Fragen an das Konzept Umsonstladen

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Hier versuchen wir aus Sicht von Umsonstladen - Aktiven in Hamburg 11 häufig gestellte Fragen zur Benutzung des Umsonstladens zu beantworten. Diskussion dazu ist herzlich willkommen...!

11 häufig gestellte Fragen zum Umsonstladen

1.) Was ist an der 3-Teile-Regel so wichtig ?

Es ist die klare Mengenbegrenzung für die Abholenden. Das könnte auch eine 2- oder eine 4-Teile-Regel sein, aber die Begrenzung hat sich als nötig erwiesen. Die meisten Menschen würden den Umsonstladen nicht ausnutzen, aber ohne Mengenbegrenzung würde er schnell mehr und mehr Menschen anziehen, die das locker verknüpfte Geben und Nehmen als Gelegenheit zum Zusammenraffen von allem "Wertvollen" missbrauchen. In einer Welt, in der fast alles einen abstrakten Wert bekommen hat, können die Dinge nur dann als bloß nützliche genommen werden, wenn verhindert ist, dass Einzelne alles zusammenraffen. Wer die 3-Teile-Regel formal beachtet, aber dauerhaft nur nimmt, muss ja selbst immer wieder kommen. Dann steigen unsere Chancen, die betreffende Person auf ihr Verhalten ansprechen zu können ...

2.) Warum wollt ihr keine ABM-Stellen oder irgendwelche andere Bezahlung für die Umsonstladen-Aktiven ? Wir verstehen den Umsonstladen als einen Ansatz einer Projektgemeinschaft, bei dem Menschen Schritt für Schritt ihr Wirtschaften in ihre eigenen Hände nehmen. Wir wollen keine Erwerbsarbeitsstellen schaffen, auch nicht mit Staatshilfe. Wenn jemand für seine Tätigkeit im Umsonstladen bezahlt wird und andere nicht, dann entstehen große Probleme: Die eine macht dieselbe Tätigkeit 'umsonst', der andere wird für dieselbe Tätigkeit bezahlt. Auf dieser Grundlage ist es zwar möglich, das Funktionieren eines Umsonstladens zu gewährleisten. Aber es ist nicht möglich, eine wachsende Zahl von Menschen zur Mitarbeit im Sinne einer gegenseitigen Hilfe, die mehr ist als ein "Ehrenamt", zu gewinnen. Die Dresdener Umsonstladen-Aktiven haben mit ihrem Projekt 'Abfallgut' genau diese Erfahrung gemacht. Wer Stellen schaffen will, hat kaum eine Möglichkeit, über die bezahlten Stellen hinaus Menschen zu aktivieren.

3.) Warum versucht ihr eure Grundkosten so niedrig wie möglich zu halten ? Warum finanziert ihr euch 100% aus Beiträgen der Aktiven, eigenen Mitteln und den Kleinspenden der NutzerInnen ? Wir wollen unabhängiger werden von den Einflüssen von Waren und Geld. Deshalb gehen wir seit Jahren so wenig Grundkosten wie möglich ein. Dadurch, dass wir uns überwiegend aus vielen Kleinspenden (für die Raummieten) finanzieren, sind wir nur von denen finanziell abhängig, die durch ihre Aktivität das Ganze ohnehin tragen. Großspenden und Unterstützung des Staates für unsere Grundkosten lehnen wir ab. Die Beiträge der Aktiven (3 Euro pus X monatlich, je nach "Vermögen") bedeuten, dass jede/r auf der noch mächtigen Geldebene das beiträgt, was er/sie kann. Nur 100 Prozent Eigenfinanzierung und eine kleine Reserve ermöglichen uns längerfristig einen erwerbsarbeitskritischen, basisaktivierenden Kurs zu steuern.

