein Ausgleich entfällt. Für die knapp 500 m² Versiegelung, die auf den Außenbereich entfallen, pflanzt die Gemeinde 12 Bäume.
Oha! Bislang galt bei Bauanfragen alles als Außenbereich. Wie man's eben braucht. Aber das kläre ich noch.

Am 17. November war Abnahme des Bauvorhabens. Ausstehende Restleistungen wurden protokolliert und sollen bis 3. Dezember erledigt werden. Ich werde nicht erfaßte Dinge dokumentieren.
Und irgendwann auch die Gesamtkosten erfahren.

20. November - an der Straße wurde immer noch gearbeitet. Die Gemeinde Dü4 kommuniziert mittlerweile über einen Rechtsanwalt mit mir (alle Forderungen wurden zurückgewiesen) und duckt sich also erstmal weg.
Wir haben es jetzt mit dem Amt Peenetal, vertreten durch Vorsteher Behrndt, zu tun, der sich durch den RA vertreten läßt. Schon Fall 196 dies Jahr. Nun denn, ich begrüße meinerseits den RA im Geschehen per Mail am 22.11.:
guten morgen herr warnke!
na das ist doch eine klare sache, wenn sich unsere volksvertretung gegen ihr volk vertreten läßt! nichts abartiger als die idee, sich bei heydenholz oder peenebau für uns einzusetzen... also auf ein paar recht fruchtbare zukünftige jahre vor gericht oder anderswo!
es grüßt roland gorsleben.


Am 24. November traf das Schadensgutachten vom Sachverständigen Franiel beim Verein ein. Es geht nun also um eine Summe von gut viereinhalb T€. Am Fon hatte ich Herrn Hahn von PeeneBau, der sich darauf beruft, am 16. September bei der Fa. Heydenholz nur veranlaßt zu haben, was die Gemeinde Dü4 wollte und in der Bauanlaufberatung am 15. September äußerte. Das Protokoll dieser Beratung liegt mir noch nicht vor. Dort wird wohl nichts aussagekräftiges drinstehen, teilte Herr Leu am Telefon meine Vermutung.
Aber die Choreografie das Ganzen ist nur systemkonform: Ein Ich-war's-nicht!-Ringelreigen der Beteiligten im Weitergeben der Verantwortung.
Zu sozialer und ökologischer Entropie gehört auch immer eine geistige.

Ich versuchte, zu diesem Stand etwas Schriftverkehr zu entwickeln, und bekam auch Antwort:


Amt Peenetal/Loitz ./. I.G.E.L. e. V.

Sehr geehrter Herr Gorsleben,

in obiger Angelegenheit akzeptieren Sie bitte, dass sämtliche Post in dieser Sache ausschließlich über meine Kanzlei zu führen ist. Ich bitte von direkten Anschreiben an das Amt Peenetal/Loitz, die Gemeinde Düvier und Frau Preußentanz Abstand zu nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Warnke - Rechtsanwalt -

guten morgen herr warnke!
vergebung! unsere briefe - meiner an frau preußentanz und der ihre an mich mit der vollen macht - kreuzten sich auf dem postweg, sorry!
aber finden sie das nicht auch traurig, daß wir vom amt auf eine begründete forderung nur ein lakonisches "is nich!" ohne jegliche erklärung bekamen?
naja, wir wollen ja auch niemanden überfordern.
schöne grüße ~ roland gorsleben


Am 25. November langte mir der Wirrwarr am Fon und ich schrieb ans Bauamt (ähnlich lautend ans Umweltamt) des LK DM eine:

Anfrage zum Außenbereich

Schönen Tag!
In einem Schreiben vom 16. November behauptet die untere Naturschutzbehörde des LK DM, daß sich das Straßenbauvorhaben nach bauordnungsrechtlicher Prüfung bis zum letzten Gebäudegrundstück im Westen Zarneklas im Innenbereich befindet, beim Punkt 1+162 Außenbereich beginnt.
Diese Prüfung muß irgendwo dokumentiert sein. Meine telefonischen Anfragen beim Bauamt, beim Umweltamt, beim Amt Peenetal und beim Planungsbüro Leu führten zu keinerlei befriedigender Auskunft, wie und durch wen diese Festlegung - hier Innen, dort Außen - zustande kam und mit welcher rechtlichen Begründung.
Somit macht die Festlegung von nur 458 m² Kompensationsflächenäquivalent des Umweltamtes einen willkürlichen, aber kostensparenden Eindruck.
Ich beantrage hiermit Akteneinsicht in das bauordnungsrechtliche Prüfverfahren zum Straßenbau in Zarnekla.

Ich möchte dazu anmerken, daß ich Anfang der 90er eine Bauanfrage stellte und mir zumindest der Bereich ab etwa 0+950 als Außenbereich vom Amt benannt und der Bauantrag abgelehnt wurde. M.E. nach betraf das aber ganz Zarnekla ab Kuhstall, wo auch die neue Straße beginnt. Damit wäre etwa ein halber ha Versiegelung zu kompensieren, entsprechend 130 Bäume zu pflanzen statt 12.

Desweiteren steht noch die Antwort auf eine Nachfrage bei Frau Gramzow aus: Ist es zulässig, den alten Straßenunterbau mitsamt Plastemüll (alte Rohrleitungen etc., mit Fotos belegt) einfach für die Sanierung eines Wiesenweges (auf etwa 200 m Länge) zu benutzen?
Mit freundlichen Grüßen Roland Gorsleben


Bis zum 20. Dezember keinerlei Lebenßeichen der Behörde... Vielleicht aufgelöst und abgewickelt?

Die bei der Gemeinde Dü4 beantragte Akteneinsicht wird von den beteiligten Firmen verweigert.
Am 29. November saß ich in Loitz und blätterte in den Akten des Amts. Die Planungsunterlagen zeigten beim Leistungsverzeichnis eine Summe von 369 T€ auf. Abgerechnet wurden dann (ausschließlich Restleistungen, die erst im Frühjahr erfolgen können) 366 T€. Obwohl 14 Tage länger gearbeitet und Maschinen vorgehalten wurden, obwohl 120 m länger gebaut wurde... Na geht doch, wenn man nur will.
Die Planung enthielt freilich auch etwas Realsatire, ich zitiere Ing. Leu im Erläuterungsbericht: "Ziel ist, das Gebiet für den Tourismus interessanter zu gestalten (...)," Tjo, vom Lachen kommt man aber schnell aufs Glatteis und landet in der Gülle - weiter im Text: "einen ordnungsgemäßen Winterdienst durchführen zu können und dem ansässigen Landwirtschaftsbetrieb die Bewirtschaftung seiner Flächen zu erleichtern." Wer hätte das gedacht!
Und weiter im Bericht:
"Durch den geplanten Ausbau des Weges wird ein Teil der Natur für den Tourismus erschlossen." Tjo, wahrscheinlich meint der gute Mann den sterbenden Teil der Natur. Und hat einfach Recht.
"Der Schutz von Bäumen ist unbedingt einzuhalten."
Und nach 1.2.15 ist eine Froschklappe in das Entwässerungsrohr der Straße einzubauen. Na, immer noch besser als eine Babyklappe.

Auch anderen Akteuren wollte ich die Früchte ihrer Arbeit nicht vorenthalten, so mailte ich an Margit Blanck vom Amt für Raumordnung und Landesplanung Mecklenburger Seenplatte:

schönen tag!
sie bezogen zum o.g. projekt im august stellung: "keine einwände (...) insgesamt (ist der bau) so durchzuführen, daß die erforderlichen eingriffe in natur und landschaft so gering wie möglich ausfallen." usw.
schöne textkonserve! aber einen kleinen eindruck von der realität können sie sich hier bitte holen:
http://www.wikiwoods.org/doku.php/p ... arnekla:aktivitaeten
na, da weiß man dann doch, wofür man gearbeitet hat, oder?
alles grüne ~ roland gorsleben


Selbstverständlich keinerlei Reaktion.

Am 20. Dezember war mit dem Zaunneubau, den wir am 25. Oktober einforderten und der uns zum 3. Dezember versprochen wurde, weiterhin nicht begonnen worden. Ich begann mit der Zählung der eingewanderten Rehe. Schadensaufnahme dann im Frühjahr.

