Gegen den Untergang - Auszüge

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Auszüge aus dem Buch Gegen den Untergang von Peter Kafka

I. Einleitung - Kinderfragen (S.7 ff.)

Weder paßt unser Weltbild mit unseren fundamentalen seelisch-geistigen Bedürfnissen zusammen, noch haben wir die durch das Prinzip der Schöpfung gesetzten Grenzen unserer eigenen Kreativität richtig erkannt. Kein Wunder, daß wir auf gefährliche Abwege geraten sind, daß nun der Weltuntergang zu einem wissenschaftlich faßbaren Phänomen zu werden beginnt, und daß das Schweigen der Mehrheit jederzeit in Angstgeschrei umzukippen droht, wenn Zeichen am Himmel erscheinen. (S.9)

Woran es fehlt, ist ein überzeugendes Weltbild, in dem den Anführern wie den Mitläufern des Fortschritts die eigene Begriffsverwirrung und das Ausbleiben eines längst fälligen Aufklärungsschrittes als tiefere Ursache das menschlichen Versagens deutlich werden, ohne daß daraus Resignation oder Verzweiflung erwüchsen. Ich möchte deshalb versuchen klarzumachen, daß all diese »Zeichen am Himmel« Symptome einer schon im Schöpfungsprinzip angelegten, rational einsehbaren Krise sind, in der weder das Verharren noch wilde Flucht, noch hektisches Umsichschlagen uns irgendwelche Überlebenschancen bieten. Völlig neue Ansätze zur Selbstorganisation der menschlichen Freiheit werden notwendig sein. Vielleicht kann ich klarer machen, wo sie zu suchen und zu finden sein werden. (S.10)

Wenn es den Menschengenerationen, die die bevorstehende Jahrtausendwende erleben, nicht gelingt, jenen noch ausstehenden Fortschritt der Aufklärung zu leisten und weltweit im Bewußtsein zu verankern, so wird der menschliche Geist nicht nur seine bisherigen Werke vernichten, sondern sogar einen wesentlichen Teil seiner biologischen Wurzeln. Und doch bietet die einfache logische Struktur dieses Geschehens die Chance der Einsicht und der Wende: Das Wesen der Krise liegt darin, daß das Große und das Schnelle im Evolutionsprozeß einen Selektionsvorteil haben und daß deshalb die Innovationsgeschwindigkeit und die globale Vereinheitlichung so lange zunehmen, bis das Neue nicht mehr in genügend vielen unabhängigen Versuchen und nicht mehr hinreichend lange ausprobiert werden kann. Deshalb passen die verschiedenen Teile der Wirklichkeit immer weniger zusammen. ... Die logischen Voraussetzungen erfolgreicher evolutionärer Wertschöpfung sind verletzt, seit »Vielfalt und Gemächlichkeit« durch »Einfalt und Raserei« ersetzt wurden. Abbau und schließlich Zusammenbruch der komplexen Ordnung von Biosphäre und Gesellschaft setzen ein.
Wer diesen Zusammenhang verstanden hat, der wird auch einsehen: Der fehlende Schritt in der Selbstorganisation menschlicher Freiheit kann nur darin bestehen, daß wir, sozusagen verfassungsmäßig, alles Schnelle und Große beschränken. (S.11)

Fragen wir also wie die Kinder: Was meinen eigentlich die Wissenschaftler, Wirtschaftsexperten und Politiker, wenn sie von »wissenschaftlicher Wahrheit«, »Wertschöpfung« und »Fortschritt« sprechen? Kann man nicht durch die Auswahl jeweils bequemer oder profitabler Wahrheiten zum Lügner werden? Welche Kriterien haben wir denn, um Wertschöpfung von Wertvernichtung und Fortschritt von Absturz zu unterscheiden? Was bedeutet eigentlich das Wort »Verantwortung«, das uns all die Verantwortlichen als Antwort auf solche Fragen anzubieten pflegen, ohne sagen zu können, was sie damit meinen? Und was haben wir wohl im Sinn, wenn wir angesichts der Untergangssymptome hoffen, die Welt sei doch in Gottes Hand - nachdem wir sie offensichtlich eben erst selbst in die Hand genommen haben? (S.14)

Weltweit wächst die Zahl der Menschen, die aus natürlicher Sensibilität, ohne viel theoretische Bildung, Zerfallserscheinungen in ihrer natürlichen und kulturellen Umgebung wahrnehmen. Sie empfinden, daß die hergebrachten, religiös verankerten Maßstäbe für eigenes wie für gesellschaftliches Handeln zerbröckeln und daß vieles, was sie selbst und ihre Gesellschaft mit dem besten Willen tun, sich wenig später als dumm, als böse, ja als katastrophenträchtig erweist. Natürlich wird versucht, solche Fehler wiedergutzumachen und die durch sie entstandenen Probleme möglichst rasch zu lösen - doch auch bei diesen Versuchen fehlt jeder verbindliche Maßstab. So zeigt sich womöglich bald, daß trotz besten Willens für jedes gelöste Problem zwei oder mehrere neue entstanden sind. Und siehe da: die neuen sind meist größer, wirken globaler und bedürfen noch schnellerer Lösung - ganz wie es dem Wesen der globalen Beschleunigungskrise entspricht. (S.14/15)

Die Weltverbesserung, die mit der abendländischen Fortschrittsidee über die Welt hereinbrach, ließ ja nicht nur die Zahl der Wohlhabenden und deren sogenannten Lebensstandard wachsen, sondern auch die Zahl der Armen und das Ausmaß von Elend und Verwahrlosung. (S.17)

Wenn es uns nächstes Jahr nicht ein paar Prozent bessergeht, geht es uns schlechter! Unsere Weisen predigen uns nach wie vor: Das Maß des Wohlstands ist das Bruttosozialprodukt, auch Wertschöpfung genannt - und dieses Maß muß wachsen. Gleichbleibender Wohlstand ist als Unglück anzusehen!
Was steckt hinter solcher Begriffsverwirrung? Man möchte fast auf Schwachsinn tippen - aber es ist ja die ganze aufgeklärte, wissenschaftlich gebildete Gesellschaft, die diese Idee zu ihrem heiligsten Dogma erhoben hat! Das muß wohl bedeuten, daß tief eingeborene, im biologischen Erbe fixierte, vorbewußte Verhaltensweisen beteiligt sind. (S.18)

II. Untergangssymptome - oder Panikmache? - Zum Stand der globalen Wertschöpfung (S.31 ff.)

Die nächsten beiden Generationen werden darüber entscheiden, ob auf der Erde lebensfähige Entwicklungen wiedergefunden werden oder ob lang bewährte Naturkreisläufe - und damit schließlich auch die Zivilisation - zusammenbrechen! Hierzulande und in all den anderen sogenannten »entwickelten« Ländern lassen sich die Untergangssymptome heute noch leicht beiseite wischen. Uns persönlich geht es ja meist recht gut. Wen, zum Beispiel, betrifft es schon, wie viele Kinder irgendwo auf der Erde verhungern? (S.31)

