Die Menschen sitzen nicht im Kapitalismus wie in einem Käfig

Version 18, 84.56.192.75 am 24.3.2007 22:26
Daten
web: http://www.kritische-psychologie.de/texte/kh1984b.html

Gespräch von Heiko Ernst und Claus Koch, PSYCHOLOGIE HEUTE, mit Klaus Holzkamp. Erschienen in der Ausgabe 11/84, S. 29-37.

.

Psychologie heute: Herr Professor Holzkamp, in Ihrer "Grundlegung der Psychologie" nennen Sie als Ziel menschlichen und psychologischen Strebens die "verallgemeinerte Handlungsfähigkeit". Damit ist, vereinfacht ausgedruckt, kollektives vernünftiges Handeln zum Wohle aller gemeint. Es scheint, als ob wir von diesem Ziel weiter als je zuvor entfernt sind. Muß ein "Kritischer Psychologe" darüber nicht verzweifeln?

Holzkamp: Diese Handlungsfähigkeit hängt ab von den Möglichkeiten, die man hat, von der gesellschaftlichen Situation, in der zu handeln ist. Die Handlungsmöglichkeiten können natürlich ungeheuer reduziert sein. Denken wir beispielsweise an faschistische Staaten. Aber selbst unter den Bedingungen des Faschismus in diesem Lande hatte jeder noch Handlungsmöglichkeiten. die er nutzen oder vergeben konnte. Unser Ansatz einer subjektwissenschaftlichen Analyse geht von der Annahme aus, daß ein Mensch, solange er lebt, Handlungsalternativen hat. Resignation, woher sie auch kommen mag, bedeutet immer. daß man die Situation zu allgemein und zu global betrachtet, daß man nicht genau genug hinschaut oder hinschauen kann, um die eigenen Handlungs- und Bestimmungsmöglichkeiten zu sehen.

...

Neue Seiten im Kontext

Montag, 21. August 2006

Zitat von Klaus Holzkamp in Die Menschen sitzen nicht im Kapitalismus wie in einem Käfig:

Nehmen wir als Beispiel eine gebräuchliche Erziehungstechnik, die wir "Gleichheitsregulation" genannt haben: alle Kinder kriegen das gleiche. Du kriegst ein Spielzeug, dann kriegst du auch ein Spielzeug. Du kriegst zwei Scheiben Wurst, dann kriegst du auch zwei Scheiben Wurst. Das sieht so aus, als ob das vernünftig und gerecht wäre. Es ist scheinbar einfach und handhabbar, aber es führt schließlich dazu, daß die Kinder gar nicht mehr darauf achten, was sie selber eigentlich wollen. Sie achten nur noch darauf, was der andere kriegt. Das ist eine Entwicklungsbehinderung in dem Sinne, daß das Bewußtsein für die eigenen Interessen, damit die Möglichkeit subjektiver Bestimmung des eigenen Lebens, hier eingeschränkt werden. Diese Regulationsformen werden dann von den Kindern übernommen und gegen die Erwachsenen angewandt. Da man ja nie hundertprozentig gerecht sein kann, haben die Kinder ständig etwas einzuklagen von den Eltern. Das groteskeste Beispiel ist das: Von drei Kindern will jedes in der Mitte sitzen. Auf diese Weise klammert man die Kinder nicht nur, indem man sie zu manipulieren versucht, als Partner bei der Bewältigung von Alltagsproblemen aus. Sie werden sogar zu Gegenspielern. Sie machen den Eltern das Leben zu Hölle, indem sie - quasi in einer Art von Gegenmanipulation - deren Prinzipien dauernd gegen sie selbst kehren.

Mittwoch, 16. August 2006

Es wird keine Verbesserung der Lage geben, wenn nicht die Umgangsformen mit Eigentum sich ändern. / Es wird keine Verbesserung des Denkens geben, wenn man mit Begriffen inkompetent umgeht.

Donnerstag, 3. August 2006

Zitat aus "Das Versagen der Philosophie" von Hans Jörg Sandkühler sowie Anmerkungen dazu:

Anzumahnen ist eine Philosophie, die sich jener Aufgabe wieder annimmt, die sie groß und nützlich gemacht hat, Philosophie als Kritik im umfassenden Sinne des Wortes, als Analyse also der Bedingungen der Möglichkeit und der Notwendigkeit von Erkenntnis – so mit Kant – und als entsprechende Analyse der Praxis – so mit Marx. ...