Bis zum 31. Dezember bekamen Heydenholz und PeeneBau ihre letzte Frist (jeweils verbunden mit dem Gutachten per Einschreiben) zum Schadensersatz an unseren Verein gesetzt. Danach wird geklagt.
Zum 24. Dezember antwortete Frau Maas von Fa. Heydenholz:
Wir haben als Subunternehmer der Firma Peenebau Neukalen gearbeitet und wurden vor Ort eingewiesen. Somit sind keine Schadensersatzansprüche an uns geltend zu machen.
Peene Bau reagierte überhaupt nicht.
Am 3. Januar 2011 beauftragte ich einen RA mit der Regelung der Angelegenheit. Die Anwälte (Leinemann & Partner, Berlin) der Gegenseite bedankten sich Ende Januar, daß der Fa. Peene Bau Anfang Januar Schadensersatzforderungen zugingen. Na schau her! Am 9. Februar wollen sie sich hinterm Hammerschlags- und Leiterrecht verstecken. Wollma hoffen, daß es die letzte Verzögerung vorm Gerichtsgang war.

Am 24. Februar erschien im Kreisanzeiger Demmin ein kurzer Bericht vom Besuch des Landrats Siegfried Konieczny bei der Peene Bau GmbH. Erfolgreiche Unternehmen links liegenlassen geht irgendwie nicht... Fiel mir glatt ein Memorandum ein, daß per Mail an den Landrat ging:

Guten Morgen Herr Landrat!
Wir haben uns schon mal die Hand geschüttelt auf der Ehrenamtmesse letztes Jahr in Demmin an unserem Stand (I.G.E.L. e.V. Zarnekla), als Sie mit irgendeinem Europa-Abgeordneten da durch sind, der leeres Gewäsch von sich gebend so tat, als interessiere ihn irgendwas in der Halle. Sie empfanden wohl ähnlich, denn Sie nahmen ihn mir gegenüber etwas in Schutz - keine Zeit, die haben soooo viel zu tun... Ja, das kann ich mir denken. Aber dann sollen die doch besser in ihrer Buchte bleiben und ihre Maske einem Spiegel zeigen statt in anderen Gesichtern. Na, ist verjährt.
Heute schreibe ich Ihnen unter dem Eindruck des letzten Kreisanzeigers, wo Herr Egger Ihren Besuch bei PeeneBau Neukalen betextete und -bilderte. Da wir (der I.G.E.L. e.V.) wahrscheinlich bald mit dieser Firma wegen Schadenersatzklage (es geht bis dahin mittlerweile um mehr als 6 T€) vor Gericht zu tun haben werden, will ich diesen Artikel kommentieren und v.a. etwas in Kontakt mit der Wirklichkeit bringen.
Im Auftrag der Gemeinde Düvier baute PeeneBau als HAN 2010 eine neue Straße in Zarnekla, wir sind als Verein mit mehreren ha Land Anlieger dieser Straße. Am 16. September rückte der Forstbetrieb Heydenholz hier an, persönlich beauftragt von PeeneBau-GF Jens Hahn, und fällte oder beschädigte mehr als 80 Bäume und Sträucher auf unserem Grundstück. Es gibt bis heute seitens PeeneBau keinerlei Entschuldigung und schriftliche Reaktion auf unsere mehrfach wiederholten Schadensersatzforderungen. Erst das Einschalten eines RA brachte Reaktionen von ihren Rechtsanwälten. Sie finden dies alles sehr ausführlich geschildert im Internet unter www.coforum.de/?7815 und bebildert unter www.wikiwoods.org/doku.php/pflanzungen zarnekla:aktivitaeten. Ich bitte Sie sehr, sich die Zeit zu nehmen und das alles aufmerksam zu lesen und sich auch anzuschauen, da dann meine Anmerkungen zum Kreisanzeiger-Artikel verständlicher werden.
Wenn die PeeneBau-Praxis beim Straßenbau in Zarnekla das Normale ist, wundert mich nicht, daß das Unternehmen "auch eher zurückhaltend von den Geschäftsführern ... vorgestellt" wird. Es würde wohl einiges ans Licht kommen von den wirklichen Gründen, warum "das Unternehmen bis heute erfolgreich" arbeitet. Als da die üblichen wie bei jeder kapitalistischen Firma wären:
- Ausbeutung: Gearbeitet wurde incl. Anfahrt und Abfahrt von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, so gut wie immer auch sonnabends. Obschon noch einige Restleistungen ausstehen, werden die tatsächlichen Kosten kaum die Höhe der geplanten erreichen. Und das, obwohl 12 Tage länger gearbeitet wurde als maximal vorgesehen und 122 m mehr Straße gebaut wurden als geplant. Wie kann das gehen? Sicher nicht, weil über Nacht Materialien und das Vorhalten der Technik billiger wurden. Dazu noch Nichteinhaltung des Arbeitsschutzes in einigen Fällen, auch GF Harald Bondzio kann sich ja nicht um alles kümmern, wenn’s schnell gehen soll.
- Unterdrückung: Ich habe mehrmals mit Arbeitern der Firma hier geredet, um Licht ins Dunkel der Verantwortlichkeit zu bringen. Die Duckmäuserei, das Untertanentum waren unglaublich. Habe ich in der DDR (bis auf die NVA-Zeit) auf keiner meiner Arbeitsstellen erlebt.
- Naturzerstörung und Gewalt: Im Kleinen siehe Coforum, im Großen: wo und wie kommen das Erdöl usw. her? Dazu gehört selbstverständlich auch, wie die wirtschaftlichen Interessen (deren Vertreter auch die Gemeinde Düvier ist) gegen die betroffenen Bürger durchgesetzt wurden. Aber dazu ist Demokratie ja da. Das meine ich nicht zynisch.
Kann es da "eine der wertvollsten Botschaften" sein, daß PeeneBau auch Azubis fürs kapitalistische Geschäft herrichtet und benutzt? Wäre es nicht eine wirklich wertvolle Botschaft zu erfahren, daß junge Menschen (die noch Fragen stellen...), sich diesem System verweigern und eher Alternativen aufbauen bis hin zur Abwicklung des Kapitalismus, der - global gesehen - nichts weiter tut, als die Zerstörung der Menschheit? Von welchen "Karrierechancen der Berufsanfänger" sprechen Sie da? Von morgens bis abends sich den Buckel für fremden Profit krumm machen? Oder selber ein Unternehmer werden (die ja auch nur rumstöhnen, die armen)?
Her mit dem schönen Leben!
Und Sie sagen zu alledem "das geht leider alles nicht so schnell, wie wir (wer soll das sein?) es uns selbst wünschen". Damit Ausbeutung und Zerstörung noch erfolgreicher funktionieren? Wie Sie es selbst sagen: "damit waren ... in der Region Maßnahmen möglich, die der Baubranche als Arbeitgeber gut getan haben." Profit, Profit, Profit. Das muß freilich übertüncht werden mit solchen Passagen wie "die Büros sind … schlicht"…
Tja, wenn die Wirtschaft brummt, ist ja alles in Ordnung - so kommt der Artikel rüber. Nein, ganz im Gegenteil, denke ich, nochmals bestärkt nach meinen Erfahrungen mit PeeneBau.
Da mir das peinlich wäre, mit den Verantwortlichen gutfreund zu tun, gar noch für ein Foto, würde ich die auch nicht besuchen.
Sie werden nach dem Lesen der Chronik im Internet auch feststellen müssen, wie bürgerfern auch die Ihnen unterstellte Kreisverwaltung "arbeitet". Aber auch da habe ich mir nie Illusionen gemacht, für welche Interessen diese Einrichtungen da sind.
Seid Sand im Getriebe der Welt, nicht Öl. (Erich Fried)
Alles Grüne und bunte Grüße ~ Roland Gorsleben, Zarnekla


Der "Loitzer Bote", eine Bürgerzeitung. die sich gewaschen hat....
Nach dem untenstehender Hinweis auf diese Internetseite hier anstandslos in der Demminer Zeitung veröffentlicht wurde, wollte ich ihn auch gern im Amtsblatt sehen und begann unter Umgehung von RA Warnke einen Briefwechsel:

25. 1. 2011, An das Amt Peenetal, z.H. Hartmut Behrndt (Amtsvorsteher)

Schönen Tag!
Am 6. Januar bat ich per Mail Frau Pollesch darum, folgenden Text im Loitzer Boten zu veröffentlichen:
Chronik Dorferneuerung Zarnekla
Eine lesenswerte und lustige Darstellung des Geschehens bei der Dorferneuerung in Zarnekla im vergangenen Jahr findet der aufgeschlossene Leser im Internert unter: www.coforum.de/?7815. Dieser Text wird beständig aktualisiert.
Ansprechend bebildert ist diese "touristische Erschließung" (zit. aus den Planungsunterlagen) des Ortes hier: http://www.wikiwoods.org/doku.php/p ... arnekla:aktivitaeten Selbstverständlich kann man auch vorort seinen Augen trauen. Roland Gorsleben, I.G.E.L. e.V. Zarnekla

Leider erschien der Text nicht. Die Gründe dafür sind mir nicht mitgeteilt worden. Bislang wurden Mitteilungen unseres Vereins anstandslos übernommen und veröffentlicht. So steht der oben zitierte Text beispielsweise auch seit längerem im Gästebuch auf loitz.de.
Ich bitte Sie hiermit darum, sich dafür einzusetzen, daß unsere Mitteilung im nächsten Loitzer Boten (laut Selbstverständnis auch eine Bürgerzeitung und mit Vereinsnachrichten...) gedruckt wird.
Mit freundlichen Grüßen!