Zugleich stirbt freilich auch ungefähr stündlich eine lebendige Art auf der Erde aus. Manche Biologen sagen, es seien wohl eher schon zehn pro Stunde ... Jede dieser Arten hat viele Millionen Jahre gebraucht, um sich zu entwickeln! Wir mögen meinen, wenn jede Stunde ein paar davon für immer verschwinden, beträfe uns das nicht sehr, weil wir in unserem alltäglichen Leben nicht auf sie angewiesen seien. Sogar dies könnte aber ein Irrtum sein. Es gibt so viele erstaunlich raffinierte Wechselwirkungen zwischen Arten - und zwischen ihnen und der Umwelt -, und die meisten dieser Zusammenhänge im System des Lebens sind uns unbekannt. Wir entdecken sie meist erst durch überraschende Zusammenbrüche - wie z.B. jetzt gerade beim weltweiten Absterben der großen Korallenriffe. Korallen gehören zu den ältesten Lebewesen unserer Erde. Was mag ihnen fehlen? Oder was mag sie quälen? (S.31/32)

Die Größenordnung der Gefahr wird von maßgeblichen Politikern und Wirtschaftlern, ja sogar von manchen Wissenschaftlern oder Pseudowissenschaftlern noch immer heruntergespielt. Man streitet lieber erst einmal darüber, ob die Natur denn überhaupt »Verfassungsrang« habe - wie etwa die »Freiheit der Wissenschaft« oder die »freie Entfaltung der Persönlichkeit«. (S.34)

Warum ist es aber dann tatsächlich so, daß die technische »Lösung« eines Problems meist mehrere neue Probleme erzeugt? Die neu erzeugten greifen im allgemeinen räumlich weiter aus - d.h. Mensch und Natur sind zunehmend in weltweitem Maßstab betroffen. Und die neuen Probleme sind meist noch drängender, bedürfen also einer noch schnelleren Lösung. Der Zeitrahmen, innerhalb dessen sie gelöst werden müssen, wird immer enger. So nimmt letztlich die Zahl ungelöster, aber weltweit drängender Probleme immer rascher zu, und so geht es immer schneller »bergab« statt »bergauf«. Dies äußert sich unter anderem genau in den angeführten Beispielen: im rasch fortschreitenden Untergang lebendiger Arten, in der Vergiftung von Gewässern, Luft und Böden, in beschleunigter Bodenerosion und Vernichtung von Wäldern und anderen Ökosystemen, in der »Explosion« der Erdbevölkerung und ihrer Ansprüche an die Umwelt - bei gleichzeitig wachsender Ungerechtigkeit und »Verschuldung«! Besonders krasse Anzeichen der globalen Instabilität sind natürlich die Beseitigung der Ozonschicht und schließlich gar der Ruin des irdischen Klimas innerhalb zweier Generationen - wenn sich nicht die menschlichen Aktivitäten grundlegend ändern. (S.38)

Mit Hilfe von genügend Geld lassen sich ganzen Völkern, ja der gesamten Menschheit, die verblüffendsten Süchte und Wahnvorstellungen einpflanzen. Und so fand jeder Fortschritt, auch das schnellere Voranschreiten zum Abgrund, immer wieder Mehrheiten zu seiner politischen Durchsetzung. Ließ sich nicht sogar der Entschluß zum Krieg durch das Schüren von Ängsten und durch Versprechungen von Sicherheit oder Beute immer wieder durchsetzen? Erst jetzt scheint sich die Zeit solcher Erfolge ihrem Ende zu nähern. Immer mehr Bürger hier und überall auf der Welt beginnen zu fragen: Woran liegt es, daß unsere Intelligenz und unsere sonstigen Fähigkeiten derart schnell die Welt ruinieren? (S.39)

III. Das Prinzip der Schöpfung - eine Sache der Weltanschauung?''' - Zur Wiedervereinigung von Geist und Materie (S.40 ff.)

1. Keine Wunder mehr? - Physik und Metaphysik

Erst die moderne Wissenschaft hat uns die Macht zur Zertörung der Erde geliefert; und da die Wissenschaft geradezu definitionsgemäß an nichts anderes als sich selbst glaubt, liegt mir viel daran zu erklären, wie gerade eine konsequent wissenschaftliche Antwort auf solche Fragen uns aus dem wissenschaftlich-technischen Machtrausch befreien wird. Es soll klarwerden, daß die Heilsversprechen der Wissenschaft alles andere als wissenschaftlich haltbar sind. (S.40)

Ziel neuen Denkens muß es also sein, aus tieferer und dennoch allgemein vermittelbarer Einsicht in die Natur der Welt und des Menschen überzeugende Leitlinien für die Auswahl des »Machbaren« zu finden. Dieses ganz praktisch bedingte Suchen nach Möglichkeiten der Selbstbeschränkung menschlicher Kreativität durch eine »Ethik aus der Wissenschaft« soll uns in diesem Buch vor allem beschäftigen. Dahinter zeichnet sich freilich eine noch weitergehende Hoffnung ab: Könnte uns nicht sogar eine Aufklärung oder gar Aufhebung der Widersprüche zwischen Materialisten, Idealisten, Spiritualisten und allerlei anderen Ideologen gelingen? Sozusagen eine Wiedervereinigung von Geist und Materie? (S.44)

Nicht aus Anmaßung, sondern eher aus Bescheidenheit versuche ich dies hier also aus der »schulwissenschaftlich rationalen« Erfahrungswelt heraus. Die erwartete »Jahrtausendwende« soll weder als einfache Rückwendung zu alten Bildern verstanden werden noch gar als Wende zu jenem »New Age«, in dem viele ihre Entscheidungen mit Hilfe allerlei okkulter Mächte glauben treffen zu können. Vielmehr soll die Wissenschaft selbst, aus Einsicht in das Wesen allen raum-zeitlichen Geschehens, ihre Rolle als das moderne »Opium fürs Volk« erkennen und aus eigener Kraft sogar mit dem Aberglauben an ihre eigenen Möglichkeiten aufräumen. Es geht also um ein »Recycling der Aufklärung«, und nicht etwa darum, die Aufklärung auf den Müll der Geschichte zu werfen. ... Allerdings ist hier sogleich eine Warnung vor Mißverständnissen am Platze. Es geht nicht darum, die Religion oder die Theologie in ähnlicher Manier zu einem Teil der Physik zu machen, wie dies der amerikanische Physiker Frank J. Tippler in seinem Buch »Die Physik der Unsterblichkeit« verspricht. (S.48)

VIII. Die Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus - Die Idee des Eigentums an Lebensgrundlagen (S.156 ff.)

Wirtschaftler und Politiker müssen also endlich begreifen, daß sie es nicht mit Naturgesetzen sog. »Gesetze des Marktes«, des klassischen »Materialismus« und des »Sozialdarwinismus« zu tun haben, sondern mit der Logik; daß die Logik der Selbstorganisation in der Krise auf einem endlichen Planeten die Schaffung räumlicher und zeitlicher Beschränkungen des freien Marktes erfordert; und daß der entsprechende kreative Prozeß nicht unter den gegenwärtigen ideologischen Randbedingungen irgendwie »von selbst« im Wirtschaftsgeschehen ablaufen kann, sondern nur durch bewußte Erkenntnisarbeit und anschließende planvolle Verwirklichung neuer Randbedingungen. (S.158)

... eine Art von hochintelligenten, egoistischen Tieren kann nach dem Erreichen der globalen Skala in der Tat nicht lange lebensfähig sein - ... Wir sind, wie man sagt, »zu Höherem berufen« - und die Geistes- und Kulturgeschichte zeigt, wie viele höhere Möglichkeiten uns erreichbar sind ... (S.159)

Zwei falsche Annahme unseres Wirtschaftssystems: (1) Die Idee, es gebe ein Naturrecht auf Einkommen aus Eigentum. (S.156/157) und (2) die Bezeichnung sowohl der positiven wie der negativen (die Kosten der Zerstörung) Anteile des Bruttosozialprodukts als "Wertschöpfung" (S. 157,160/161).

