Gegen den Untergang - Fragen und Anmerkungen

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Weitere Fragen und Anmerkungen zu Peter Kafka: Gegen den Untergang von LukasGodulla

1) zu Auswahl jeweils bequemer oder profitabler Wahrheiten (S.14): → vgl. dazu Bert Brecht: Wer die Wahrheit nicht kennt und die Unwahrheit sagt, ist ein Dummkopf. Wer aber die Wahrheit kennt und die Unwahrheit sagt, der ist ein Verbrecher. (NB: Für den, der diesen beiden Alternativen entgehen möchte, bleibt also nur das Schweigen! ... oder?)

2) In welchen Bereichen würde/könnte eine einheitliche Theorie ("Weltformel") vermutlich die größten Korrekturen und/oder Anpassungen "unseres (physikalischen) Weltbildes" nötig machen?
→ zur Anregung: Gespräch zwischen Brian Greene, S. James Gates,Jr., Peter Galison, Steven Weinberg, u.a.

3) In welchen Bereichen der (physikalischen) Weltbeschreibung machen die derzeitigen Theorien die meisten Probleme - lassen sich Theorie und Beobachtung am schwersten in Einklang bringen? Bzw. sind die gefundenen Erklärungen am problematischsten etc. ... ?

4) Zu Wiedervereinigung von Geist und Materie (S.44): Ist bestimmt eine lohnende Aufgabe, hier mehr Klarheit und Einsicht zu gewinnen, zumal das dualistische Denken unserem jüdisch-christlichen Erbe auch eigentlich fremd ist. (Die dualistische Denkungsart kam m.W. durch die Vermittlung der Römer (Stw.: "Mänichäismus", dem übrigens auch Augustinus viele Jahre lang anhing) aus Persien (Zarathustra) ins Abendland ...)

5) Wie könnte die abstrus anmutende Vorhersage der Lottozahlen durch David Copperfield mehrere Wochen vor der eigentlichen Ziehung (Sendung: "Wetten daß...?" vom 17.02.2001 und 13.10.2001 ) in diesem Zusammenhang eingeordnet werden?
(→ Wunder ... unerklärliche Einzelphänomene, die weder eine Gesetzmäßigkeit suggerieren, noch mit Naturgesetzen in Konflikt sind. vgl.: Augustinus: Ein Wunder ist nicht gegen die Natur, sondern gegen das, was wir von der Natur wissen.)?

6) psychologische Erklärung für die Beschleunigungskrise:
- Handlung (und sei es nur planloses "Herumwurschteln") läßt sich leichter (vor sich selbst) Rechtfertigen als Nichtstun und Handlungsvermeidung (Frage: Ist das "nur" erlernt - oder liegen dem organische Ursachen zugrunde - oder beides? - oder?):
- Bewegung wirkt irgendwie "ansteckend" (vgl. Experimente mit Fischen, die in Schwärmen leben (Heringe), wobei einem von ihnen wesentliche Teile seines Gehirns amputiert worden waren: Alle folgen sie schließlich dem vermeintlichen "Leitfisch" in seinen wirren, unkoordinierten Bewegungen ...)

7) zu Freiheit des Zufalls (S.99) und Freiheit (S.111): Mir hat sich nicht vollständig erschlossen, welchen Freiheitsbegriff P. Kafka hat (Er wird doch das Fähnchen im Wind; das Schiffchen, das von den Wellen mal hierhin, mal dorthin getragen wird, nicht als frei bezeichnen wollen? )
Freiheit in meinem Verständnis ist vor allem Anspruch, Aufgabe und Berufung für einen Menschen: Jeder Mensch ist als Mensch zur Freiheit begabt, aber er hat sie nicht einfach (von seinem Naturzustand her), sondern muß sie sich in einem (mühsamen) Prozeß erst aneignen und zur Entfaltung bringen. (NB: Auch bloße Auswahlfreiheit (i.S. von (definierten) Wahlmöglichkeiten) - wie heute wohl vor allem gemeint - ist noch lange keine wirkliche Freiheit, sondern bestenfalls ein Anschein / eine Illusion davon! (Zwischen schlechten Alternativen kann mensch keine gute Auswahl treffen!))
In einem allgemeinen Begriff der Freiheit schwingt aber auch schon mit, daß "Freiheit" gefährdet ist, denn ein Mensch kann seine "Freiheit" in einer Weise nutzen, die ihn schließlich unfrei macht. D.h. in diesem falschen Gebrauch der Freiheit wird also wohl schon ein Moment der Unfreiheit gegeben sein, das dann nachher übermächtig wird. ...
Als Hinweis darauf, daß diese Überlegungen nicht bloß aus der "Luft" gegriffene theoretische Spekulationen sind, schlage ich einen Selbstversuch vor: Mensch überlege sich eine einfache (wirklich ganz einfache!!) Übung , die aber einer "liebgewordenen", oder leichtfallenden etc. Verhaltensweise / Reaktionsmuster konträr ist (z.B. eine Beleidigung / Mißachtung stillschweigend hinnehmen / bestimmte Gedanken aufdecken und sich von ihnen distanzieren, wenn sie auftauchen / nicht zornig werden / sich eine "Belohnung" immer mal wieder versagen / versuchen, immer/jederzeit Achtsam und Aufmerksam zu sein / etc. etc. ...) und nehme sich vor, diese Übung über einen längeren Zeitraum hinweg - zumindest bis mensch etwas bemerkt - durchzuhalten. Die Erfahrungen, die mensch dann voraussichtlich machen wird, können so zu einem ersten Fingerzeig werden, worum es hier eigentlich geht ...
→ vgl. auch: 5. Kapitel des Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry

8) zu Adam Smith (S.160): Das ist derjenige, der seiner Wirtschaftstheorie sein verabsolutiertes lieblos-pessimistisches Menschenbild zugrundelegte und dadurch ganze Generationen von Menschen erst wirklich verdarb. - Ähnlich wie Immanuel Kant übrigens, der forderte, daß ein Staat so verfaßt sein müsse, daß darin auch Teufel zu kooperativem, nützlichem Verhalten genötigt würden, ... - ohne freilich zu bedenken, daß durch eine solche Verfassung schließlich auch die schlichtesten Gemüter zu solchen erzogen würden ... → Wer Menschen wie potentielle Teufel betrachtet und behandelt, bringt sie in Gefahr schließlich auch tatsächlich so zu werden! ...)
→ vgl. dazu auch die Studien des Volkswirts Axel Ockenfels, der zeigen konnte (welch Wunder, wer hätte das gedacht ...), daß Menschen im Wirtschaftsleben längst nicht immer nur nach dem eigenen Vorteil streben und als kühl-"rationale" homines oeconomici handeln. Je nach Situation agieren sie nämlich durchaus auch mal fair, kooperativ und altruistisch. Axel Ockenfels ist u.a. Direktor des "Laboratoriums für Experimentelle Wirtschaftsforschung" an der Uni Köln.

9) zu Aufklärung (S.173/174):
Aufklärung ist immer wichtig und notwendig! Genauso wichtig ist aber auch gleichzeitig - schon jetzt - möglichst umfassend gemäß dieser Erkenntnisse zu leben versuchen (entsprechende Wege und Verhaltensweisen im alltäglichen Leben realisieren und ausprobieren)!
→ Wie sagten die alten Lateiner so schön: Verba docent - exempla trahunt ...

10) zu das Wunder von Wörgl (S.180) und Alternativen zu Geld bzw. Geldemission durch jedermann (S.184): Das ist heute schon möglich, wenn mensch (im Rahmen seiner Möglichkeiten - aber immer öfter) z.B. Arbeit gegen "Geld" ablehnt und nur "Zeit"(-Einheiten) ("Zeit ist Geld") oder Naturalien, oder Gegenleistungen als Bezahlung akzeptiert - oder auch einfach mal ganz "umsonst" (um "Gotteslohn" - nicht "ehrenamtlich"!!!) - für ein gemeinnütziges Anliegen arbeitet! Auch kann mensch für "selbstverständlich" angesehene Zumutungen des modernen Lebens - wie Interviews, Meinungsumfragen etc. (spielerisch, mit Chuzpe ...) "Geld" verlangen ("... ein Gespräch kostet bei mir 70,-€/h ...") - Konsequentes Denken und Handeln ist doch immer noch der beste Prüfstein, um herauszufinden, ob eine Sache stimmt - oder nicht ... und/oder herauszufinden wo ein Pferdefuß versteckt ist ...

11) zu geschickte Übergangsstrategien (S.185), Leute, die sich einmischen (S.186) und die Wichtigkeit des eigenen Beitrags (S.190): Das scheint mir sehr wichtig zu sein! Es sollte interessierten Menschen die Möglichkeit gegeben werden, in dieser und für diese Gesellschaft tätig zu werden - ohne sich auf deren herkömmliche, unhinterfragte Geldwirtschaft - ohne Wahlfreiheit - einlassen zu müssen! Warum sollte es nicht möglich sein, solche Freiräume - als Laboratorien für Zukunftsfragen, ökonomische Experimente etc. - wenigstens zuzulassen und vielleicht sogar - sofern das nicht zu viel verlangt ist ... - durch das Zurverfügungstellen leerstehender Räume zu unterstützen (anstatt diese vergammeln zu lassen und schließlich abzureißen)? ...

12) zu Mehrheitsentscheidungen (S.186): "Je mehr Leute es sind, die eine Sache glauben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Ansicht falsch ist. Menschen, die Recht haben, stehen meistens allein." Søren Kierkegaard
→ vgl. dazu auch: 2. Kapitel des Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry.

13) zu Produktion einer Serie (S.188): War nicht der Kinofilm "Good Bye, Lenin" im Jahr 2003 eine Filmproduktion in diesem Sinne? Ich hab den Film nicht gesehen, aber der Artikel von Nils Minkmar im Feuilleton der FAS vom 2. März 2003, Nr. 9, S. 21: "»Good bye, Marktwirtschaft« - Der Erfolg von "Good Bye, Lenin" beweist, daß der Kapitalismus am Ende ist", weist in diese Richtung ...

14) zu Das Schädliche besteuern (S.203): Dazu ist es aber nötig, daß genügend nicht-schädliche Alternativen zur Verfügung stehen, sonst treibt die Sache nur die Kosten der "kleinen" Endverbraucher in die Höhe - und es ändert sich erst einmal positiv überhaupt nichts (was die Akzeptanz in der Bevölkerung dann nicht gerade fördert)!! ....