Flugs kam eine Woche später die Antwort:

Sehr geehrter Herr Gorsleben,
der Loitzer Bote ist ein Amtsblatt, und die Veröffentlichungen darin obliegen der Verwaltung. Zwingend notwendig sind amtliche Bekanntmachungen. Darüber hinausgehende Veröffentlichungen liegen im Ermessen der Verwaltung. Es gibt keinen Rechtsanspruch. Wir sind bestrebt, insbesondere Vereine mit starker Mitgliederzahl und einer Breitenwirkung vor Ort zu veröffentlichen.
Mit freundlichen Grüßen, M. Sack, Bürgermeister

Ich als Amtsinsasse sehe meine Neugier mit dieser Antwort noch nicht so gestillt und schreibe prompt zurück:

3. 2. 2011, An die Stadt Loitz, z.H. BM Michael Sack Betrifft: sack-pol-mei und der Loitzer Bote

Schönen Tag!
Was befürchten Sie? Wovor haben Sie Angst?
Nach welchen Kriterien erfolgte das Ermessen der Verwaltung, unseren Hinweis nicht zu veröffentlichen? Welche Gründe gab es für das Ablehnen?
Im Impressum des Loitzer Boten steht "Bürgerzeitung mit amtlichen Bekanntmachungen der Kommunalverwaltung. Die Heimat- und Bürgerzeitung erscheint monatlich." Sollte das nach Ihrer Auffassung gestrichen werden?
Der Straßenbau in Zarnekla wurde von der Gemeinde gegen den Willen der meisten der betroffenen Bürger durchgesetzt. Darf sich diese demokratische Mehrheit nicht in ihrer Bürgerzeitung äußern, mit einem schlichten Hinweis?
Daß wir (in einem Rechtsstaat) keinen Rechtsanspruch haben, ist mir schon vor Ihrem Hinweis in Ihrem Brief klar gewesen.
Woher Sie entnehmen, daß wir nicht genügend Breitenwirkung entfalten, um die Veröffentlichungsschwelle zu schaffen, ist mir dagegen nicht klar. (Seltsam, daß bislang alles gewünschte veröffentlicht wurde…) Unser Verein organisierte allein im letzten Jahr Veranstaltungen mit mehr als einhundert Teilnehmern. Das wird in diesem Jahr nicht anders. Wir haben auf unseren Grundstücken hervorragende Naturschutz- und Renaturierungsarbeiten geleistet, es gibt nicht viele Flächen im Amtsbereich, die dieses Maß an Biodiversität aufzuweisen haben. Sollte auch das keine "Breitenwirkung" sein?
Was also sind die wirklichen Gründe für die Maßregelung?
Ich denke, Sie kommen nach Beantwortung meiner Fragen zu dem Schluß, daß unser Hinweis nun auch im Loitzer Boten veröffentlicht werden sollte.
Mit freundlichen Grüßen!


Sechs Wochen später kam eine Antwort aus der Textkonserve in der Loitzer Bürgermeisterei:

Sehr geehrter Herr Gorsleben,
wie bereits im Schreiben vom 1. 2. 2011 ausgeführt ist, ist der Loitzer Bote eine "Bürgerzeitung und amtliches Mitteilungsblatt für die Stadt Loitz und das Amt Peenetal". Veröffentlichungspflichtig sind amtliche Bekanntmachungen gemäß Kommunalverfassung.
Der Teil darüber hinaus liegt im Ermessen des Bürgermeisters und zum Anzeigenteil in Verantwortung des Wittich-Verlages.
Einen Rechtsanspruch auf Veröffentlichung gibt es keinen, ich hege auch keine Gesanken, Sie zu maßregelön oder Ihren Verein zu benachteiligen.
Gern können Sie uns Artikel zu Ihrer Vereinsarbeit oder zu Projekten zusenden, wenn es möglich ist, werden wir diese auch im Loitzer Boten veröffentlichen.
Mit freundlichen Grüßen M. Sack, Bürgermeister


Redundanter geht's nimmer. Aber auch mir fehlt es allmählich an frischen Worten:

22. 3. Schönen Tag! Ich danke für Ihre Antwort vom 14. März. Allerdings haben Sie darin nicht eine einzige meiner Fragen vom 3. Februar beantwortet. Da ist es doch ehrlicher, gar nicht zu antworten, oder?
Daß irgendwelches Bürger- oder Vereinsgedödel nicht veröffentlichungspflichtig ist, ist mir schon beim Mauerfall klar gewesen. Ich frage nach den aktuellen, konkreten Gründen, die zur Ihrer Entscheidung geführt haben, unseren Link-Hinweis nicht für eine Veröffentlichung im Loitzer Boten zuzulassen. Was hat den Ausschlag in der Abwägung gegeben?
Sie können doch einfach sagen, das sage ich ihnen nicht, Herr Gorsleben, und fertig. (Herr Thürkow, Chef Umweltamt DM, hat sich längst auf diese Art Umgang eingestellt. Herrschaft und Macht brauchen sich doch wahrlich nicht wegducken!) Ich könnte damit leben.
Doch was sollen Ihre Wiederholungen von fehlendem Rechtsanspruch oder Anzeigeannahmegepflogenheiten des Wittichverlages (die mich brennend interessieren…)?
Das einzige Ihrer Argumente - wir hätten keine Breitenwirkung - habe ich ausreichend widerlegt. Bleibt also das Gefühl von Unterdrückung und Maßregelung.
Zu Ihrem abschließenden Hoffnung schürenden Satz in Ihrem Brief kann ich nur sagen: Es ist möglich, den Hinweis zu veröffentlich, Platz ist genug im Boten. Zur Not nimmt man ein Foto von einer Kaffeetafel in den kirchlichen Nachrichten raus.
Mit freundlichen Grüßen!


Daraufhin der ortsübliche Totstellreflex der Verwaltung.

Am 21. Februar mailte ich auch wieder ans Umweltamt, z.H. von Elke Klemm:

schönen tag!
auf meinen brief vom 11. januar an herrn tesendorf kam bislang leider keine antwort. ich wiederhole darum hier noch einmal meine fragen:
Bekanntermaßen wurde die Gemeinde Dü4 zur Ausgleichspflanzung von 12 Bäumen vergattert. Dürfen die Bäume schon vorher gepflanzt gewesen sein?
Hat Ihr Amt die Pflanzung schon kontrolliert (m. W. ist dies schon von der Gemeinde "abgerechnet" worden)? Wenn nicht, ich würde gern dabei sein.
Der alte Straßenunterbau wurde incl. Plastemüll (alte Leitungen etc., Fotos liegen vor)) auf dem Weg nach Medrow (Randbereich des FFH Drosedower Wald) verklappt/recycelt. Hat das Umweltamt untersucht, ob dabei der 300 m - Schutzbereich um den Schreiadlerhorst verletzt wurde? Dürfen Wiesenbereiche damit verschüttet werden?
um ausstehende fragen zu klären, machte mir herr tessendorf ja ein gesprächsangebot in ihrem hause. ich schlage nun vor, daß wir die anstehenden fragen hier in zarnekla besprechen. es ist immer besser, mal in augenschein zu nehmen, was sonst nur schreibtische passiert. außerdem kostet es mich zeit und geld zu ihnen zu kommen, während sie dies alles ja bezahlt bekommen. wäre also nur angemessen und gerecht.
begutachten kann ihr haus dann auch den umgang mit den verbliebenen bäumen am neuen straßenrand, die laut planung (und auch dem selbstverständnis auf der lk-homepage) ja so ungeheuer schützenswert waren. fast kein ast wurde auf astring geschnitten, stummel kommen bei linden erfahrungsgemäß nicht so gut. nicht daß ich hoffe, da würde was nachgebessert, wozu zwar sicher irgendwo eine pflicht bestünde - aber wer soll die durchsetzen???
mittlerweile kam vom bauamt (frau gerbeth, bearbeitungszeit für mein anschreiben: knapp 10 wochen) eine antwort zu meinen fragen (vom 25. november) zum angeblichen "bauordnungsrechtlichen verfahren" betreffs straßenbau zarnekla. wie mir frau gerbeth am telefon zu verstehen gab, soll mich die lange bearbeitungszeit nicht wundern, da sie sich in den rechtlichen grundlagen zu den fragen erst belesen mußte.
allerdings wundert mich hierin gar nichts. da wurden also dinge entschieden und offenbar durchgewunken, zu denen man sich im nachhinein erst ins bild setzte. daß dann alles paßte, ist auch kein wunder: gesetze, verordnungen, richtlinien etc. sind in diesem netten land nicht zufällig so beschaffen, daß "die wirtschaft" und ämter den schaden jedenfalls nicht haben. mfg ~