Zwar hat schon Adam Smith, der Großvater des Liberalismus, der den erfolgreichen Selbstorganisationsprozeß im Zusammenwirken aller wirtschaftlichen Einzelinteressen mit dem Bilde der »unsichtbaren Hand« beschrieb, durchaus eingesehen, daß die Gesellschaft durch politische Organisation auch dem Wirken dieser unsichtbaren Hand gewisse Randbedingungen vorgeben muß, aber es gab bis heute kaum wohlbegründete, allgemein akzeptierte Kriterien, um sich darüber zu einigen und zu entscheiden, wo ganz konkrete Selbstbeschränkung notwendig wäre. Nicht einmal das geltende Kartellrecht wird ja durchgesetzt, weil sich selbstverständlich im Einzelfall praktisch immer nachweisen läßt, daß das Größere größere »Wachstumsimpulse« bringt, und weil ebendiese als das höchste gesellschaftliche Heil gelten. Und obwohl inzwischen sogar schon das Statistische Bundesamt sich bemüht auszurechnen, welcher Anteil des Bruttosozialprodukts eigentlich nicht positiv, sondern negativ zu zählen wäre, ja obwohl absehbar ist, daß bald der überwiegende Teil mit einem Minuszeichen zu versehen wäre, wird doch dieses Sozialprodukt weiterhin als »Wertschöpfung« betrachtet und definiert deshalb das »Wachstumsziel« der Gesellschaft. Ist der Gebrauch des Wortes »Wertschöpfung« eine verzeihliche sprachliche Nachlässigkeit oder Ausdruck der tief verwurzelten Geisteskrankheit, der wir hier auf die Spur kommen wollen? (S.160)

Die Ersetzung des Erobererdiktats durch das Diktat der "terms of trade" wiederholte ja, nun auf größerer Skala, die Abschaffung der Sklaverei - und deren Ersetzung durch raffiniertere Formen der Ausbeutung: Das altmodische Eigentum an Menschen konnte durch die rasch fortschreitende kapitalistische Organisation der Gesellschaft überwunden werden, weil für die Reichen und Herrschenden gar kein Verlust eintrat. Sie konnten sich ja nun statt der Menschen deren Lebensgrundlagen aneignen. Die Diener gehörten ihnen zwar nicht mehr, aber diese mußten nun »das Kapital bedienen«. Das erscheint als viel moralischer und natürlich viel rationeller. Wer leben und gar Kinder großziehen will, braucht Essen und Wohnung und auch sonst allerlei. Und wann immer ein Mensch etwas braucht, wächst bei einem anderen dadurch das Kapital. Wer sich also Lebensgrundlagen anderer Menschen aneignen kann, für den werden diese zu lauter Goldeseln. Das Kapital wächst an - ohne jedes eigene Zutun -, und mit dem Zuwachs kann sich der Eigentümer Lebensgrundlagen von noch mehr Menschen aneignen. ...
Nicht Armeen von Millionen Soldaten müssen sich für diese Eroberungsfeldzüge noch bewegen - nur die Finanzmilliarden schwappen um den Globus - dorthin, wo noch Lebensgrundlagen von Völkern oder Quellen von Suchtmitteln zu ergattern sind. Wenn ich mich recht erinnere, bewegt sich in diesem Raubzug täglich eine Spekulationsmasse von über hundert Mark pro Erdbewohner - also bald eine Billion pro Tag auf der Suche nach Beute! Und die ärmeren Länder »schulden« den reicheren ein Vielfaches von dem, was sie je von diesen als Kredit erhalten haben - obwohl sie obendrein all ihre Ressourcen von ihnen ausplündern lassen mußten - und müssen! ... (S.161/162)

Kommt der Pferdefuß zum Vorschein? Wovon kriegen denn alle mehr? Wo stammt es her? Was ist das alles wert, wenn dabei die Wurzeln der Gesellschaften und nun gar die Wurzeln der Biosphäre zugrunde gehen? Es zeigt sich: Weil das Kapital sich in zehn Jahren verdoppeln oder doch wenigstens in einem Menschenalter sich verdreißigfachen soll, kann es nicht Maßstab für lebensfähige Werte sein! Seine Wachstumsgeschwindigkeit ist (trotz der durch diese Idee erzwungenen Inflation des Geldes) bei weitem überkritisch! ... Und doch muß praktisch jeder, der leben will, dieses Kapital weiter bedienen - weil es sich ja alle Lebensgrundlagen angeeignet hat. Wer leben will, wer Kinder hat, der muß mithelfen, die Erde zu ruinieren. Er braucht ja einen Arbeitgeber, der ihm einen Arbeitsplatz bietet, von dem aus dessen Kapital bedient wird ... (S.164/165)

Können wir diese falsche Leitvorstellung nun aus dem Wirrwarr der Ideen herausarbeiten und klar benennen? ... Es ist die Idee des unbegrenzten Einkommens aus Eigentum! Wenn es gelänge, die Sklaverei wirklich abzuschaffen, wenn nämlich nicht nur der Besitz von Menschen, sondern auch das Eigentum an menschlichen Lebensgrundlagen unmöglich wäre, oder jedenfalls keinen Profit abwürfe, dann würden sogar die Geleise selbst verschwinden. Alle müßten aussteigen und nach neuen Wegen suchen - in einer weiten, fruchtbaren Landschaft. (S.166)

Kann man allen Ernstes noch glauben, es gebe nur zwei mögliche Weltgeschichten - und die eine führe in die Hölle, die andere in den Himmel? Habe ich kein reicheres Bild vom Raum der Möglichkeiten, vom Reich der Ideen, vermitteln können? Um ihre Phantasie ein wenig anzuregen, möchte ich an eine hundert Jahre alte Idee erinnern: Silvio Gesell, der angesichts von Wirtschaftskrisen und Kriegsvorbereitungen über die Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus nachdachte und deshalb von Kapitalisten und Marxisten gleichermaßen zum Spinner erklärt wurde, schlug damals vor, das Eigentum an Grund und Boden einfach dadurch zu neutralisieren, daß das hieraus erzielte Einkommen - also die sogenannte Bodenrente - abgeschöpft und jedes Jahr für die Kinder des ganzen Landes ausgeschüttet würde. ... Verhinderung der Aneignung gemeinsamer Lebensgrundlagen! ... Land ist nicht produzierbar und müßte daher unverkäuflich sein. ... (S.167)