4.) Wie geht ihr mit Leuten um, die dauerhaft den Umsonstladen nur als Ort zum 'Schnäppchenjagen' missverstehen ? Wer deutlich mehr als drei Teile nimmt, wird gebeten, sich zu beschränken. Im Einzelfall ist der Umgang mit den Leuten, die sich unseren Erklärungsversuchen verschließen, nicht einfach. Einerseits versuchen wir, möglichst wenig Leute gegen uns aufzubringen. Andererseits müssen wir im Interesse des Ganzen immer wieder klare Grenzen setzen. Wir sprechen also von einer "Gratwanderung". Bei Leuten, die trotz mehrfacher Erklärung sich als nur "vom Stamme Nimm" erweisen, verwandelt sich die Spende in einen 'Pflichtbeitrag'. Es wird jedoch niemand direkt abgewiesen. Allerdings nimmt in solchen Fällen unsere Freundlichkeit meist ab ... Nur wer mehrmals offensiv und aggressiv gegen die 3 – Teile -Regel verstößt, oder direkt klaut, bekommt einen "halbjährigen Urlaub" ausgesprochen, soll also erst einmal nicht mehr kommen. Eine "Reformgruppe" überlegt sich, wie wir der Mehrheit der NutzerInnen, die unser 'Spiel' begreifen, mehr Gewicht geben und den Missbrauch weiter zurückdrängen können. Auch "Tage der offenen Tür” sollen den Kontakt zu interessierten NutzerInnen verbessern.

5.) Was macht ihr, wenn zu viel Frauenkleidung und Bücher reinkommen ? Wir bitten die NutzerInnen 'mitzudenken'; wir erklären, dass wir so viel davon nicht lagern können. Auch wird unsere bunte Mischung von noch nützlichen Dingen sonst zu einseitig. Das verstehen viele. Besonders wenn sie vorher anrufen, können wir sie bitten, diese besonders überzähligen Sachen uns nicht so viel zu bringen. Was an Kleidung trotzdem zu viel wird, bekommen zwei caritative Projekte. Erst wenn das nicht mehr geht (selten!), bekommt der Recyclinghof etwas.

6.) Warum versorgt ihr Aktiven euch auch selbst mit den Sachen? Es ist uns ganz wichig, dass auch die hier Aktiven den Umsonstladen für sich nutzen. Wir möchten, dass der Umsonstladen auch den Aktiven nutzt. Das ist unabhängig davon, ob jemand eine oder sieben Öffnungszeiten des Umsonstladens im Monat betreut. Für Aktive gilt genauso die Mengenbegrenzung und die Nutzung nur für den eigenen persönlichen Gebrauch. Prinzpiell steht allen Aktiven eine Grundversorgung zu, auch wenn wir sie bisher nur zu einem kleineren Teil schaffen können. Inzwischen sind es immerhin auch Kleinmöbel und Fahrrad-Selbsthilfe. Für die Wünsche der Aktiven haben wir unsere "Liste der Bedürfnisse.” Dabei behandeln wir unsere Tätigkeiten nicht als Erwerbsquelle von Geld, sonderen als Teil einer direkten gegenseitigen Hilfe. Damit helfen wir uns gegenseitig, die nötigen Dinge zu bekommen.

7.) Im Kleinmöbellager verkauft ihr in Hamburg ja doch etwas. Da weicht ihr vom 'Umsonst-Grundsatz' ab. Wie seht ihr das? Es gibt bei uns keinen Umsonst-Grundsatz in dem Sinne, dass wir allen Menschen umsonst Gutes tun wollen und können. Wir wollen nicht für Menschen umsonst arbeiten, die gelernt haben, nur zu nehmen. "Umsonst" und als Teil einer verabredeten gegenseitigen Hilfe können wir nur für und mit Leuten arbeiten, die das auch erklärtermaßen wollen und selbst praktizieren. Sonst würden wir unsere Energien caritativ verschleudern, ohne eine neue Wirtschaftsweise zu entwickeln. Die Aktiven vom Kleinmöbellager bitten die NutzerInnen um eine Aufwandsspende zur Deckung der Unkosten. Diese liegt deutlich unter den Marktpreisen der entsprechenden Waren. Den Nutzerinnen wird erklärt, dass die Möbel nur für den persönlichen Gebrauch sind. Händler werden so gut es geht abgewiesen. Alle Aktive der Projektgemeinschaft bekommen seit 1 1/2 Jahren die Möbel umsonst. Somit erfüllt das Kleinmöbellager die Funktion, eine Warensorte dem Markt zu entziehen. Der nächste Schritt wäre, die Reparatur von Möbeln zu entwickeln. Das wird aber nur geschehen, wenn jemand von uns Lust dazu hat.