Am 14. März die bislang letzte Antwort:

Sehr geehrter Herr Gorsleben,
bedingt durch eine mehrere Wochen andauernde Krankheit meinerseits erfolgte keine Beantwortung Ihres Schreibens vom 11. Januar 2011. Bitte betrachten Sie diese Email als Zwischeninformation. Die Beantwortung des v. g. Schreibens erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.
Mit freundlichem Gruß Elke Klemm

Tja, alles schon ruhig im Land. Nur das Schweigen wird lauter.

Im März stelle ich am Asphaltende vorm Beginn der Schotterpiste ein 30er Verkehrsschild auf: "Nu runner vont Gas Leute! Nächster Asphalt erst in 1,5 km."
Im April wurden von Peene Bau die Restleistungen vollbracht. Dazu gehörte auch eine Bankettverbreiterung in das Waldstück hinein, daß die Trecker besser die Kurve kratzen können. Aber wen interessiert das schon. Sicherlich nicht das Frostamt.
Im Mai riß ein vorbeirasender Trecker mit großem Hänger der Fa. Schack die Telefonleitung runter, die hier über die Straße führt. Die Straße liegt neu ja etwa 40 cm höher als die alte. Schon nach einem Tag war das von der Telekom repariert, ohne daß die nach den Verursachern fragten.
Irgendwann im Herbst rückte die Asphaltfirma an, den Mangel "Pfützenbildung" auszumerzen. Ein Tag Arbeit – Null Erfolg.

Das Gerichtsverfahren 1.0 läuft.
Erster Termin war am 16. August. Die Rechtsanwälte verfeinerten ihre Brieffreundschaften, hatten ersten Blickkontakt. Das Gericht in Demmin, namens Amtsrichter Kunze, lud dann zum
Ortstermin nach Zarnekla, der am 10. Oktober stattfand, ich war als Zeuge geladen. Während der Befragungen erinnerten sich weder Planer Leu noch PeeneBau-Vorarbeiter Bruhn daran, daß auch sie es noch vor einem Jahr als "Sauerei" bezeichneten, was Fa. Heydenholz hier angerichtet hatte, noch an ihr geäußertes Verständnis für unser Entsetzen. Sie schauten mir nicht in die Augen, aber ihre Worte gingen wie geschmiert über die Zungen.
Aus dem Protokoll:
"Das Grundstück des Klägers ist naturbelassen." Eine Streuobstwiese, die im vorangegangenen August gemäht wurde, mit einzeln eingezäunten Obstbäumen als "naturbelassen" zu deklarieren, zeugt vom Genuß juristischer Freiheit, die man sich offenbar in diesem Land erlauben kann. Wenn man kann. Unser gesamtes Grundstück, auf dem die Fällungen stattfanden, war noch im Jahr 1992 platter Acker, ohne jeden Baum und Strauch. Alles wurde von uns gepflanzt und gepflegt. Warum "naturbelassene" Grundstücke eingezäunt sein müssen, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber vielleicht sind wir ja naturbelassene Wilde, deren Tätigkeit gar nicht ins Gewicht bzw. Gericht fallen kann.
Ich zitiere aus dem Schadensgutachten vom Sachverständigen Franiel vom November 2010:
"Im Jahre 1992 erfolgten seitens des I.G.E.L. erste Anpflanzungen längs der Straße, die letzten wurden im April 2010 ausgeführt. ... Der I.G.E.L. e.V. bepflanztze die Landschaft mit dem Ziel der Artenvielfalt, sukzessive mit Bäumen im Abstand von 1 bis 1,40 m entlang der Dorfstraße. Zwischen den Bäumen wurden wiederum einheimische Sträucher in verschiedenen Arten gepflanzt."
Vielleicht hat der Richter das Gutachten nicht wirklich gelesen?


Am 1. November 2011 hieß es dann "Im Namen des Volkes", Herr Kunze sprach Recht:
"1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Kosten des Rechtsstreits trägt der Kläger.
3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar."


Weiter las ich erst nach einigen Tag. Schock. Trotzdem ich mir einbilde zu wissen, in welchem Staat ich Insasse bin.

Aus den "Entscheidungsgründen" (Orthographie original):

"Im Ergebnis der durchgeführten Beweiserhebung geht das Gericht davon aus, das der Kläger kein Schadensersatzanspruch zusteht. Der Rückschnitt der Sträucher, Gehölze im Zusammenhang mit der Straßenerneuerung stellt dies nach Auffassung des Gerichts keinen Schaden im Rechtssinne da. Bei den zwischen dem Wildschutzzaun und der Straße befindlichen Bäumen und Gehölzen handelt es sich um Wildwuchs. Diese Bäume und Sträucher unterliegen weder einer gärtnerischen noch einer forstwirtschaftlichen Nutzung.
Das Grundstück des Klägers ist in diesem Bereich naturbelassen. Diese Bäume und Sträucher werden weder beschnitten noch im unteren Bereich von Unkraut befreit. ...
Bei dem vom Kläger vorgelegten Privatgutachten zur Schadensermittlung geht der Sachverständige von tatsächlich bewirtschafteten Bäumen und Sträucher aus. Er ermittelt einen Zusatzaufwand, der durch den Rückschnitt nach seiner meinung entstanden ist.
Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch nicht um wirtschaftliche Sträucher und Gehölze, sondern um Wildwuchs der nicht geschützt ist. Diese Sträucher und Gehölze können auch durch Rehe und Hirsche angefressen und besxchädigt werden. ...
Hätte die Beklagte diesen Rückschnitt nicht vorgenommen, wäre durch den Einsatz der Baumaschinen ein erheblich größerer Schaden entstanden. Darüber hinaus konnten die im Sachverständigengutachten ermittelten Kosten für zum Beispiel Wundbehandlung, Schnittmaßnahmen, Wasserdüngung, Kontrolle und Sicherungsmaßnahmen im Ortstermin nicht festgestellt werden. ...
Nach Aussage des Zeugen Leu wurden nur die Bäume und Sträucher entfernt, bzw. zurückgeschnitten, die den Straßenbau behinderten. In dieser Form hat der Kläger das Handeln der Beklagten zu dulden. Durch den Neubau der Dorfstraße hat der Kläger einen erheblichen Vorteil, da auch sein Grundstück nunmehr hervorragend verkehrsmäßig angeschlossen ist. ...
Es liegt weder eine schuldhafte Pflichtverletzung der Beklagten vor, noch ist nach Auffassung des Gerichts ein, dem Kläger, zu ersätzender Schaden entstanden."


Nach dem Lesen meine spontane Mail an unseren RA:
"guten morgen!
ich habe eben die klageabweisung gelesen. mein erster kommentar:
alle bäume und sträucher vom grenzstein 58/2 bis zur kurve zum wald (d.h. die volle länge des streitobjekts!) sind von mir bzw. uns gepflanzt worden!
es gab und gibt dort definitiv keinen wildwuchs!
es bestand dort bis 1992 nichts las ein ackerrandstreifen mit kräutern, dann folgte acker, der bis ende 1992 als solcher bewirtschaftet wurde!
(ich habe alte fotos, die das belegen. und zeugen aus unserer damaligen kommune, die hier im ort leben)
die pflanzungen wurden sehr wohl gepflegt! viele der bäume hatten jahrelang baumschutzspiralen, ich habe regelmäßig die bäume aufgeastet (das ist deutlich zu sehen!) und beschnitten. es wurden eine große artenvielfalt gepflanzt, die von allein nie(!) im leben dort fuß gefaßt hätte (marone, walnuß, roteiche, zwetsche, zuccalmaglios (ein apfel), sauerdorn, eberesche).
der verein hat auch in diesem jahr äpfel von diesem standort in klempenow verkauft, auch die pflaumen und johannisbeeren, walnüsse, brombeeren wurden genutzt!
ich habe jahrelang ausfall ("Rehe", "Hirsche") ersetzt!
das grundstück ist dort keinesfalls "naturbelassen"!
durch den "einsatz der baumaschinen" wäre überhaupt kein schaden entstanden!
der wildschutzzaun wurde erst 2009 errichtet.
und:
wir haben keinerlei vorteil von der neuen straße, schon gar nicht "erheblichen"! und was soll das mit der sache zu tun haben?
das ganze kann einfach nicht wahr sein.
war ihnen auch nicht klar, daß dort alles gepflanzt war, kein wildwuchs?
ich habe ganz bewußt 1 jahr lang dort nichts getan, damit nicht die restspuren der verbrecher verwischt werden. hätte ich das bloß alles erzählt! aber ich idiot dachte, es wäre klar."