Macht einen das nicht neugierig, ob wir nicht mit etwas mehr Kreativität auch für andere Formen der Kapitalrendite attraktive neue Ideen finden können? Es fehlt uns doch nicht nur an Kindergartenplätzen und besseren Schulen - wir können es uns doch bekanntlich heute auch nicht leisten, unsere Alten zu pflegen, ganz zu schweigen von der nötigen Pflege der Reste von Natur und Kultur auf der ganzen Erde, die von unserem Kapital noch immer weiter ausgebeutet werden. Also hören wir doch wenigstens in der Phantasie einmal für einen Moment auf, den Mammon anzubeten - und stellen wir uns die Selbstorganisation des freien Marktes und anderer Bereiche unserer Freiheit ohne die Zwänge des Kapitalwachstums vor. ... Die Macht des großen Geldes würde mehr und mehr verdrängt, und in den entstandenen Freiräumen wüchsen vielfältige kleine Initiativen. Es gäbe nicht weniger Unternehmer, sondern mehr! ... (S.168/169ff)

Wozu das Geld eigentlich da ist. Das sind ja heute zwei ganz verschiedene Zwecke: Einmal dient es doch dazu, den Austausch von Waren und Dienstleistungen zu vermitteln ... Das ist offenbar die vernünftige Seite des Geldes, und daran will wohl niemand rütteln. Aber da kommt nun eben jener andere Zweck des Geldes hinzu: Man hat die Gesellschaft so einrichten können, daß das Geld seinen Eigentümer ohne dessen weiteres Zutun immer reicher werden läßt! ... Und diese merkwürdige zweite Eigenschaft des Geldes paßt offenbar mit der ersten - also seiner Tauschfunktion - nicht so recht zusammen ... Womit eigentlich das Kapital diese Behandlung verdient, ist einer der ältesten Streitpunkte der Diskussion über Wirtschaft und Geldwesen - dokumentiert seit Moses. ...
Grundstein einer neuen Wirtschaftsordnung wird die Erkenntnis sein, daß die wesentliche Front des Fortschritts in den Köpfen und Herzen gleicher, freier, brüderlicher Menschen liegt - und daß »die Wirtschaft« nur dazu dienen darf, allen Menschen die Lebensgrundlagen hierfür zu sichern. Unsere hergebrachte Wirtschaftstheorie klammert sich noch immer an die Ideen der alten Sklavenhaltergesellschaften: Das Eigentum einer Minderheit an den Lebensgrundlagen der Mehrheit gilt als heilig. (S.171-173)

Erfolgreiche Selbstorganisation der menschlichen Freiheit setzt voraus, daß viele Menschen diesen unendlich komplexen Rand des Chaos gesehen und die Natur des simplen, direkt hineinführenden Attraktors der »modernen Gesellschaft« erkannt haben. Daran also müssen wir zunächst arbeiten: Sehen helfen - das heißt Aufklärung. ... der Mehrheit die Augen öffnen, den Nebel vertreiben und sie schließlich auf andere Ideen bringen ...! (S.173/174)

Es gibt noch viel nachzudenken und auszuprobieren. Ideen über die Beschränkung des Eigentums an Lebensgrundlagen, oder jedenfalls des Einkommens daraus, müssen ja zunächst einmal in der ganzen Gesellschaft gründlich neu diskutiert werden. Was Moses oder Mohammed dazu lehrten, was Silvio Gesell vor hundert Jahren dazu dachte, was eine Generation später sogar der angesehene Wirtschaftstheoretiker John Maynard Keynes bedenkenswert fand und wieder mehr als eine Generation später zum Beispiel der erstaunlich klar denkende Verfassungsrechtler Dieter Suhr - das reicht nicht aus, um uns etwa in Not und Eile per Mehrheitsbeschluß ein neues Wirtschaftssystem überstülpen zu lassen. Aber die Richtung, in der man im Raum der Möglichkeiten suchen muß, scheint mir nun ... klar vorgezeichnet: Wir müssen eine Reduktionsstrategie für das Einkommen aus Eigentum entwickeln. Dazu wird vor allem die Beschränkung des Eigentums an den knappen Lebensgrundlagen Land und Geld gehören, also ein neues Bodenrecht und die Beseitigung des Zinses durch Einführung von »alterndem Geld«. Aber auch das Thema von Dieter Suhrs letztem gedrucktem Aufsatz wird eine wichtige Rolle spielen müssen: die »transferrechtliche Ausbeutung« der Familien mit Kindern durch die Kinderlosen und durch das Kapital. ... (S.174/175)

Der Waffenhandel ist ja ein blühender Zweig der Weltwirtschaft! Ein heute besonders bedrohliches Problem ist daher weltweit die Bewaffnung von Räuberbanden - von Straßenjungen über Terroristengruppen bis zu ganzen Volksarmeen. ... Ich muß immer wieder daran erinnern, daß während der zwei Sekunden, in denen auf der Erde soeben wieder ein Kind verhungert, etwa hunderttausend Mark für Rüstung ausgegeben werden. Auch das ist letztlich »Bedienung des Kapitals«. Vernichtung von Lebensgrundlagen ist ähnlich profitabel wie deren Aneignung. ... Der für unsere Krise typische, absurde Charakter des »Wachstums« wird am Beispiel des Waffenhandels zwar besonders deutlich, aber ich zweifle, ob das Endergebnis für die meisten von uns, die wir »ganz normalen« Tätigkeiten nachgehen, viel besser ausfiele (S.176)

IX. Standort Deutschland - Geld und Freiheit: Wer steht? Wer liegt? (S.177 ff.)

Selbstverständlich ist der »Standort Deutschland« erledigt, wenn hier die Mehrheit nicht mehr bereit ist, Ansammlung und Bedienung des Kapitals als wesentliche Lebensaufgabe anzusehen. Das Kapital würde das Land verlassen, solange es noch irgendwelche »Standorte« auf der Erde findet, wo es bedient wird. Vielleicht müßten also für eine Übergangszeit gesetzliche Beschränkungen für die Ausfuhr von Produktionsanlagen und gewissen anderen mobilen Werten gefunden werden. Aber »das Geld« dürfte ruhig gehen. Das neue Geld, das dafür käme, dürfte kaum die Tendenz zur »Kapitalflucht« haben. Es würde vielmehr rasch innerhalb des Landes umlaufen und hier reiche unternehmerische Tätigkeit ohne übertriebenen Unternehmerreichtum vermitteln. »Die Wirtschaft« und »das Geldwesen« würden keineswegs zusammenbrechen, sondern, im Gegenteil, ungeahnten Aufschwung nehmen - freilich ohne die meisten der heute vorherrschenden zerstörerischen Folgen. Das neue Geld wäre ja im heutigen Sinne »billig«: Wer von einem anderen etwas leiht, zahlt es am Ende der Kreditvertragsdauer zum Nennwert zurück! ... Heute ist ja das Kapital, das sich Land und langlebige knappe Güter angeeignet hat, an inflationärer Geldentwertung interessiert. Es bietet sich hier doch neben der normalen Kapitalbedienung ein weiterer Weg zur Umverteilung von den »kleinen Sparern« zu den wirklich Wohlhabenden an! ... In Ländern mit höherer Inflationsrate gelingt die saubere Erhaltung der Klassentrennung meist besser. Wie absurd dies zunächst klingen mag: Ohne diese Art des Inflationsdrucks könnte die Notenbank gerade mit dem »Schwundgeld«, dem »rostenden Geld«, eine wirkliche Wertstabilität des gesparten Geldes schaffen! Dies ist dann nämlich keine unlösbare politische Aufgabe mehr, sondern nur eine umfangreiche Rechenaufgabe: die Anpassung der umlaufenden Geldmenge an die gesamte Wirtschaftstätigkeit, die sich unter den Randbedingungen ökologisch und sozial ausgerichteter Steuergesetze gemächlich entwickeln würde. Der eigentliche Sinn des Sparens - etwas für später aufzuheben, was man im Moment nicht verbrauchen muß - bliebe also erhalten, und zwar selbstverständlich besser, als beim Aufsparen von verderblichen Gütern. ... Das Geld behielte also sehr wohl seine wesentlichen althergebrachten Funktionen - nur die »Goldeselfunktion« verschwände, die man heute als »Liquiditätsvorteil des Geldes« bezeichnet und für eine »natürliche« Eigenschaft des Geldes hält. (S.177-179)