8.) Gibt es viel Konflikte unter euch? Es kommen ja außerordentlich unterschiedliche Menschen bei euch als Aktive zusammen. Ja, es gibt immer wieder kleine Streitigkeiten. Sie ufern aber selten aus, weil uns eine eher praktische Grundlage verbindet. Zum einen sind wir inzwischen groß genug, dass sich zwei, die sich nicht mögen, gut aus dem Wege gehen können. Ab und zu ist es nötig, dass eine dritte Person zwischen zweien vermittelt. Streit ist nichts absolut Schlechtes. Wenn es zum Problem wird, könnten wir mit Unterstützung aus den eigenen Reihen Gruppen anbieten , in denen man streiten lernt.

9.) Etliche Leute streben ja nicht gerade nach Selbsthilfe und gegenseitiger Hilfe. Wie geht ihr mit dem Bedürfnis vieler NutzerInnen nach einer 'Sozialstation' und einer 'Aufwärmstube' um ? Einige von uns haben angefangen, diese verbreiteten Bedürfnisse konsequent nicht mehr zu bedienen. Andere wollen gerne 'gut sein' und tun es noch. Dort wo möglich, kann den Betreffenden erklärt werden, dass das 'Abhängen' und 'immer nur zu nehmen' ihnen gar nicht gut tut ...

10.) Seid ihr nicht faktisch eine 'Schrotthandlung' zur Verlängerung des krisenhaften Kapitalismus? Wir haben den Verwertungswahn und seine Krisen nicht geschaffen. Aber wir stellen uns praktisch dem Problem, wie, in welchen Schritten eine neue Wirtschaftsweise auf die Welt kommt. Dabei können wir die Warenfunktionen nur teilweise und schrittweise außer Kraft setzen und nicht mit einem Federstrich auf einmal. Es ist klar, dass das was wir machen, "nur ein Tropfen auf dem heißen Stein" ist. Aber wir brauchen die jetzt möglichen Erfahrungen, wie selbstbestimmteres, demokratisches Wirtschaften ohne Waren und Geld funktionieren könnte. Auch ist uns klar, dass wir den Bereich der "Produktion" bisher noch weitgehend unberührt lassen mußten. Aber wir beginnen uns da rantasten.

11.) Wie kann Kritik praktisch werden? Was versteht ihr unter 'praktische Kritik der Erwerbsarbeit' ? Es ist einfach genug geredet worden. Das 'Leiden an den Umständen' viele von uns. Nur wenn wir Schritt für Schritt unsere wirkliche Lebenslage verbessern, können wir einen auch für unser Umfeld erkennbar attraktiven Lebenszusammenhang schaffen. Kritik, die nicht praktisch wird, kippt früher oder später um in ihr Gegenteil. Sie wird unfreiwillig zur 'kritischen' Begleitmusik des Bestehenden. Die Tätigkeiten, die wir gerne füreinander machen, tragen wir bewußt nicht mehr auf den Warenmarkt. Diese Tätigkeiten, die unser erkanntes Bedürfnis sind, schaffen eine freiwillige, gegenseitige Hilfe durch alle Projekte der Projektgemeinschaft, die den allgewaltigen Markteinfluss ein Stück zurückgedrängt haben. Dieser zunächst recht abstrakt erscheinende Gedanke "Eine-andere-Welt-ist- möglich" ist für uns erfahrbarer geworden.

Arbeitskreis Lokale Ökonomie e.V. Stresemannstr. 150 (Nähe S-Bhf. Holstenstraße) 22769 Hamburg, Tel.: 040 - 39 90 64 88 Homepage: neue-arbeit-hamburg.de

Mailing-Liste: umsonstladen@yahoogroups.de 13. Oktober 2004

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Mir (benni) stellten sich bei dem Konzept eines Umsonstladens folgende Fragen. Antworten einfach dahinter schreiben.

: Was macht ihr mit anfallenden Kosten? Miete? Telephon? Kopierkosten? Tragt ihr das selbst oder über Spenden? Das größte Problem ist dabei wohl die Miete, so man welche zahlen muss.