6. Dezember 2011
Nach langem Überlegen und Beratungen mit Freunden beauftragten wir den RA, Berufung einzulegen.
Wegen zu geringen Streitwertes war dies nicht mehr betreffend Fa. PeeneBau möglich.

6. Februar 2012
Das Gerichtsverfahren 2.0 ging an den Start: Berufung beim Landgericht in Neubrandenburg.

Bis zu dessen Antwort Ende März, testete ich einen der neuen Besen der neuen Kreisverwaltung, denn seit der Kreisgebietsreform M-V ist unser Verein Insasse des Landkreises Vorpommern-Greifswald (VG).
Ich bat die Sachgebietsleiterin der Rechtsaufsichtsbehörde Rilinger, die Rechtmäßigkeit der Einwohnerversammlung (EV) im August 2010 zu beurteilen, nach welcher ohne Abstand sofort die Gemeindevertretersitzung (GVS) mit Beschlußfassung zum Straßenbau einsetzte. Zur EV waren alle Gemeindevertreter anwesend gewesen. Die Hauptsatzung der Gemeinde Dü4 regelt, "daß sich die Fragen in der Fragestunde nicht auf die Beratungsgegenstände der nachfolgenden Sitzung beziehen dürfen." Frau Rilinger erläutert: "Aus dem Prinzip des freien Mandats des Gemeindevertreters folgt, daß der Bereich der Beratung und Entscheidung deutlich von jedwedem Dialog der Gemeindevertreter mit den anwesenden Bürgern/Einwohnern getrennt und vor Störungen Dritter geschützt werden muß.
Da in der Gemeinde Dü4 die Einwohnerfragestunde vor der Abhandlung der Tagesordnungspunkte liegt, wäre bei brisanten Sachverhalten (z.B. auch eine Straßenbaumaßnahme, die nicht bei allen Bürgern Zustimmung findet) davon auszugehen, daß die Bürger/Einwohner, die der Gemeindevertretung nicht angehören, mitberaten und der Bürgermeister oder auch Gemeindevertreter in der Antwort Stellung nehmen, so daß die Beratung zu einem TOP vorverlagert wird. Außerdem könnte dann dadurch eine Drucksituation auf der einen Seite als auch eine Erwartungshaltung auf Seiten der Fragesteller entstehen, die die freie Mandatsausübung gemäß § 23 Abs. 3 KV M-V und die damit verbundene freie Beratung beschneiden. Insbesondere gilt es, die Meinungs- und die Willensbildung von der Entscheidung zu trennen. Der direkte Einfluß auf die Beratung der Gemeindevertreter bzw. eine Mitwirkung ist zu vermeiden.
Konkret auf die Fragen zur Straßenbaumaßnahme gab es in der vorgeschalteten Anliegerversammlung genügend Gelegenheit zur Meinungsbildung.
Insofern ist die Praxis in der Einwohnerfragestunde der Gemeindevertretung Düvier nicht zu beanstanden. MFG Rilinger, SGL"


Ach, welch schönes Beispiel für Widersprüche in sich selbst! Es gab zwar keinerlei reale Trennung, aber rechtlich gemeint war und ist eine, wenn die Leute einfach am selben Tisch, im selben Mief sitzen bleiben, nach der hitzigen Diskussion von Versammlung auf Sitzung umschalten und ihre Reflexhändchen heben. Wem nützt eine Kommunalaufsicht, wofür ist die da? Wer hat sich die bestellt?

Am 27. Merz 2012 verfügt das Landgericht (im folgenden Auszüge):

"Das Gericht weist darauf hin, daß die Beklagte darlegungs- und beweisbelastet ist. Als Beweis wurde lediglich der Zeuge Leu benannt, eine hinreichende Wiedergabe und Würdigung der Aussage ist dem erstinstanzlichen Urteil nicht zu entnehmen. Insofern dürfte die Einholung eines Sachverständigengutachtens erforderlich sein. Sollte die Beweisaufnahme ergeben, daß tatsächlich Pflanzen im Abstand von bis zu 4 Metern von der Fahrbahn entfernt wurden, so dürfte neben der Rechtswidrigkeit auch ein Verschulden der Beklagten in Form von zumindest Fahrlässigem Handeln zu bejahen sein. Überdies neigt die Kammer dazu, hinsichtlich der Frage des Schadens von der erstinstanzlichen Entscheidung abzuweichen. Die Einholung eines neuen Gutachtens erscheint als wenig prozeßökonomisch. Daher schlägt die Kammer zur Beendigung des Rechtsstreits folgenden Vergleich vor:
1. Die Beklagte zahlt an die Klägerin einen Betrag von 2.500,- €.
2. Damit sind alle gegenseitigen Ansprüche der Parteien abgegolten."


Der Heydenholz/Köpnick-RA Erdmann sieht freilich keinen Grund, darauf einzugehen. Warum sollte er auch?
Im Mai 2012 antwortet die Gegenseite also u.a.:
"Bereits durch den vernommenen Zeugen Leu wurde klargestellt, daß die durchgeführten Baumschnitte und Rodungsarbeiten für die Ertüchtigung der Straße zwingend erforderlich gewesen sind. Alle Mitarbeiter wurden ordnungsgemäß ausgewählt und überwacht, keiner überschritt die Weisungen."
Nur im Hinblick auf die Schadenshöhe kann sich der gute Mann dem Gericht vollumfänglich anschließen, "wobei sich aufgrund des inzwischen eingetretenen Wildwuchses die Vegetationslage in dem gleichen Umfang wie vor Durchführung der Arbeiten eingestellt hat."
Tja, Unkraut vergeht nicht! Knapp 20 Jahre alte geschredderte Eichen wachsen innert anderthalb Jahren vollumfänglich nach. Wenn man nur will.
Nun verkündeten alle Seiten der Gemeinde Dü4 und dem Planer Leu den Streit, für den Fall, daß das Verfahren weitergehen sollte. Leus Anwalt antwortete sogar und meinte u.a. "nach den hiesigen Unterlagen sollen die streitgegenständlichen Eingriffe in das Eigentum der Klägerin am 16. 9. 2010 erfolgt sein. Ausweislich der Bauablaufplanung sollte der Baubeginn indes erst am 27. 9. 2010 sein, was tatsächlich auch so war. Die Beklagte dürfte mithin eigenmächtig vorgegangen sein." Was die weiterhin abstreitet, klar.

Das Landgericht indes lud Mitte Juli 2012, ja, wieder geht ein Sommer ins Land, zu einer Mediation im September ein. Der Tisch stand voll mit Keksen und Thermoskannen voller Kaffee. Es wurden aber nur zwei Kekse verspeist. Dieser Aufwand immer! Da wir alle saßen, ging es keinen Schritt weiter. Die Gegenseite wollte nochmal ihren Versicherer fragen, ob nicht doch die zweieinhalb Scheine lockerzumachen wären. Nö. – Wer hätte das gedacht! Das erfahren wir schon im Februar 2013. Auf dreimalige Nachfrage.

Zwischendurch trudelten alle naselang diverse Rechnungen ein, erste Instanz und RAe. Was hätten wir für die Penunsen nicht alles aufforsten können, den Marktplatz in Loitz, den Bauernstuben-Parkplatz in Dü4.