Nirgends geschieht etwas in dieser Richtung! Die wenigen Experimente, die in der Weltwirtschaftskrise vor sechzig Jahren gemacht wurden, müßten eigentlich die Suche in diese Richtung ermutigen - aber kein Student der Volkswirtschaft hört auch nur davon. Wer kennt das »Wunder von Wörgl«? In dieser Kleinstadt am Inn hatte man allerlei öffentliche Projekte geplant ... Aber plötzlich war kein Geld mehr da, und die Menschen wurden arbeitslos. Die große Weltwirtschaftskrise zu Anfang der dreißiger Jahre war hereingebrochen! Der dortige Bürgermeister hatte aber einmal etwas von Silvio Gesell gelesen und verstanden. ... Wer die Geschichte nicht kennt, sollte nun innehalten und zu raten versuchen, was wohl damals in Wörgl weiter geschah ... Es entstand eine kleine Wirtschaftsblüte mitten in der Weltwirtschaftskrise! ... Sogar Abordnungen von Wirtschaftsexperten aus amerikanischen Bundesstaaten studierten das seltsame Phänomen und hätten es fast erreicht, daß ihre eigenen Staaten sich ähnlichen Experimenten zugewandt hätten. Aber da fiel den Experten in Washington doch noch Besseres ein - das war Roosevelts »New Deal« -, und auch in Wien war man aufmerksam geworden und verbot den offensichtlichen Verstoß gegen die staatliche Finanzhoheit. Aus der Traum. Hitler kam. Und der Krieg. (S.180/181)

Heute, das heißt innerhalb der nächsten Generation, muß die »Macht der Reichen« abdanken - aber die Herrscher werden dabei nichts verlieren außer der Macht, auf die sie ja wohl zum Überleben und zu ihrem Glück nicht angewiesen sind. Irgendwo muß es beginnen. ... Ich glaube, nur ein relativ hochentwickeltes Land, in dessen Kultur auch früher schon viel über Natur und Gesellschaft nachgedacht wurde, hat eine Chance, aus eigener Kraft ... neue, lebensfähigere Ideen aufzugreifen. Wenn es erst einmal Beispiele gibt, dann wird es innerhalb von zwei Generationen auch zu schaffen sein, daß auf der ganzen Erde aus eigener Kraft Freiheit und Menschenwürde verwirklicht werden. (S.182)

Kürzlich wollte der deutsche Finanzminister die Leute verhöhnen, die noch immer Widerstand gegen Maastricht leisten. »Europa ist nichts für Kleinkrämer«, fiel ihm dazu ein. Welch wahres Wort! Europa soll zum Reich der Großkrämer werden. Besser kann man die Hintergründe der Verträge kaum zusammenfassen. (S.184)

Daß ich mich bei der Skizzierung ungewohnter Möglichkeiten auf die Idee eines »neutralen Geldes« mit staatlich kontrollierter Umlaufgeschwindigkeit konzentriert habe, bedeutet nicht, daß es nicht auch andere interessante Denkansätze gäbe. Zum Beispiel ist sogar die Möglichkeit einer völligen Freigabe der »Geldemission durch jedermann« von Außenseitern der Wirtschaftstheorie als Mittel gegen Ausbeutung und Wirtschaftslähmung durch knappes Geld diskutiert worden. Sogar der sonst sehr konservativ denkende Nobelpreisträger Friedrich Hayek dachte in diese Richtung. In der gesamten wissenschaftlichen Literatur besteht allerdings die Neigung, jede auf Reform des Geldwesens zielende Idee als Zeichen von mangelnder wissenschaftlicher Qualifikation anzusehen, oder - falls solche Gedanken etwa einem geachteten Wissenschaftler in den Sinn kommen - als Skurrilität und Zeichen beginnender seniler Demenz. ... der Kern der hier kurz skizzierten »Kapitalismuskritik« ist unerschütterlich: Die Idee das Einkommens aus Eigentum wird in der globalen Beschleunigungskrise lebensunfähig. Dies ist logisch einsehbar und entgegen der immer lächerlicher wirkenden Meinungsmache in mehr und mehr Bereichen der Wirklichkeit direkt abzulesen. Deshalb wird nun trotz der noch anhaltenden Trends ein Umkippen der hergebrachten Ideologie wahrscheinlich. (S.185)

Was ich hier übers Geld sagte, sollte Hoffnung machen, daß es trotz der heutigen Hilflosigkeit der Experten gegenüber den Untergangsphänomenen noch Chancen gibt, aus den eingefahrenen Geleisen herauszukommen, ohne daß schreckliche Umsturzerscheinungen damit verbunden wären. Auf einer neuen gedanklichen Grundlage kann man nämlich die Kunst entwickeln, durch geschickte Übergangsstrategien die alten Attraktoren allmählich unattraktiver und die neuen attraktiver erscheinen zu lassen. Dann wird man hoffentlich das Chaos früherer Revolutionen vermeiden können - so daß nicht plötzlich alle Wohlhabenden ins Elend stürzen oder gar Köpfe rollen müssen. (S.185)

Es muß Leute geben, die sich einmischen, ohne nach Geld oder Ruhm zu streben. Erfolgversprechende Selbstorganisation der Gesellschaft ist gerade nahe dem kritischen Punkt der Evolution nur möglich, wenn die besten Köpfe um die besten Idee streiten - und nicht die Armen und die Reichen ums Geld. Und ganz sicher darf die Diskussion über Werte nicht mit dem Hinweis auf Einschaltquoten beendet werden. Demokratie bedeutet doch nicht, daß die Mehrheit wahrscheinlich recht hätte. Selbstverständlich hat sie zunächst meistens unrecht. Es geht also darum, verfassungsmäßige Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die Mehrheit nicht so leicht Katastrophen auslösen kann. Die Akzeptanz bei der Mehrheit muß zwar letztlich entscheiden - aber sie kann nicht am Anfang stehen. (S.186)

Die nahe Verwandtschaft von Sauberkeit, Zärtlichkeit und Grausamkeit ist im Menschen tief angelegt. Verhindern können wir aber, daß dies für die Steigerung der Einschaltquoten bei Werbesendungen ausgebeutet wird. - Wo ist die Macht über das Geld, die das verhindern könnte? ... Wenn wir uns doch eigentlich alle einig sind, daß fast alle Werbung Lüge ist - nämlich eine gezielte Auswahl von Wahrheiten und um so gerissener, je teurer sie ist -, warum sollten wir uns dann nicht darauf einigen können, künftig Werbung zu besteuern, statt sie sogar noch von der Steuer freizustellen? (S.186/187)

