Theo Pinkus

Version 2, 88.65.8.201 am 17.5.2007 13:24

Aus CONTRASTE Nr. 200 (Mai 2001)

Studienbibliothek Geschichte der Arbeiterbewegung, Zuerich

Uebergabe statt Ende

Die "Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung" in Zuerich uebergibt wesentliche Teile ihres Bestandes an Buechern, Zeitschriften und Archivalien per Schenkung an die Zentral- und Stadtbibliothek der Stadt Zuerich. Mit dieser Vereinbarung ist der geschlossene Fortbestand dieses Materials erst einmal gesichert, das Projekt eines unabhaengigen sozialen und politischen Treffpunkts und das eines traditionsreichen selbstverwalteten Archivs der Arbeiter- und neuen sozialen Bewegungen aber vorerst zu Ende.

von Bernd Huettner, Redaktion Bremen - Die Studienbibliothek wurde 1971 von Theo und Amalie Pinkus, zwei weit ueber die Schweiz hinaus bekannte Linke, die Sympathien fuer den realexistierenden Sozialismus wie die neuen sozialen Bewegungen hatten, gegruendet. Sie wollten ihre Privatbibliothek der Oeffentlichkeit zur Verfuegung stellen. Die Sammelschwerpunkte der beiden wie auch der Studienbibliothek waren kommunistische Bewegung des 20. Jahrhunderts, Fruehsozialismus, Marxismus, antifaschistischer Widerstand, Exil, Buecher aus und ueber den Realsozialismus, "1968" und neue soziale Bewegungen (Frauenbewegung, Umweltbewegung, StudentInnen etc.) in der Schweiz und in Deutschland.

Die Bibliothek hat einen Umfang von 50.000 Buechern (Sachbuecher und Belletristik) und unzaehligen Kleinschriften. Ein wesentlicher Bereich des Bestands sind die Archivalien. Darunter befindet sich auch der umfangreiche, bereits erschlossene Nachlass des Stifter-Paares Amalie und Theo Pinkus-De Sassi. Hinzu kommen Zeitungen und Zeitschriften. Die ca. 12.000 Personen- und Organisationsdossiers, groesstenteils mit Zeitungsausschnitten von Pinkus, konnten nur zu geringem Teil in die Obhut des Schweizerischen Sozialarchiv uebergehen.

Ab 1998 ging es, so die geschaeftsfuehrende Stiftungsraetin Brigitte Walz-Richter, fuer die Stiftung nur noch darum, den Fortbestand der Bibliothek zu erhalten. Warnendes Beispiel war die Bibliothek des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes die - nach hundert Jahren Aufbau - vor einigen Jahren aufgeloest und deren Buchbestand einfach verkauft wurde. Verhandlungen mit dem unter anderem von der Bundesregierung sowie Stadt und Kanton Zuerich getragenen und schon 1906 gegruendeten Schweizerischen Sozialarchiv fuehrten nicht zum Erfolg: Das Sozialarchiv sah sich weder finanziell noch raeumlich zu einer Uebernahme in der Lage. Die Zentralbibliothek wird nun die uebergebenen Materialien geschlossen und separat aufstellen und in ihren elektronischen Katalog aufnehmen. Dadurch wird die Zugaenglichkeit des Materials weiter voll gewaehrleistet und fuer die Forschung wie fuer Laien sogar noch erhoeht. Die MitarbeiterInnen der Studienbibliothek haben vor der Uebergabe umfangreiche Teile aussortieren und die Bibliothek damit auf ihren inhaltlichen Kern reduzieren muessen. Von einem Scheitern der Studienbibliothek wollen sie nicht sprechen. Sie sind verhaeltnismaessig guter Dinge und hoffen im Gegenteil, jetzt mehr Zeit als frueher fuer die inhaltliche Arbeit mit den Archivalien zu haben.

Die Website der Studienbibliothek ist zu finden unter http://www.studienbibliothek.ch.