Und, wir konnten es kaum erwarten, mit langer Verzögerung aber in aller Selbstverständlichkeit stellte das Amt Loitz/Peenetal (die Gemeinde Dü4 fusionierte im Sommer 2012 nämlich ins städtische Milieu und gab große Batzen ihrer Eigenständigkeit den Bach runter) dem I.G.E.L. e.V. am 1. November 2012 den Bescheid über den zu entrichtenden "Ausbaubeitrag" zu. Die Vorteile, die wir mit der neuen Straße genießen, dürfen wir mit 3.171,42 € abbezahlen.
Von allen Gründen für dieses Bauwerk, das nach unseren ersten kritischen Anmerkungen noch um 120 m verlängert wurde, uns viele Bäume und Hecke kostete, von all den Vorteilen, die laut Planer Leu und BM Hildebrandt den Bau rechtfertigen wie besseres oder überhaupt erst Durchkommen von Winterdienst, Müllabfuhr, Feuerwehr, wie Nutzen für den Landwirtschaftsbetrieb und touristische Erschließung etcpp. haben wir gar nichts, Null. Nur Schäden und Raserei.
Aber was geht die Vollstrecker kapitalistischer Gewalt fremdes Elend an.

Frau Krüger bekam am 22. November 2012 trotzdem unseren Widerspruch zum Bescheid 70-0011-2012

Schönen Tag!
Hiermit legen wir Widerspruch zum Ausbaubeitragsbescheid Dorfstraße Zarnekla vom 1. 11. 2012 ein.
In der Straßenbausatzung der Gemeinde Düvier wird in § 2 (Beitragspflichtige) nicht zwischen juristischen und natürlichen Personen unterschieden. Ist die Satzung in dieser vorliegenden Form rechtens?
Am 14. 7. 2010 (Einwohnerversammlung in Düvier) wird das Ausbauprojekt vorgestellt. Die Planung des Straßenneubaus endete etwa am Punkt 1+242 am Ende des Flurstücks 58/2. An diesem Tag gab es erhebliche Einwände und Vorbehalte seitens der Betroffenen, auch durch uns. Im Anschluß schrieb ich einen kritischen Leserbrief an die Demminer Zeitung, der auch größtenteils veröffentlicht wurde.
Am 17. 8. 2010 wurde nach Düvier zur Einsichtnahme in die aktuelle Planung gebeten. Die Straße war nun 120 m länger geplant (und wurde im späteren auch so gebaut), in einen Bereich hinein (ausgeschildert als Sackgasse!), wo nur noch unser Verein (58/3) als vehementer und erklärter Gegner des ganzen Ausbaus und die Gemeinde selbst (39, Unland/Sukzessionsbestockung, ungenutzt) Anlieger sind. Auf unsere spätere Frage nach den Gründen der Verlängerung antwortete BM Hildebrandt schlicht aber erschöpfend "weil Geld da ist." Dies macht auf uns nach wie vor den Eindruck von Willkür. Unser Verein hat von der Straße keinerlei Nutzen oder Vorteil.
Unseres Wissens nach gab es keine Begehung mit Inaugenscheinnahme der vom Ausbau betroffenen Flurstücke durch die Gemeindevertretung und/oder das Amt. Kein Protokoll. Und auch keinen darauf folgenden Beschluß der Gemeindevertretung, wie der Ausbaubeitrag zu erheben ist.
Auf dem herangezogenen Flurstück 58/3 gibt es das "Nattermoor” (7110 m²), eine seit mehreren Jahrzehnten sich selbst überlassene Moor- bzw. Sumpffläche (wo seit nunmehr 6 Jahren ein Kranichpaar regelmäßig brütet) und "Unland" (2960 m², früher Lehmgrube, dann Mülldeponie, jetzt Sukzessionsbestockung). Da diese Flächen auf keinerlei Art genutzt werden, sind dies keine Vorteilsflächen.
Die neue Straße endet vorm Traufbereich der Hubertuseiche, etwa 25 m vorm Ortsausgangsschild. Die Erschließung des Flurstücks 58/3 erfolgt zu einem großen Teil über ein Tor hinter dem Ortsschild an dem Weg nach Medrow und nicht mittels der neuen Straße.
Alles dies hätte/n die Gemeindevertretung und/oder das Amt wahrnehmen können und müssen.
Im Zuge des Straßenbaus entstand für unseren Verein keinerlei Nutzen, ganz im Gegenteil wurde uns durch Baumfäll- und -schnittarbeiten durch Fa. Heydenholz auf unserem Grundstück ein Schaden von etwa 4500 € zugefügt (das Gutachten liegt der Gemeinde vor) für dessen Ersatz wir gegenwärtig in der 2. Instanz klagen.
Aus o.g. Gründen widersprechen wir der Heranziehung zu einem Ausbaubeitrag in der geforderten Höhe. Unsere Ratenzahlung des erhobenen Ausbaubeitrags erfolgt unter Vorbehalt!
Mit freundlichen Grüßen!


Gleichzeitig teilte ich dem Amt mit, daß wir nur unter Vorbehalt monatlich Raten in Höhe von 23 Tacken abdrücken. Mehr geht nicht.
Bis Ende April lag noch keinerlei Reaktion des Amtes auf beide Schreiben, die ja immerhin auch einige Fragen enthielten, vor. Schon wieder aufgelöst, abgewickelt, evaluiert? Mit Klein Päwesinchen Ausbau fusioniert? Generalstreik?
Nee, ich weiß, die haben’s einfach nicht nötig. Physik, Hebelgesetze.

Bißchen Moral wollte ich auch noch ranzerren und schrieb an alle Täter (Gemeindevertreter, Planer, Baufirmen) einen Bettelbrief folgendermaßen:

Lieber Herr Pfeiffer!
Der I.G.E.L. e.V. ist mittlerweile seit 15 Jahren in der Region am Wirken. Einiges davon haben Sie vielleicht schon gesehen oder aus der Presse entnommen, ich kann Ihnen gern unsere Geschäftsberichte zusenden.
Allein in diesem Jahr besuchten bisher etwa 160 Teilnehmer (auch aus dem Ausland) unsere Veranstaltungen (Seminare, Camps, Führungen, Stände, freie Jugendarbeit...), eine junge Frau absolviert derzeit ihr freiwilliges ökologisches Jahr in Zarnekla, vor zwei Jahren beschäftigten wir 16 Monate lang einen Minijobber. Neben der Umweltbildung leisten wir Renaturierungs- und Artenschutzarbeiten, Parkpflege, naturnahen Waldbau, sind Träger der Dorfzeitung "Tollensetaler Stimme" und vieles mehr. Dies alles ist jetzt gefährdet.
Aufgrund der von Ihnen mitverantworteten Entscheidung zum Straßenbau in Zarnekla ist unser Verein nun mit dem Anliegerbeitragsbescheid in einer sehr kritischen finanziellen Situation, während er von der Straße keinerlei Vorteile hatte und hat, sondern ganz im Gegenteil.
Denn es ist nicht nur der Anliegerbeitrag in Höhe von knapp 3200,- €, der uns belastet. Wie Sie wahrscheinlich wissen, wurden im Zuge des Straßenbaus 2010 auf unserem Flurstück in Zarne-kla etwa 80 Bäume und Sträucher abgesägt bzw. beschädigt, ein Gutachten bescheinigte eine Schadenshöhe von etwa 4500,- €. Auf unsere damaligen Schadensersatzforderungen reagierten weder Auftragnehmer noch Auftraggeber in irgendeiner annehmbaren Weise, so daß wir vor Gericht klagten. Der Amtsrichter befand, daß uns kein Schaden entstanden sei. Erst das Landgericht in zweiter Instanz bewertet nun die Sachlage zu unseren Gunsten, das Verfahren ist jedoch noch nicht beendet. Aber selbst wenn wir Recht bekämen, so wird der vorgeschlagene Vergleich weit unter den bisher im Rechtsstreit verausgabten Kosten liegen, von Schadenersatz ganz zu schweigen.
Viel lieber würden wir unsere fruchtbare Arbeit fortsetzen, statt so unglaublich viel Zeit, Kraft und Geld dafür aufwenden zu müssen, die Folgen des Straßenbaus zu schultern.
Wir bitten Sie hiermit um eine Spende auf unser unten genanntes Konto.
Sie erhalten sofort nach Zahlungseingang eine Spendenquittung – seit Bestehen ist unser Verein als gemeinnützig anerkannt.
Mit freundlichen Grüßen!


Aber auch die sind schlecht erzogen, ich meine, tragen ihre Charaktermasken festverwachsen als eigentliche Natur. Keine Reaktion nirgends von niemand. He Mann, und dafür hatte ich nun unsere Portokasse geplündert...

Der epochale Winter. So hieß doch das gute Buch.

Mitten im Schnee bestimmte das Landgericht für den 5. April 2013 einen Haupttermin, um weiterzumachen in der Prozeßökonomie. Und dieser Tag brachte tatsächlich was Neues: Wir strichen die Segel.