Und deshalb werden die neuen Ideen, wenn überhaupt, nur über die jetzigen Medien eine Mehrheit gewinnen können. Diese spielen ja nun bald eine größere Rolle als die Familien und unser gesamtes Erziehungs- und Bildungssystem. ... ich möchte hiermit die Produktion einer Serie vorschlagen, in der unsere Gesellschaft nach der Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus ganz realistisch dargestellt wird - so als gäbe es dies schon. Spannend! Standort Deutschland könnte sie heißen - vielleicht mit dem Untertitel Jahrtausendwende. (S.188)

Ist der Mensch ohne wirtschaftliche Ausbeutung zu keinen größeren Unternehmungen zu bewegen? Ich weiß, daß solche krausen Gedanken in vielen Köpfen unserer »Eliten« spuken. Genau dort ist ja der »Größen«-Wahn am festesten verankert. Auch hier ein Trost: Für Ehrgeiz und Jagd nach Ansehen wird auch in der neuen Gesellschaft genug Platz sein. Wer gern mehr erwirtschaftet, als er braucht, kann ja die Künste fördern oder Kirchen bauen - und natürlich schönere Häuser - und dafür zu hohen Ehren und Denkmälern kommen. Schauen wir nur die Dome aus der Zeit an, als das Geld unbeständig war! Und die Stadtbilder! (S.188/189)

Schon die großen Eroberer der letzten Jahrtausende unternahmen Anläufe, die Beschleunigungskrise endlich global manifest werden zu lassen - wenn sie es auch mangels hinreichender technischer Entwicklung noch nicht ganz schaffen konnten. Die Wissenschaft war noch nicht weit genug. Der letzte deutsche Anlauf, in den gerade meine Kindheit fiel, muß uns als besonders teuflisch erscheinen, weil die staatlich organisierte Grausamkeit bei der Vernichtung ganzer Völker mit modernen Mitteln einen Höhepunkt erreichte. ... Auch deshalb hoffe ich, daß wir etwas zu Wende, zum »Notwendigen«, beitragen werden. Die Wahrnehmung, daß fast alle unsere »führenden Leute« sich damals nicht zu rechtzeitigem, wirksamem Widerstand berufen fühlten, hat sicherlich auch zu dem beigetragen, was hier als mein »Sendungsbewußtsein« empfunden werden mag. (S.189)

Wir haben nun verstanden, daß die wirtschaftliche Eroberung der Erde durch unser Kapital mit unseren wissenschaftlich-technischen Mitteln ein den großen Eroberungszügen logisch verwandtes, ähnlich teuflisches Phänomen ist, mit ähnlich grausamen Folgen für letztlich alle Völker und für die ganze irdische Biosphäre. Doch nun kann die Fehlentwicklung nicht mehr von außen niedergerungen werden. Sie hat den Globus erobert und ist nur noch von innen, aus uns selbst heraus, zu überwinden. Der Höhepunkt der Krise steht unmittelbar bevor. In einem Menschenalter wird sie durchlitten und entschieden sein. Ein Abwarten des Kollapses oder ein Warten auf Wunder könnten den endgültigen Untergang des menschlichen Geistes auf der Erde bedeuten. Und die Entscheidung fällt nun nicht mehr in Schlachten oder im Börsengetümmel, sondern in der geistigen Arbeit an den Fehlstellen in unseren Leitideen. Niemand sollte die Wichtigkeit des eigenen Beitrags unterschätzen. Wer sein eigenes Handeln angesichts unserer Lage als falsch erkennt, aber noch ganz gut davon lebt, pflegt sich vor seinem Gewissen zu rechtfertigen, indem er sagt: »Wenn ich etwas nicht mehr tue, dann tut es eben jemand anders.« Sollten sich nicht mehr von uns fragen, ob sie etwas tun könnten, was kein anderer tut? Nur so können doch, während fast alle den sogenannten Sachzwängen folgen, neue, lebensfähigere Ideen für die Selbstorganisation unserer Freiheit gefunden werden und in der Wirklichkeit keimen. (S.190)


X. Aufstandsort Deutschland ...? - Wo fängt es an? (S.191 ff.)

Wir sind beim letzten Kapitel. Ich hatte mich nicht entscheiden können, ob ich mehr über die Grundgesetze und die Herkunft der Materie rede oder über die attraktiven Gestalten im Raum der Möglichkeiten, denen sie zustrebt, oder über deren höchste bisher erreichte Verwirklichung: den Menschen ... Es war wohl alles der Rede wert, ...
Alle Sensiblen spüren es - und »sensibel« nenne ich hier jene, in denen noch ein Tasten an der dem Menschen gemäßen Front im Raum der Möglichkeiten, in der geistigen Welt stattfindet. Noch empfinden sie fast alle ein Gefühl tiefer Hoffnungslosigkeit, weil die in der Masse und vor deren Medien unterzugehen glauben. Aber die Hitze, die durch die zunehmende Reibung in den Fehlstellen unserer Gesellschaft entsteht, erzeugt in immer mehr Köpfen ein Brodeln. Bei uns muß dieses nicht in chaotischem Umsichschlagen enden. Trotz soviel gegenteiligen Augenscheins eröffnet sich gerade bei uns die Chance, daß Einsichtige aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu »Meinungsführern« werden und sich in öffentlicher Diskussion auf schließlich auch »mehrheitsfähige« bessere Ideen einigen. Daß eine Wende in den Leitideen gesellschaftlicher Organisation möglich ist, wird angesichts der unermeßlichen Menge möglicher Gestalten niemand mehr bestreiten; aber ist es wahrscheinlich? Daß es gerade in Deutschland angesichts der zunehmenden Untergangssymptome in der Tat nicht völlig unwahrscheinlich ist, hat etwas mit der politischen und kulturellen Geschichte dieses Landes zu tun.
Vor allem vier Bereiche sind es, in denen der Zusammenbruch der alten Antwortmuster zunehmend sichtbar wird und in denen die deutsche Situation mehr Hoffnung auf neue Ansätze erlaubt als die Lage in vielen anderen Gegenden der Welt. Es sind dies: (1) der Bereich der geistigen Grundlagen, vom Wahrheitsanspruch dogmatischer Religionen bis zur Weltverbesserungsideologie der Wissenschaftler, (2) die Bedrohung der eigenen Umwelt und der ganzen Biosphäre, (3) die Organisation des Friedens und (4) die Organisation der Arbeit und des Einkommens. (S.191-193)

