TAZ über "Die Schenker"

Version 76, 88.72.200.64 am 5.4.2006 15:14

Die Mitglieder der "Bewegung" der "Schenker" streben an, zu (über)leben, indem von Mensch zu Mensch ausschließlich Geschenke ausgetauscht werden.

Sie gehen davon aus, das "echtes Glück" darin besteht, "wie eine gesunde Zelle im Organismus der Welt verantwortlich zu leben". Als "Weichenstellung" dahin gilt der Verzicht "auf den äußeren Durchsetzungskampf unter Menschen, auf Gewalt und Konkurrenzkampf".

Bezüglich der praktischen Umsetzung betonen die Schenker die Freiheit und die Verantwortung des Einzelnen, der sich nicht mit Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Strategien und den Fehlern anderer für eigene Fehler entschuldigen kann. Mensch muss sich fragen, was im Wesentlichen als Beitrag reicht, um insgesamt eine Lösung beziehungsweise Rettung zu erreichen; nötigenfalls auch allein, und mensch darf sich nur dort von anderen abhängig machen (etwa in Form von Konsensentscheidungen), wo dieses Maß an Entwicklungsschritten geklärte Voraussetzung ist.

Die Schenker erwarten keine "Hundertprozentigkeit", aber "Grundsätzlichkeit", das heißt Einhaltung der eigenen Prinzipien bis auf kleine vertretbare Ausnahmen.

Sie unterscheiden die "Kerngruppe" ihrer Bewegung als diejenigen, "welche nicht nur ihren Lebensrahmen ganz oder fast ganz aus dem Staats-, Geld-, Gewalt- und Abrechnungssystem befreit haben, sondern auch konkret bis zur Hingabe ihres Lebens bereit sind", von der "gemäßigteren" Gruppe, den so genannten "inhaltlich Verbündeten, welche dieselben Ideale vertreten, aber in der praktischen Konsequenz (noch) nicht so weit gehen".

Diese Glaubenssätze führen in der Praxis zu dem Versuch, eine "Bewegung aus drei Lebensformen aufzubauen". Dies sind erstens Pilger, die ohne Ausweispapiere, Privatbesitz und Geld auf der Straße leben und Öffentlichkeitsarbeit betreiben, indem sie sich zum Beispiel mit Plakaten in Städte setzen. Die Schenker betreiben diese Form der Reklame seit 1991.

Als zweite Lebensform gibt es seit 1994 ein "Haus der Gastfreundschaft", wo sich im Sinne "alternativer Sozialarbeit" das gewaltfreie Teilen gegenüber "armen und schwierigen Menschen" bewähren soll. Man lebt ohne Strom und Wasseranschluss, nur von Resten, Geschenktem und Selbstversorgung. Das Haus ist im "Besitz" der Bewegung, wurde dieser geschenkt im Sinne "indianischer Besitzverhältnisse", wonach nur "moralische Nutzungsrechte", aber kein Kauf- oder Pachtvertrag anerkannt sind.

Seit zwei Jahren gibt es das im Aufbau befindliche Projekt einer sich selbst versorgenden Lebensgemeinschaft (Dorffamilie). Das sind "Naturmenschen, die miteinander einmütig entscheiden, geschwisterlich teilen und möglichst behutsam mit der übrigen Natur umgehen" sollen. Das bedeutet, Tiere und Pflanzen zu schonen, am besten von veganer Rohkost (bevorzugt durch Sammeln in der Wildnatur) zu leben sowie Kleidung und Wohnung selbst herzustellen.

Kontakt und weitere Information siehe Die Schenker.