Wie sollte es anders sein, auch "Recht" ist in kapitalistisch verfaßten Gesellschaften eine Ware. Ich konnte beim Bieten nicht mehr mithalten. Primitiv drückten das schon Ton Steine Scherben aus: "Wer das Geld hat, hat die Macht, wer die Macht hat, hat das Recht." Es wären mindestens zwei neue Gutachten zum Weitermachen nötig ("mit Kosten deutlich im vierstelligen Bereich", so Richter Weiß), der Tanz würde dann noch jahrelang weitergehen, mit Planer Leu, Fa. Heydenholz und der Stadt Loitz und ihrem lauten Gewinsel "Ich war’s nicht!", fingerzeigend reihum "Der da!". Jedes auf die Füße treten würde weitere tausende Ois kosten.
Um am Ende vielleicht ein Stück Papier an der Wand hängen zu haben, auf dem "im Namen des Volkes" dem I.G.E.L. e.V. die leere Hand gereicht würde: ja, ihr hattet ja recht.
Hey, cool, Alder, Respekt! Wo hast den Rahmen gezogen?
Beim Auseinandergehen bekam ich diese Art Schulterklopf schon ausreichend fürs Gemüt von unserem Anwalt: "Gut, daß Sie sich gewehrt haben!"
Nein, nicht zynisch gemeint.

Mehr als 200 abbe Bäume, kein relevanter Ausgleich nirgends, 4500 Ois bezifferter Schaden, 4000 Ois Verfahrenskosten, 3200 Ois Anliegergebühren – für Nichts. Was uns als Verein betrifft.

Mittlerweile kaufte BM Sack ein Haus samt Grundstück an der schönen neuen Straße von der Agrargenossenschaft Ibitztal, dessen Chef Profiteur des Straßenbaus und Bruder der Ortsbeiratschefin ist, welche den Straßenbau mit durchgesetzt hatte. Der Bürgermeister baut nun an seinem Landwohnsitz.

Und ich wandte mich am 5. Mai 2013 vertrauensvoll an meine mitteloberen Volksvertreter, den Ortsbeirat Dü4 (als Subkommando der Stadtvertretung Loitz) mit interessierten Anliegerfragen:

Schönen Tag!
Im Zuge des Straßenbaus für die AG Ibitztal und die Fa. Schack in Zarnekla wurden am Ortsausgang Zarnekla auf dem Gemeindegrundstück 39 mehr als 100 Espen Stammdurchmesser > 25 cm und einige Eichen, Birnen, Birken, Kirschen etc. gefällt.
Wohin gelangte das Holz?
Des weiteren wurden auf dem Grundstück 58/3 unseres Vereins etwa 80 Bäume und Sträucher gerodet oder beschädigt.
Wer bekam das Holz bzw. die Schredderhäcksel unserer Bäume? Was wurde dafür gezahlt? An wen?

Wie schön – schon einen Monat später rührte sich meine Vertretung und duckte sich wort- und grußlos hinter ihrem Anwalt weg. RA Warnke schrieb gütigst am 4. Juni:

... Meine Mandantschaft war nicht Auftraggeber der von Ihnen benannten Maßnahme der Rodung. Deshalb vermag diese auch keine Auskunft zu Ihren Fragen zu geben. Bitte wenden Sie sich gegebenenfalls an die Ihnen bekannte ausführende Firma. ...

Na, ist das nicht wieder ein hübsches Sahnehäubchen obenauf, wo kaum noch Platz ist?
Ooooops: den Straßenbau hat es nie gegeben!
Und falls da irgendwelche Firmen auf Gemeindegrundstücken Rodungen vornehmen und das Holz wegfahren, kann ich mich ja wohl selber mal ein bißchen bequemen, statt rumzumosern.

Naja, wie sagte neulich jemand nebenher: "Gewaltmonopol ist nur ein anderes Wort für Diktatur."


Das Amt Peenetal "sucht Ideen als.Treibstoff" für sich, um dem Ausbluten der Region mit einer Strategie bis 2020 begegnen zu können. Und baut gerade neue Straße im Ortsteil Rustow – dafür muß es reichen.


Lerneffekte:

Mit allen Projektgegnern immer wieder über Widerstandsmöglichkeiten reden. Und sei es die Verweigerung der Benutzung von Privatgrundstücken zur Materialzwischenlagerung oder zum Autoabstellen.
Gibt es Privatwege, die die Baufirmen mal ebenso einfach nutzen und kaputtfahren?
Alles dokumentieren! Kaputte Baumwurzeln, verbuddelter Plastemüll, Verklappung des Bauschutts, Termineinhaltung bei Inanspruchnahme von Fördergeldern...
Zur Verschönerung beitragen: Bankette mit Baumskeletten bepflanzen, Asphalt mit Straßenkreidespray aufmotzen, Radarattrappen aufbauen...


Partner für Brieffreundschaften:


Gemeinde Düvier
c/o Amt Peenetal
Lange Str. 83
17121 Loitz

geht auch elektrisch: mailto:amtpeenetal.loitz@loitz.de


Gastkommentare:

von Stuttgart bis Zarnekla: ein einziges Land eine einzige Vorgehensweise
Solidarische Grüße von Tobias Alexander Sandkühler

Kann ich mit meinen Bäumen (Walnuss, Maronen, Buchen) zu euch kommen. Die müssen dringend aus meiner Baumschule! Hast du schon einen Anwalt? A.

Hallo, ich hab’s mit Interesse gelesen, kann mir vorstellen, dass nicht die Hälfte der handelnden Personen in der Fördergeldmafia überhaupt den Intellekt hat zu verstehen, worum es Dir geht.
Ich hoffe, Du kannst diesen Irrsinn halbwegs eindämmen.
Könnte Rechtsauskünfte, Vordrucke für Dich kostenlos downloaden oder fragen, wenn es Dir hilft.
Liebe Grüße, F.

hi roland, hatte das schon gestern auf wikiwoods.org entdeckt, und hab das gleich mal weiter verbreitet. ist schon echt nen dolles ding was da abgeht. ist es wirklich wahr, 300 € nur für ausgleichsmaßnahmen? auch noch an die trottel von der forst? wahrscheinlich machen die damit eh nur sachen, die sowieso irgendwie machen müssten...
naja! T.

Oh Roland, sieht das übel aus :(
Hatte ich sogar zufällig übers Coforum schon gelesen mit der Baummetzelei, aber die Bilder sind ja nochmal heftig.... :(
Wen willst Du verklagen? Wird die Straße denn jetzt vermehrt genutzt? Fühlst Du Dich noch wohl? Viel Glück! A.

Hallo Roland,
ich bin ehrlich entsetzt.
Was kann ich von hier aus für euch tun?
es grüßt d.

ähäm,
ich bin sprachlos, geschockt
meld dich wenn ich irgendwie helfen kann
(so gut es eben mit zwei kindern geht.)
wenn dir die asphalt cowboys zu dicht auf die geistige pelle rücken mach mal nen zwischenstopp in görmin und schau auf ein kaffe undn schnack rein. K.

morgen, Roland,
hab gerade Deine Chronik gelesen. Wenn ich richtig verstehe, ist gerade das Stück bis zur Eiche massakriert wurden? Die Hecke Richtung Klaus auch?
Überall dieselbe Scheiße, die letzten schönen Ecken werden plattgemacht und zugerichtet. Zum Glück sehe ich hier aus der Ferne den Weg wie er war vor meinem inneren Auge.
Wir haben hier ähnliches, ein überdimensioniertes Stadthafenmonster soll aufs freie Nachbargrundstück kommen. Allerdings haben wir ganz gut den Fuß in der Tür. Und ich bin ganz optimistisch, daß es nicht so läuft, wie bei der A20 erlebt.
Irgendwann ist aller Asphalt Geschichte.
Grüße aus Lychen T.

Hallo Roland,
ich habe Deine Mail bezüglich des Straßenbaus in Zarnekla bekommen. Wirklich sehr traurig. In 2 Naturparken (Mecklenburgische Schweiz und Sternberger Seenland) arbeiten wir gerade an einem Kataster für schützenswerte Landwege. Ziel ist langfristig ein gesetzlicher Schutzstatus für besonders schöne Wege. Es ist aber immer wieder traurig zu hören, dass andere wieder schneller waren und Tatsachen aus Asphalt geschaffen haben.
Außerdem soll es nächstes Jahr über die Landeslehrstätte ein Seminar für die Vorbereitung eines Grün-kaputt-in-MV-Buches geben. Es wäre schön, wenn Du Lust hättest, bei diesem Projekt mitzumachen, oder wenn wir Deine Bilder und Dokumentation verwenden könnten.
Grüße aus Güstrow E.