1. ... Wir sind eines der Mutterländer der Aufklärung, und es gibt hier eine Chance, in wesentlichen Teilen der Gesellschaft die »Emanzipation von der Wahrheit« zu erreichen, die notwendig ist, um bis zu den einzig möglichen Wahrheiten vorzustoßen, die ich logische Selbstverständlichkeiten oder »Tautologien« nannte. ...
Der religiöse Fundamentalismus, der diesem Schritt entgegensteht, spielt bei uns kaum noch eine Rolle, doch ist in vielen gebildeten Köpfen und in der Praxis der Herrschenden ein »wissenschaftlicher Fundamentalismus« an seine Stelle getreten: Wie man seinerzeit stets Priester fand, die die Waffen für den gerechten Krieg segneten, so findet man heute wissenschaftliche Gutachter für alles, was man gern täte, aber selbst nicht verantworten könnte. Im englischen Sprachraum hat sich die Aufklärung noch stärker als bei uns den Blick in die Tiefe mit dem Dunst des neuen »Opiums für das Volk«, nämlich der »exakten Wissenschaft«, vernebeln lassen: Es gilt nur, was von der Wissenschaft errechnet oder erbastelt werden kann - und damit ist jede Diskussion über Werte rasch vom Tisch. Das Wort »value judgement« hat einen obszönen Klang. Natürlich weiß jeder, daß man irgendwie auf Werte angewiesen ist - aber dafür gibt es ja das Geld. ... Eine Ausnahme gibt es in den USA: die »Union of Concerned Scientists« ..., die einen kaum zu überschätzenden Einfluß auf manche vernünftige politische Entwicklung in den Bereichen der Abrüstung und Schadstoffbegrenzung hat. Es gelang hier, die Irrationalität vieler Projekte - vom zivilen Überschallflugzeug bis zum SDI-Programm - rechnerisch überzeugend nachzuweisen. In Deutschland finden sich viel seltener Wissenschaftler, die eine solche, »von oben« meist ungern gesehene und kaum »gelohnte« Arbeit auf sich nehmen und mit so viel Einsatz durchziehen würden. (S.194/195)

Gerade diese Borniertheit hat aber auch dazu beigetragen, daß der Nimbus der etablierten Wissenschaft nicht nur in der Bevölkerung, sondern sogar bei nachwachsenden Wissenschaftlern schwindet. Die Beschränktheit des Urteils von Experten, ja zuweilen ihre Dummheit und sogar ihre Käuflichkeit sind zu offensichtlich geworden. ... Die Einsicht, die sich aus dem Verständnis der Beschleunigungskrise ergibt, nämlich daß die Wissenschaft aus logischen, also »vorwissenschaftlichen« Gründen selbst mithelfen muß, ihrer Anwendung Schranken zu setzen, dürfte sich daher in Deutschland rascher durchsetzen als im angelsächsischen Raum. Dort erscheint genau diese Möglichkeit noch als lächerlich, ja, als antiaufklärerischer Mystizismus und als eine gefährliche deutsche Marotte. (S.195/196)

Daraus wird sich dann zwangsläufig die Emanzipation auch vom Aberglauben an die unbeschränkte Problemlösefähigkeit von Wissenschaft und Technik ergeben - und daraus wiederum, ebenso zwangsläufig, die Mitarbeit vieler der begabtesten Wissenschaftler an der nun bevorstehenden Organisation der »Grenzen des Wachstums«. (S.196)

2. Die Bedrohung der Umwelt und der ganzen Biosphäre wird in wenigen Ländern bereits von einem so großen Teil der Bevölkerung wahrgenommen wie bei uns. Die angeblich »sentimentale« Liebe der Deutschen zu ihrem Wald ist nicht eine Ursache hierfür, sondern selbst nur Ausdruck einer tiefen Verwurzelung unserer Kultur in ihren Ursprüngen. ... Wenn bei uns das »Umweltbewußtsein« weiter entwickelt ist, als bei vielen anderen Völkern, so liegt das aber nicht nur an den sprachlichen Wurzeln, die uns vielleicht ein bißchen Verwandtschaft zu den »Indianern« (als Vertretern aller »Naturvölker«) bewahrt haben. Es hat vor allem auch damit zu tun, daß in großen Teilen Deutschlands, wo die höchste Bevölkerungsdichte mit der stärksten Industrialisierung zusammenfiel, die Natur für jedermann sichtbar zusammenzubrechen begann. Die entsprechenden Zentren in England und Schottland litten schon unter gesellschaftlichem Strukturwandel, bevor die Natur »entdeckt« wurde - und der Wind wehte ohnehin den meisten Schwefel nach Skandinavien, wo deshalb Wälder und Seen starben. Außerdem hatte in der tonangebenden Klasse fast jeder seinen Landsitz in einer Parklandschaft, und die »Unterklasse« fiel (oder blieb) so tief, daß die Menschen hier, wie in »unterentwickelten Ländern«, im Kampf um die eigene Existenz nicht auch noch an die Umwelt denken konnten. (S.198)

3. Ähnliches gilt für die »Organisation des Friedens«. Die vor allem selbstverschuldeten Katastrophen der deutschen Geschichte haben unauslöschliche Spuren im Bewußtsein hinterlassen. ... Wenn verstanden ist, warum »das Große und Schnelle« den logischen Voraussetzungen erfolgreicher Selbstorganisation widerspricht, wird die Großmachtidee aus der Welt verschwinden. Die einzelnen Staaten werden keine eigenen Streitkräfte mehr unterhalten, wohl aber gemeinsam regionale bewaffnete Verbände, die dann Konflikte zwischen Nachbarn mit relativ wenig Aufwand verhindern können. Sie müssen natürlich schon eingreifen, wenn ein Staat sich zu bewaffnen beginnt. Die Regionen arbeiten bei etwaigen Konflikten auch weltweit in verfassungsmäßig festgelegter Weise zusammen, damit sich nicht innerhalb einer Region oder zwischen Regionen Dominanzverhältnisse entwickeln.
Daß dieses Szenarium heute völlig utopisch erscheint, spricht nicht dagegen, daß es in wenigen Jahrzehnten zu verwirklichen ist. Alle Entwicklungen haben ihre Zeit. Wie gesagt: Sokrates oder Jesus konnten nicht gegen die Sklaverei kämpfen - doch eines Tages war sie abgeschafft. Bis vor kurzem war die Organisation des Weltfriedens nicht praktikabel - wenn auch schon vor über 200 Jahren von Kant in groben Zügen geschildert Zum ewigen Frieden, 1795 ... Dank unserer Nachbarschaft zu den verlorengegangenen Geschwistern der europäischen Familie haben wir die Chance, zu verhindern, daß es vorher noch zu einem Zwischenspiel mit westeuropäischer Machtpolitik kommt, wie sie sich jetzt gerade manche erträumen. ...
Auch die Idee, daß die Nationen insgesamt überflüssig seien, wird zunehmend Anziehungskraft ausüben. ... »Multikulturelle Gesellschaft« an einer Begegnungsstelle setzt voraus, daß anderswo die räumlichen und zeitlichen Bedingungen für Kulturentwicklung erhalten bleiben - und das bedeutet eine nicht zu kleine, aber auch nicht zu große Menge von Menschen, die untereinander mehr Kontakt haben als mit den Ferneren und die diese Situation über viele Generationen beibehalten können. ... Darüber hinaus muß der Austausch offenbar nach Menge und Geschwindigkeit beschränkt bleiben. Sonst entsteht nicht eine »Multikulturelle Gesellschaft«, sondern eine akulturelle Welt. ... Daß meine Sicht im Moment als sehr »altmodisch« erscheint, hat wohl vor allem damit zu tun, daß auch viele ausgesprochen »reaktionär« Denkende ihr zuneigen und daß die wirtschaftliche Entwicklung der Welt doch genau das Gegenteil zu erzwingen scheint. (S.198-201)