Es gibt bei uns so gut wie keine Kosten. Miete müssen und wollen wir nicht zahlen, Telefon liegt eh im Haus, Heizen tun wir mit Bauholz aus Containern und Internet haben wir eh frei im Haus. Das Meiste wird umsonst besorgt. Für alles weitere gibt´s ´ne kleine Spendendose, die auf dem Tisch steht, wo die Leute aber nicht aufgefordert werden, was reinzustecken.

: Gibt es Probleme mit "Ladenhütern", also Sachen, die niemand mitnehmen will? Und wenn ja, wie löst ihr das? Gibt es sowas wie eine Höchstverweildauer im Laden?

Noch ist alles ganz neu, aber es ist wohl absehbar, daß sowas früher oder später auftauchen wird. Dann überlegen wir uns was. Bisher gibt´s noch keine Höchstverweildauer, denn der Laden kann noch allerhand fassen.

: Werden im Laden nur Dinge angeboten oder auch Tätigkeiten? Bei Tauschringen gibt es ja oft einen Schwerpunkt auf letzterem soweit ich das mitbekommen habe.

Klar, können auch Tätigkeiten angeboten werden. Aber die Idee ist nicht der Tausch. Dafür gibt´s schon viele Tauschringe. Bisher gibts zwar nur Dinge, aber wir haben so ´ne Pinnwand, wie die in Hamburg auch und da kann natürlich auch alles mögliche andere angepinnt werden.

Und noch eine mehr theoretische Frage:

Seht ihr das auch so, dass das Konzept "Umsonstladen" beschränkt ist dadurch, dass es keine Auswirkungen auf die Produktion hat, der Laden also immer nur so eine Art Abfallverwertung des Kapitalismus bleiben kann? Wie geht ihr mit dieser Beschränkung um? Habt ihr irgendwelche Ideen dazu?

Habe wir noch nicht diskutiert, werde ich aber mal einbringen. Ich persönlich denke, daß die Sachen keinesfalls "Abfall" sein müssen, das liegt ganz an den Leuten. Auswirkungen auf die Produktion hätte sowas schon, wenn es in größerem Maße passieren würde, denn schließlich müßte dann viel viel weniger produziert werden und der Kapitalismus hätte eine neue Herausforderung für seine Wachtstumslogik.... Wichtiger ist aber, was sich in den Köpfen der Leute tut. Dort findet die kleine "Revolution" statt, sie sind dann nömlich bereit, Sachen mehr und mehr wieder als Dinge zu sehen und nicht mehr nur als Waren.

: Wie groß ist euer "Umsatz"? Nicht in Geld sondern einfach in Menge an Zeugs.

Bisher noch recht gering, da wir ja gerade erst eine Woche geöffnet haben. Aber bei jeder Öffnung haben mehrere Leute was geholt und mehrere was gebracht.

: Wie kommt man an Umsonst-Lagerkapazität oder müsst ihr die mieten?

Haben nur das, was im Laden liegt.

: Kommt es vor, dass Leute Unbrauchbares anbringen? Was sagt ihr denen? Wie ist das mit Sachen, die zwar unbrauchbar sind, aber von Fachkundigen repariert werden könnten?

Wir nehmen nix, was kaputt ist, außer etwa ´ner Stehlampe mit kaputter Glühbirne, oder ´n Kofferradio mit leerer Batterie etc.. Ja, es kommt vor, daß Leute Unbrauchbares herbringen. Die müssen wir dann leider enttäschen und wir erklären ihnen ausführlich die Idee und das es eben wichtig ist, daß die Sachen o.k. sind. Wenn jemand was kaputtes wegbekommen will, steht ihr/ihm frei, es an die Pinnwand zu hängen, bzw. auf diese Internetseite zu setzen.

: Braucht man einen Gewerbeschein?

: Muß das irgendwie deklariert/angemeldet werden?

: Wie habt ihr das propagiert.?


Wenn jemand was von einer Umsonstladeninititiave in Frankfurt hört oder Lust hat sowas anzudenken, bitte Bescheid sagen: benni.


Danke für die Antworten zu den Fragen. Es wäre nett, wenn zu sehen wäre, für welchen Laden der oder die Beantworter/In spricht.


Einige Antworten gibts auf Bildet weitere Umsonstläden , bei gelegenheit werde ich die dort angegebene Telefonnumer anrufen und ein wenig nachfragen – ToKa