Hallo Roland,
ich bin schon seit mehreren Jahren am Thema Wegebau dran und derartige Bilder sind sehr oft die Regel. Es ist unerträglich. Ich habe schon in unzähligen so genannten Bodenordnungsverfahren eine andere Vorgehensweise gefordert, schließlich macht es in den meisten Fällen auch eine einfache Ausbesserung der wassergebundenen Decke, z.B. mit diesem Produkt: http://www.hansegrand.eu/de/hansegrand_robust.shtml Dafür müssten keine Bäume gefällt und Hecken gerodet werden.
Die Gemeindevertretungen wollen das aber nicht verstehen, sie wollen die horrenden Fördersummen abfassen, die für diese Asphaltpolitik bereitstellt gestellt werden.
Die Ursache sind ungeeignete Förderrichtlinien, die den Gemeinden bei der Wahl der Wegebauweise weitgehend freie Hand lassen. Die Richtlinie für den Wegebau war mal so gefasst, dass vorrangig wassergebundene Wege gebaut bzw. bestehende Wege saniert werden sollten. Das hat man vor wenigen Jahren geändert. Jetzt haben die Gemeinden freie Wahl und entscheiden sich, weil es angeblich kostengünstiger und haltbarer ist, mehrheitlich für Asphalt und Beton. Einen Beweis der angeblichen Haltbarkeit bleiben sie schuldig und wenn in ein paar Jahren das Gras durch den Asphalt sprießt, wird wieder nach Straßenerneuerung geschrien.
Leider habe ich von Deinem konkreten Verfahren nichts gewußt. Hattest Du Dich schon mal in dieser Sache an uns gewandt?
Guck mal auch hier: http://www.bund-mecklenburg-vorpomm ... gung/buergerseminare
Wir haben zu dem Thema eine Veranstaltung gemacht und schreiben unsere "netten" Erlebnisse mit dem Wegebau an die Oberste Flurneuordnungsbehörde, das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz und dort an den Abteilungsleiter Landwirtschaft, Agrarstruktur Herrn Dr. Buchwald http://www.regierung-mv.de/cms2/Reg ... r._Juergen/index.jsp

Ich empfehle Dir, falls Du es nicht schon getan hast, Dich auch an ihn zu wenden.
Soweit fürs Erste. Beste Grüße von A.

lieber roland, schrecklich das mit dem straßenbau. besonders das letzte foto. ein elend das alles....
kann deinen zorn gut verstehen. ginge mir genauso...
bei uns vor der nase ist hier gerade ein wahnsinns stadionbau im gange. babelsberg ist in irgendeine oberliga aufgestiegen und schon gibts geld und nun das. nebenan gleich mein wunderschöner babelsberger park und nun dieser idiotische riesen-betonklotz davor...
auf bald und lieben gruß, i.

Roland, danke für deine Enthüllungsjournalistik.
Herr HARTmann wieder als ein weichgespülter Hauptdarsteller... nun ja.
Ich lausche weiter in Richtung Zar-nekla- als verbündeter Baumfreund...und Wasserfreund und Schweinefreund und Hühnerfreund und Menschenfreund und und und...so eine Riesen-Liste!!! C.

auweia.. autsch!
ich hab so den ganz offensichtlichen eindruck, dass die hier polnische wirtschaft betreiben - bloß keene grünen irgendwo an die macht kommen lassen und immer schön heimlich irgendwo was verklappen... a.

Lieber Roland,
ich habe gerade die Gastkommentare gelesen und festgestellt, dass ich nicht die Einzige bin, die ob dieser Grausamkeiten in Schockstarre verfällt! Zum Glück gibt es Leute wie Dich, die den Schock und die Wut in sinnvolle Tat umsetzen können. Wenn Dir was einfällt, was ich tun kann, komm gerne auf mich zu. S.

lieber roland,
deine post hat mich entsetzt, mal richtig aufgestuckt und durchgerüttelt.
wie wichtig ist dann noch sowas wie lapsus live? frag ich mich grad, aber ich steh auch nicht so tief und fest im stoff wie du.
die fotos sind ja kaum zu fassen. ich hab aus mehreren gründen sowas in meckpomm nicht für möglich gehalten, nicht so schnell. ich werd mehr lesen und frag schon jetzt, ob ich was tun kann? du weißt, dass zarnekla ein besonderer ort für mich ist, nicht nur deinetwegen und weil es dein und euer so besonderer lebensraum ist - für mich hat dort viel angefangen.
und natürlich wollen wir wiederkommen, b. spricht oft davon, bei dir mal in klausur zu gehen.
ich versuche herauszulesen, wie es dir mit dieser entwicklung vor deiner nase geht. aber das ist schwer. dass du dich wehren wirst bzw. etwas unternehemen - wajakla.
grüße herzlich g. & b.

http://www.buga2009.blogsport.de

Krasser Unfug, Verschwendung öffentlicher Gelder,...
R. aus Lychen

Hallo Roland, wir können Dich voll verstehen. Das ist alles sehr, sehr traurig. Die Teerstraße wirkt wie ein Fremdkörper, geschichtslos, lieblos, leblos, leer. Es ist ein wirklicher Jammer angesichts der vielen Bäume, die für diesen Mist gedankenlos, gnadenlos beseitigt wurden.
Weiterhin viel Kraft im Kampf gegen diese Willkür wünschen Dir D. und R.

aber hallo! viel Holz gefällt und zubitumiert. aber schön dass es Arbeitsplätze erhaltend war, denn sonst wär der Straßenbauer in Teilzeit oder Arb-los-hilf.
dann sag ich jetzt zu meiner FREUDE: endlich eine SKATER-strecke und die INLINER bein nachsten Urlaub einpacken.
SPORT FREI - L.

Es leben der Asphalt und die Idiotie!!! mit lieben Grüßen, der M.

Hallo Roland,
ich finde das, was da in Zarnekla passiert ist, ausgesprochen traurig. Es ist exemplarisch für viele andere Vorkommnisse ähnlicher Art hier bei uns. Irgendwie funktionieren die Seilschaften, und man kommt sich völlig überfahren vor.
Vielleicht hilft dir der "Wegweiser Gehölzschutz in Mecklenburg/ Vorpommern", den der BUND ins Netz gestellt hat, weiter. Aber wahrscheinlich kennst du den schon. Ansonsten kannst du dich auch telefonisch an den BUND wenden. Falls ich dir helfen kann, melde dich. H.

Lieber Roland, es ist wirklich traurig, wie das bißchen Restnatur weiter kaputtgemacht wird. Uns hat ja auch gerade das relativ Unberührte an Zarnekla gefallen. Alles wird besser, aber nichts wird gut.
Grüße von R.

Hallo Nathalie, hallo Roland,
es ist nun schon acht Jahre her, dass ich bei euch war, aber ich hatte die Abgeschiedenheit, die Stille und den Wald noch in guter Erinnerung. Jetzt habe ich eben die Fotos von dem Baummassaker im Netz entdeckt. Mir kommt das Kotzen ... oder die Tränen ... oder beides. Was geht nur in den Köpfen der "Entscheidungsträger" vor? Aber wahrscheinlich herrscht da nur Leere ...
Traurige & wütende Grüße, C.

hab mir gerade die seite angeguckt. das ist ja grässlich was die da bei euch treiben. diese strasse ist so dermaßen überflüssig und hässlich. und die ganzen bäume die dafür drauf gehen mussten. da blutet mir das herz. ich erinnere mich noch zu gut an die spaziergänge.
Maik L., Hamburg

Hallo Herr Gorsleben,
Echte politische Bildung!
J. D., Güstrow

Die Landschaft ist deutlich

zu groß geraten. Weite, jeglicher Fülle beraubt.
Mit Einfalt versiegelt, von Auswuchs befreit,
warten nicht bloß die Wasser auf Klärung;
am Ende fehlt für die Krücke der Stock.

Kai Pohl, Berlin http://www.floppymyriapoda.de

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Freitag, 22. Juli 2005

Selbstdarstellung und Aktivitäten des I.G.E.L. e.V. (Im Grünen einfach leben, In Gemeinschaft einsam leben - was auch immer!) bodenständig in ZarNekla

Samstag, 25. Januar 2003

Zar Nekla die Zweite, Freiraum für Gemeinschaft und Einzelgänger, naturnahe Aktivitäten und selbstbestimmteres Leben.
BieteLebensplatz