4. Die Organisation der Arbeit und des Einkommens? Also die Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus? Damit haben sich schon die beiden letzten Kapitel und auch die anfänglichen Kinderfragen beschäftigt. ...
Genau auf dieses Zusammentreffen alten und neuen Scheiterns aber stützt sich meine Hoffnung, daß bei uns neues Denken aufbricht. Nirgends berühren und verflechten sich die Fehlstellen des wirtschaftlichen Denkens von Jahrhunderten so eng wie in der neuen deutschen Realität und in unseren Köpfen. Die inneren Widersprüche in den Ideen kapitalistischer Wertschöpfung werden dabei schnell ebenso deutlich wie in denen des verrotteten Sozialismus. ... Die Erkenntnis, daß so viele Menschen aus guten Gründen nichts mehr zu tun finden - nämlich weil wir jahrhundertelang erfolgreich auf die Ersetzung des Menschen als Arbeiter hingearbeitet haben -, wird die Bewertung von Kapital und Arbeit radikal verändern. Solidarität wird plötzlich nicht mehr bedeuten, daß die Menschen, die Arbeit haben, hieraus die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungen finanzieren müßten. Diese Lasten werden aus Steuern getragen werden, die auch das Kapital treffen - und zwar überproportional zu dessen Größe. Und damit sind wir schon bei der Kernidee einer »ökologischen Steuerreform«: bei der »Besteuerung des Schädlichen«. Mit wachsender Einsicht ins Wesen der Krise führt dies schließlich zur Besteuerung des »Großen und Schnellen« und zur steuerlichen Behinderung des Eigentums an Lebensgrundlagen anderer.
Wenn erst einmal die Idee Fuß faßt, daß man das Schädliche besteuern und das dauerhaft nützliche von Steuern befreien oder sogar subventionieren sollte, ... - und der Wert wird nicht am Preis gemessen, den jemand zahlen will, sondern an der Lebensverträglichkeit und an den Abfällen des Produkts und der Produktionsmethoden. ... Auf einmal werden wir statt der Arbeit die Energie und die Biozide besteuern. Statt immer größerer Maschinen auf immer größeren Äckern und immer breiteren Forststraßen werden in der Landwirtschaft und im Wald womöglich wieder Pferde zu sehen sein, die Heu und Hafer fressen. ...
Auch im öffentlichen Leben sieht dann alles anders aus. Die Demokratie von griech.: demos, "Volk", und kratein, "herrschen" wird von unten her im Kleinen organisiert werden, wofür sie ja auch erfunden wurde. ... Die sogenannte Verwaltungsvereinfachung durch Konzentration hat nämlich vor allem dazu geführt, daß Bürokraten sich überwiegend miteinander beschäftigen müssen und dabei gemeinsam immer schneller neue Probleme für die Menschen erzeugen, denen sie eigentlich dienen sollten. ... Wir leben doch nun einmal in einer »Dissensgesellschaft«, heißt es. Leben ist immer Kampf. Nur in Konkurrenz kann ermittelt werden, was besser oder schlechter ist. Das ist doch das Prinzip des evolutionären Fortschritts! Ja aber die Frage ist: An welcher Front dürfen Menschen künftig noch konkurrieren? Wir haben es gesehen: z.B. um ihre handwerklichen, künstlerischen oder mathematischen Ideen, meinetwegen auch um ihre Edelsteine, und natürlich vor allem um Ansehen für ihr Denken und Handeln, für die Harmonie in ihrer Familie, für ihr gesellschaftliches Engagement, für die Schönheit ihres Hauses und Gartens - aber keinesfalls um ihre Lebensgrundlagen! (S.201-205)

Den Widerstand, der einer Wende in den wirtschaftlichen Ideen entgegensteht, wird niemand unterschätzen. Die Minderheit von Eigentümern an den materiellen Lebensgrundlagen der Mehrheit kontrolliert ja weitgehend auch die Medien. ... Solange die Mehrheit nicht begriffen hat, daß sie nun endlich dringend auf dem normalen demokratischen Wege dafür sorgen muß, ihre vier wichtigsten Gewalten - die Legislative, Exekutive, Judikative und Informative - voneinander und vor allem von der Macht des Eigentums unabhängig zu machen und zu erhalten, scheint wenig Hoffnung zu sein, daß sie auch nur davon erfährt, wie wichtig ebendies wäre. ... (S.206)

Über den Biologen Hubert Markl, früherer Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, als Beispiel für einen Naturwissenschaftler der etablierten, fortschrittsgläubigen Denkungsart, der problematische Entwicklungen durchaus erkennt, aber aus ideologischen Gründen im entscheidenden Moment nicht weiterdenkt / nicht zu Ende denkt und mit Frage- und Denkabbruch reagiert, weil die dadurch möglicherweise notwendig würdenden Schlußfolgerungen mit seinem Verständnis von einer »evolutionär wie historisch nachgewiesenen Erfolgsstrategie« des derzeitigen wissenschaftlichen Paradigmas nicht kompatibel zu sein scheint. (S.206-213)

Für Hubert Markl sind die »Fehler des Unterlassens tragischer als die Fehler des Unternehmens«. Das Wort »Unterlassen« löst in ihm - wie in vielen hervorragenden Wissenschaftlern - offenbar den Reflex aus, den man von Kleinkindern kennt, denen man ein Spielzeug wegnehmen will. (S.213)

Wie also soll es nun uns ... gelingen, gegen den Widerstand der Besitzenden und der etablierten Wissenschaft neue Leitideen der Gesellschaft zu verwirklichen? Und ausgerechnet hier bei uns beginnend? ... von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Menschen, die verstehen, worum es geht - weil die Probleme und die Mißerfolge bei den sogenannten Problemlösungen sich häufen, weil die Kaiser durch ihre eigenen Verlautbarungen ihre Nacktheit offenbaren, und weil immer mehr darüber gesprochen wird. Es kommt zu einem exponentiellen Wachstum - schon jetzt wächst das Bewußtsein schneller als das Bruttosozialprodukt, nur ist es noch so viel weiter unten auf seiner Exponentialkurve -, und es wächst, bis die Mehrheit ergriffen ist. Dies wird wahrscheinlich in allen wichtigen Parteien eine Mehrheit sein, denn das Schrumpfen der Bedeutung der Parteien in der politischen Organisation der demokratischen Gesellschaft dürfte erst später einsetzen.
Wundert es noch jemanden? Ich behaupte allen Ernstes: Die Wende kommt wahrscheinlich »von allein«, und wichtige Anstöße werden wahrscheinlich aus unserem Lande kommen. Was sonst hätten wir auch erwarten sollen? Es handelt sich um den Selbstorganisationsprozeß der menschlichen Freiheit. Wir sind eines der freiesten Länder, obendrein mit den vorhin genannten Besonderheiten, die das Danken in erfolgversprechenden Richtungen begünstigen. Wir brauchen also vielleicht nicht einmal neue Parteien und Organisationen, um den Übergang zu attraktiveren Ideen vorzubereiten. (S.214/215)

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Freitag, 18. Januar 2002

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